Brexit: welche Bedingungen gelten für Schweizer Exporteure?

Zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich konnte eine Einigung erzielt werden. Was bedeutet sie für Schweizer KMU? Kommen Sie bei operativen Fragen via exporthelp@s-ge.com auf uns zu, damit wir Ihnen punktgenau weiterhelfen können.

Chancen und Risiken abklären

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Handelsabkommen

Handelsabkommen

Abkommen zur Mobilität von Dienstleistungserbringern

Der Bundesrat hat am 4. Dezember 2020 ein Abkommen über die Mobilität von Dienstleistungserbringern zwischen der Schweiz und UK genehmigt. Damit soll der gegenseitige, erleichterte Marktzugang sichergestellt werden. Nach dem Wegfall des Freizügigkeitsabkommens seit 1. Januar 2021 wird auf diese Weise eine drohende Lücke geschlossen. Dies ist Teil der «Mind-the-Gap»-Strategie des Bundesrates nach dem Austritt des UK aus der EU. 

Handelsabkommen Schweiz – Vereinigtes Königreich gültig ab Januar 2021

Bereits am 11. Februar 2019 haben Bundesrat Guy Parmelin und der britische Minister für internationalen Handel Liam Fox in Bern ein bilaterales Handelsabkommen unterzeichnet. Das Abkommen gewährleistet die Beibehaltung der Rechte und Pflichten im Wirtschafts- und Handelsbereich gemäss den zwischen der Schweiz und der Europäischen Union (EU) bestehenden Abkommen. Es soll die Basis für die Fortführung der guten Wirtschafts- und Handelsbeziehungen zwischen den zwei Partnern nach dem Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU schaffen.

Dieses Abkommen wurde im Rahmen der «Mind-the-Gap»-Strategie des Bundesrates abgeschlossen. Im Zusammenhang mit der «Mind the Gap»-Strategie möchte der Bundesrat die möglichst vollständige Weiterführung der gegenseitigen Rechte und Pflichten, die zwischen der Schweiz und dem Vereinigten Königreich gelten, nach dem Brexit gewährleisten oder diese in gewissen Bereichen sogar ausbauen.

Abkommen gilt auch für Liechtenstein

Ebenfalls am 11. Februar 2019 unterzeichnet wurde ein Zusatzabkommen zwischen der Schweiz, dem Vereinigten Königreich und dem Fürstentum Liechtenstein, um die einschlägigen Bestimmungen des Handelsabkommens unter der Zollunion Schweiz−Liechtenstein auf das Gebiet des Fürstentums auszuweiten.

Abkommen zwischen EU und UK: Konsequenzen für Schweizer Exporteure

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Zollfragen

Zollfragen

Diese Schritt-für-Schritt-Anleitung der britischen Regierung zeigt auf, was beim Import-Prozess für UK-Firmen zu beachten ist. 

Welche Zollansätze sind nach dem Austritt gültig?

Die Standard-Zollsätze für nicht präferenzbegünstigte Waren, die seit dem 1. Januar 2021 gelten werden, können Sie auf der Website der britischen Regierung nachschauen. 

Eine umfassende Übersicht aller Zollsätze für Agrarprodukte, die zwischen der Schweiz und dem Vereinigten Königreich vereinbart wurden, können im Handelsabkommen ab Seite 55 nachgesehen werden. Für Industrieprodukte bleibt die Zollfreiheit, die vertraglich mit der EU vereinbart ist, auch im Handel mit dem UK bestehen.

Mit welchen Vormaterialien darf eine Ursprungskumulation vorgenommen werden?

Das Handelsabkommen zwischen der Schweiz und dem UK sieht die Möglichkeit der Kumulation von Ursprungswaren anderer Vertragsparteien des PEM-Übereinkommens vor. Vorausgesetzt, dass die Vertragspartei mit der CH und dem UK ein Freihandelsabkommen unterhält und dieses identische Ursprungsregeln enthält.

Da die im Abkommen EU-UK vereinbarten Ursprungsregeln nicht mit denen des Handelsabkommens CH-UK identisch sind, ist eine Kumulation von EU-Ursprungswaren im Verkehr zwischen der Schweiz und dem UK nicht mehr möglich.

