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Anne McBride: «Amerikanern sind qualitativ hochwertige Lebensmittel sehr wichtig»

Anne Engammare McBride lebt für Essen: Sie ist Content-Anbieterin und schreibt regelmässig zu Themen des professionellen und experimentellen Kochens, ist Co-Autorin einer Reihe von Kochbüchern, organisiert kulinarische Veranstaltungen, hält Vorträge und verfügt über einen Doktortitel in Lebensmittelwissenschaften. Als gebürtige Schweizerin empfiehlt sie Schweizer Produzenten, die sich auf dem US-amerikanischen Lebensmittelmarkt etablieren wollen, auf die Stärken zu setzen, für die die Schweiz weltweit bekannt ist.

«Die Schweiz steht im Ruf, sehr hohe Qualität, Präzision und Zuverlässigkeit zu bieten»
«Die Schweiz steht im Ruf, sehr hohe Qualität, Präzision und Zuverlässigkeit zu bieten»

Frau McBride, wie wichtig sind qualitativ hochwertige Lebensmittel in den USA?

Für den Teil der Bevölkerung, der es sich leisten kann, ist Qualität ausgesprochen wichtig und ist in den vergangenen 15 Jahren weiter in den Vordergrund gerückt. Das Interesse der Amerikaner an gutem Essen hat dem Land in der Welt der Gastronomie Bedeutung verliehen. Amerikanern sind qualitativ hochwertige Zutaten und Produkte sehr wichtig. Dazu gehören auch deren Herkunft und deren Produktionsmethoden.

Wieviel Zeit wenden Amerikaner für das Kochen auf?

Laut dem Bureau of Labor Statistics im Durchschnitt 37 Minuten pro Tag. Amerikaner nehmen sich also im Vergleich mit anderen Ländern nicht viel Zeit für das Kochen. Deshalb schätzen sie Fertigprodukte, die sich leicht in die Essenszubereitung einfügen.

Was wäre vor diesem Hintergrund eine gute Marketing-Strategie für Schweizer Nahrungsmittel in den USA?

Abgesehen von Käse und Schokolade sind Schweizer Nahrungsmittel und ihre kulinarischen Traditionen in den USA kaum bekannt. Im Allgemeinen steht die Schweiz aber im Ruf, sehr hohe Qualität, Präzision und Zuverlässigkeit zu bieten. Eine gute Marketing-Strategie würde diese Elemente hervorheben und sie auf die verkauften Lebensmittel projizieren. Die Schweiz hat ausserdem den Ruf, sehr traditionell zu sein. Das kann es etwas schwierig machen, junge Konsumenten zu erreichen, daher sollte die Modernität der Produkte des Landes mit Etiketten und Marketing-Kampagnen, die besonders Millenials ansprechen, betont werden. Mit dieser Strategie kann ein breiterer Markt angesprochen werden.

In welchen Bereichen sehen Sie das grösste Potenzial für Schweizer Lebensmittel?

Das grösste Startpotenzial sehe ich in den Segmenten Gourmet und Spezialitäten. Aufgrund der hohen Qualität wird die Schweiz nicht mit günstigen Produkten in Verbindung gebracht. Ein Fokus auf Sektoren, in denen wohlhabende Menschen mit Interesse an gutem Essen qualitativ hochwertige Produkte suchen, wäre mein erster Schritt. Es gibt einen starken «Trickle-Down-Effekt» (Durchsickern des Einkommenswachstums von oben nach unten) im Bereich Nahrungsmittel in den USA, daher würde ich mich dann auf die Mainstream-Supermärkte mit Gourmet-Abteilungen konzentrieren bzw. auf Supermärkte in wohlhabenderen Gegenden.

Welchen Rat würden Sie Schweizer KMU geben, die auf dem US-amerikanischen Nahrungsmittelmarkt Erfolg haben wollen?

Es ist wichtig, Kunden zu zeigen, wie die Produkte eingesetzt werden. Der Einsatz von Markenbotschaftern wäre ein wichtiger Teil meiner Strategie. Markenbotschafter sind Personen, die mit dem US-amerikanischen Markt und mit Schweizer Produkten vertraut sind, die die Merkmale dieser Produkte einem amerikanischen Publikum näherbringen können und den Amerikanern dabei helfen, diese Produkte in ihre Essenszubereitung und in ihre Essgewohnheiten zu integrieren.

Im November haben Sie und das Schweizerische Generalkonsulat in New York einen Event für die Teilnehmer der Food Challenge organisiert. Welchen Eindruck hatten Sie von den Schweizer Lebensmittel- und Getränkeherstellern?

Ja, ich habe mit dem Team des Schweizerischen Konsulats am Konzept dieses Events gearbeitet, an Ablauf und Gästeliste. Der Event war eine hervorragende Gelegenheit für einflussreiche Personen in New York, mehr über die Food Challenge zu erfahren und Beobachtungen zu teilen. Ich war beeindruckt, wie engagiert die Schweizer Produzenten während der ganzen Veranstaltung bei der Werbung für ihre Produkte waren.

Verwenden Sie für Ihre Rezepte Schweizer Produkte?

Natürlich! Ich nehme bei jedem Besuch verschiedene Produkte mit, etwa Haselnussmehl, das man in den USA kaum oder nur sehr teuer bekommt, das aber so wichtig für das Schweizer Backwerk ist!

Über Anne Engammare McBride

Anne Engammare McBride ist Content-Anbieterin, und zwar sowohl über das Schreiben als auch das Organisieren von Konferenzen und das Unterrichten. Sie hat einen Doktortitel in Lebensmittelwissenschaften von der New York University und erforscht die sich verändernde Rolle des Küchenchefs im 21. Jahrhundert. Anne McBride berichtet sowohl für Konsumenten als auch für ein akademisches Publikum über Küchenchefs und Restaurants, globale kulinarische Veranstaltungen und Gebäck und ist Co-Autorin von sechs Büchern, darunter auch Les Petits Macarons, Payard Cookies und Culinary Careers. Seit mehr als zehn Jahren entwickelt, organisiert und präsentiert sie kulinarische Veranstaltungen, unter anderem fungiert sie als Programmdirektorin für Worlds of Flavor® International Conference & Festival, das im Culinary Institute of America stattfindet, und ist Direktorin des Experimental Cuisine Collective (Kollektiv der experimentellen Küche) an der New York University (NYU), wo sie auch regelmässig unterrichtet. Die gebürtige Schweizerin ist Vorstandsmitglied der Association for the Study of Food and Society (Vereinigung für das Studium von Nahrungsmitteln und Gesellschaft) und des James Beard Foundation Awards Committee (Vergabeausschuss der James Beard Stiftung).

Über den Event:

Am 29. November versammelte sich eine Gruppe von begeisterten Food-Bloggern zu einem Kochkurs in der Residenz des Schweizer Botschafters André Schaller und seiner Frau Brigitte Schaller-Schoepf. Das Treffen wurde von Anne McBride und dem Schweizerischen Generalkonsulat in New York organisiert und stellte die 17 Produkte der Aktion #TasteSwitzerland auf dem Fairway Market vor. Bei dem feierlichen Anlass ging es um den passenden Wein zum Schweizer Käse und es wurde ein einzigartiger Kochkurs mit dem Küchenchef der Residenz veranstaltet. Küchenchef Yannick erkundete die Dynamik dieser Produkte, um seine eigenen Rezepte zu kreieren; es gab unter anderem Nudeln aus Bio-Edamame-Sojabohnen für von der Schweiz inspirierte Ramen und Bischofszell Rösti mit Lachs, der dem alpinen Klassiker einen Hauch Modernität verlieh. Dieser praktische Ansatz ermöglichte es den Food-Bloggern, die Gebräuche der Schweizer Küche zu entdecken und die hohe Qualität der Schweizer Produkte und ihre praktische Verwendung in der modernen Küche zu geniessen. Die Food-Blogger hatten die Möglichkeit, diese Erfahrung über soziale Medien zu teilen und die Kampagne #TasteSwitzerland unter ihrem grossen digitalen Publikum zu verbreiten.

Die Rezepte des Food-Blogger-Events von Küchenchef Yannick Germanier finden Sie im untenstehenden PDF-Dokument.

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