In welcher Form muss ein Ursprungsnachweis erstellt werden?

Als gültige Ursprungsnachweise gelten die Warenverkehrsbescheinigung EUR 1 bzw. EURO-Med sowie die Ursprungserklärung auf der Rechnung bis zu einem Warenwert von CHF 10'300.--. Ermächtigte Ausführer können Ursprungserklärungen weiterhin betragsunabhängig auf der Rechnung ausstellen.

Als Ursprungsnachweis auf der Rechnung gelten die Ursprungserklärungen Typ A (EUR 1) und Typ Aa (EUR-Med):

Typ A: Der Ausführer (Ermächtigter Ausführer; Bewilligungs-Nr. .........) der Waren, auf die sich dieses Handelspapier bezieht, erklärt, dass diese Waren, soweit nicht anders angegeben, präferenzbegünstigte ......... Ursprungswaren sind.

Typ Aa: Der Ausführer (Ermächtigter Ausführer; Bewilligungs-Nr. .........) der Waren, auf die sich dieses Handelspapier bezieht, erklärt, dass diese Waren, soweit nicht anders angegeben, präferenzbegünstigte ......... Ursprungswaren sind.

- cumulation apllied with

- no cumulation applied

Wir haben ein Lager in der EU. Was gibt es an dieser Stelle für Lieferungen in das UK zu beachten?

Sie müssen einen Export aus der EU und dann einen Import in das UK tätigen. Besonders wichtig: Bei Exporten aus der EU muss der zollrechtliche Ausführer in der EU ansässig sein.

Schweizer Ursprungswaren, die definitiv in der EU eingeführt wurden und dort eingelagert sind, verlieren per 01.01.2021 den präferenzbegünstigten Ursprung im Sinne des Handelsabkommen CH-UK. Es besteht hier jedoch die Möglichkeit, unbearbeitete Waren zurück in die Schweiz zu liefern und ab dort präferenzbegünstigt ins UK zu exportieren. Waren, die in einem Zollfreilager eingelagert sind, behalten jedoch den Ursprung und können direkt ins UK versendet werden.

Was bedeutet der Brexit für die Zoll- und Transportabwicklung?

Waren, die sich nach der Übergangsfrist noch im Transit befinden, gelten weiterhin als Präferenzware sofern innerhalb von 12 Monaten eine nachträglich ausgestellte Warenverkehrsbescheinigung vom Ausfuhrland vorgelegt werden kann.

Wer benötigt eine GB-EORI-Nummer?

Wer im UK an einer Zollanmeldung beim Import oder beim Export beteiligt ist benötigt wie bis anhin eine EORI-Nummer. Seit dem 1. Januar 2021 muss diese zwingend mit GB beginnen, EORI-Nummern aus EU-Mitgliedsstaaten werden nicht mehr akzeptiert. Weitere Informationen zur GB-EORI-Nummer und deren Beantragung finden Sie hier.

Können Sendungen ins UK weiterhin über eine EU-Verzollung abgewickelt werden?

Eine EU-Verzollung ist nur noch für Lieferungen nach Nordirland möglich, da Nordirland weiterhin Teil des EU-Binnenmarktes ist.

 

UK-Regulatorien

UK-Regulatorien

UK-REACH

Nach Ende der Übergangsfrist ist die EU-REACH Registrierung für Verkäufe von Chemikalien nach UK (mit Ausnahme Nordirland) nicht mehr gültig. Sie wird durch das UK REACH ersetzt. Lediglich die Registrierungen britischer Unternehmen werden automatisch in die UK REACH übernommen, alle anderen Registrierungen sind neu einzureichen. Der britische Importeur ist verpflichtet die Registrierung beim Import sicherzustellen. Dazu ist bei der zuständigen Behörde eine «Downstream User Notification (DUIN)» zu beantragen und danach die Registrierung vorzunehmen. Je nach Menge und Gefahrenprofil der Stoffe hat die Registrierung innerhalb von 2,4 oder 6 Jahren zu erfolgen. Weitere Informationen sind hier ersichtlich.

Lebensmittelkennzeichnung

Mit dem Austritt aus der EU sind auch die EU-Vorschriften für die Kennzeichnung der Lebensmittel bei Lieferungen ins UK (mit Ausnahme Nordirland) nicht mehr gültig. Wie sich die neuen Vorschriften genau gestalten, ist zurzeit noch unklar.

UKCA

Nach Ende der Übergangsfrist wird die CE-Konformitätskennzeichnung im UK durch das UKCA abgelöst. Für die meisten Produkte wird die CE-Kennzeichnung noch bis am 1. Januar 2022 und für medizinische Geräte noch bis am 1. Januar 2023 akzeptiert. Vorausgesetzt, dass bei den entsprechenden EU-Regulatorien keine Anpassung und somit eine Abweichung zu den UK-Regulatorien erfolgt.

Bei Waren, die vor dem 1. Januar 2021 auf den UK Markt gebracht wurden, muss die CE-Kennzeichnung nicht ersetzt werden.

Für Lieferungen nach Nordirland ist weiterhin eine CE-Kennzeichnung erforderlich.

Weitere Informationen zur Anwendung und den Übergangsfristen erhalten Sie hier.

 

Lieferungen aus der EU

Lieferungen aus der EU

Um Unternehmen mehr Zeit zu geben, sich an die neuen Bedingungen für den Import von Waren anzupassen, erfolgt die Einführung stufenweise bis 1. Juli 2021. Die Massnahmen sollen unabhängig vom Ausgang der Verhandlungen über die zukünftigen Beziehungen eingeführt werden, also auch dann in Kraft treten, wenn sich beide Parteien nicht auf ein Freihandelsabkommen einigen können. Sie gelten nur für Einfuhren aus der EU.

Die Massnahmen unterscheiden sich je nach Warenkategorie

Ab Januar 2021:

  • Vorabanmeldungen (Summarische Eingangsanmeldungen/Safety and Security declarations) entfallen für einen Zeitraum von sechs Monaten für alle Waren.  
  • Für die meisten Waren können vollständige Einfuhranmeldungen nachträglich in einem Zeitraum von bis zu sechs Monaten eingereicht werden.
  • Falls Zölle gezahlt werden müssen, gibt es die Möglichkeit zum Zahlungsaufschub. Die Zahlung wird zum Zeitpunkt fällig, an dem die vollständige Einfuhranmeldung abgegeben wird.
  • Für genehmigungs- bzw. überwachungspflichtige Güter ist eine vollständige Einfuhranmeldung zum Zeitpunkt der Einfuhr notwendig. Hierzu zählen beispielsweise Tabak, Alkohol oder giftige Chemikalien. Für diese Produkte gelten bereits ab 1. Januar 2021 die Einfuhrvorschriften für Waren aus Drittländern.
  • Für lebende Tiere sowie Pflanzen und Pflanzenprodukte mit hohem Risiko sind Voranmeldungen und Gesundheitsnachweise erforderlich. Zwar sind Dokumentenkontrollen vorgesehen, diese erfolgen jedoch nicht vor Ort bei der Einfuhr. Physische Kontrollen für Waren mit hohem Risiko finden am Bestimmungsort der Ware oder an einem anderen zugelassenen Empfangsort statt.

Ab April 2021:

  • Für alle Waren mit tierischem Ursprung, wie beispielsweise Fleisch, Honig oder Milchprodukte, sowie für alle Pflanzen und Pflanzenprodukte sind Voranmeldungen und Gesundheitsnachweise erforderlich.

Ab Juli 2021:

  • Ab diesem Zeitpunkt gibt es keine Vereinfachungen mehr. Vollständige Einfuhranmeldungen sind zum Zeitpunkt der Einfuhr abzugeben.
  • Vorabanmeldungen (summarische Eingangsanmeldungen/Safety and Security Declarations) werden für alle Einfuhren verpflichtend.
  • Physische Kontrollen und Probenentnahmen von SPS-Waren werden verstärkt durchgeführt. Die Kontrollen finden an britischen Grenzkontrollstellen statt.

Bei einem Warenlager in der EU: Was gibt es für Lieferungen in das UK zu beachten?

Sie müssen einen Export aus der EU und dann einen Import in das UK tätigen. Besonders wichtig: Bei Exporten aus der EU muss der zollrechtliche Ausführer in der EU ansässig sein.

Schweizer Ursprungswaren, die definitiv in der EU eingeführt wurden und dort eingelagert sind, verlieren per 01.01.2021 den präferenzbegünstigten Ursprung im Sinne des Handelsabkommen CH-UK. Es besteht hier jedoch die Möglichkeit, unbearbeitete Waren zurück in die Schweiz zu liefern und ab dort präferenzbegünstigt ins UK zu exportieren. Waren, die in einem Zollfreilager eingelagert sind, behalten jedoch den Ursprung und können direkt ins UK versendet werden.

Entsendung

Entsendung

Das Abkommen über die Mobilität von Dienstleistungserbringern (SMA) zwischen der Schweiz und dem Vereinigten Königreich von Grossbritannien und Nordirland (UK) regelt den gegenseitigen Zugang und befristeten Aufenthalt von Dienstleistungserbringern wie beispielsweise von Unternehmensberatern, IT-Experten oder Ingenieuren ab 1.1.2021. Auf Seiten des UK erfolgt die Marktöffnung gegenüber der Schweiz durch Marktzugangsverpflichtungen in über 30 Dienstleistungssektoren. Ausserdem gewährt das UK Schweizer Dienstleistungserbringern weitere Vorzugsbedingungen. Beispielsweise unterstehen Schweizer Dienstleistungserbringer keiner wirtschaftlichen Bedarfsprüfung für den Zugang in diesen Sektoren im UK und sie müssen keinen Nachweis der Kenntnis der englischen Sprache erbringen. Dienstleistungserbringer aus der Schweiz erhalten einen Zugang im UK für 12 Monate innerhalb einer Periode von 24 Monaten. Mit diesen Bedingungen ermöglicht das SMA Schweizer Unternehmen auch in Zukunft einen weitgehenden Marktzugang im UK für vertragsbasierte Dienstleistungserbringungen durch natürliche Personen.

Der Marktzugang in das UK unter dem SMA beschränkt sich aktuell auf Personen mit Qualifikationen auf universitärem oder gleichwertigem Niveau. Das UK hat sich jedoch im Rahmen eines Briefwechsels verpflichtet, die Anerkennung von Schweizer Berufsbildungsabschlüssen neu zu beurteilen.

Das SMA ist zunächst auf zwei Jahre befristet. Die Vertragsparteien können gemeinsam eine Verlängerung beschliessen. Das Abkommen wird ab 1. Januar 2021 vorläufig angewendet.

Für den Zugang sind verschiedene VISA vorgesehen, das «Temporary Worker - International Agreement Visa (Tier 5)» oder das «Standard Visitor Visa». Für gewisse Geschäftstätigkeiten bis zu 6 Monaten ist kein Visum erforderlich:

  • Für den Zugang als «Contractual Service Supplier» (=Vertragsservice Lieferanten) oder «Independent Professional» (=Freiberufler) unter dem SMA ist ein «Temporary Worker - International Agreement Visa (Tier 5)» erforderlich. Die Informationen dazu finden Sie hier.
  • Für gewisse Geschäftstätigkeiten genügt ein «Standard Visitor Visa». Welche Tätigkeiten darunterfallen, finden Sie hier.
  • Für gewisse Geschäftstätigkeiten ist kein Visum erforderlich. Welche Tätigkeiten darunterfallen, finden Sie hier.

Auf gov.uk steht zudem ein Tool Check if you need a Visa zur Verfügung.

Forum, Downloads und Links

Sind Sie bereit? Unsere Checkliste hilft Ihnen weiter

Nach Ablauf der Übergangsfirst gehört das Vereinigte Königreich (UK) ab dem 1. Januar 2021 nicht mehr zur Europäischen Zollunion. Diese Checkliste soll Ihnen als Schweizer Exporteur dabei helfen zu überprüfen, ob Sie und Ihre Sendungen auf die Änderungen vorbereitet sind.

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Andere Unternehmen, gleiche Herausforderungen: Viele KMU sehen sich beim Export mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert. Diese Erfahrungen auszutauschen ist ein Gewinn für jedes Unternehmen, Sie sparen Zeit und müssen nicht dieselben Fehler machen. 

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