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Elektromobilität und erneuerbare Energien: Polen investiert in Cleantech-Projekte

Weniger Smog, umweltfreundlichere Autos und koordiniertes Abfallmanagement: Cleantech ist in Polen im Aufwind. Die Vielzahl der Projekte birgt zahlreiche Geschäftschancen für Schweizer KMU. 

Polen investiert in bessere Luftqualität
Polen investiert in bessere Luftqualität

Obwohl Luftverschmutzung in Polen schon seit vielen Jahren ein ernsthaftes Problem darstellt, zieht das Thema Smog erst seit vergangenem Jahr verstärkt Aufmerksamkeit auf sich. Rund 90% des Smogs entstehen durch sogenannte «häusliche Kleinfeuer», also durch den Betrieb veralteter Heizkessel und die Verbrennung von Kraftstoffen minderer Qualität.  Laut Weltgesundheitsorganisation liegen 33 der 50 am stärksten belasteten Städte innerhalb der Europäischen Union in Polen. Die Regierung will nun handeln und hat Anti-Smog-Programme für jede der betroffenen Städte angekündigt. Die erste Neuregelung zur Smogreduktion betrifft die Vorgaben für Heizkessel. Ab Juli 2018 werden am Markt nur noch Modelle mit verbesserter Umweltleistung erhältlich sein, also Kessel mit Emissionsklasse 5 oder höher.

Nach Angaben des Umweltministeriums hat Polen in den vergangenen beiden Jahren 2 Mrd. PLN (0,5 Mrd. EUR) in die Verbesserung der Luftqualität investiert. Bis 2020 werden sich die Investitionen zur Bekämpfung der Luftverschmutzung auf geschätzte 11 Mrd. PLN (2,6 Mrd. EUR) summieren. Eine Finanzierungsquelle hierfür ist die neu eingeführte Recyclinggebühr, eine Abgabe auf Plastiktüten im Einzelhandel.

Besonders deutliche Massnahmen zur Bekämpfung von Smog werden auf kommunaler Ebene getroffen. 7 von 16 Woiwodschaften (lokale Verwaltungseinheiten) haben Anti-Smog-Beschlüsse erlassen. Die strengsten Auflagen gelten in Krakau. Die Stadt hat für alle veralteten Heizsysteme eine Modernisierungsfrist bis 2022 festgesetzt und das Heizen mit Kohle und Holz ab September 2019 verboten. Viele Städte gewähren darüber hinaus Zuschüsse für den Austausch alter Heizanlagen durch umweltfreundliche Systeme.

Zu den geplanten Massnahmen gegen Smog gehören zum Beispiel die Modernisierung von Wärmenetzen, die Erhöhung der Energieeffizienz in Gebäuden (Belüftungssysteme, thermische Modernisierung), die Förderung umweltfreundlicher Heizquellen (Wärmepumpen, ökologische Heizkessel, Erdwärme), intelligenter Systeme zur Analyse und Steuerung des Energieverbrauchs sowie von Geräten zur Messung der Luftqualität.

2018 – Ein entscheidendes Jahr für die Elektromobilitätsbranche

Polen steht in der Entwicklung des elektrischen Transports und der entsprechenden Infrastruktur noch ganz am Anfang. Nach Angaben des Dachverbands der europäischen Automobilindustrie (ACEA) wurden in Polen in den ersten drei Quartalen 2017 20’242 neue Fahrzeuge mit alternativer Antriebstechnologie (Elektro, Hybrid, LPG und Ethanol) zugelassen. Dies entspricht einem Zuwachs von 67% im Jahresvergleich. Der Anteil an batterieelektrischen, also rein elektrisch betriebenen Fahrzeugen, ist mit 263 Neuzulassungen eher gering. Nichtsdestotrotz verbirgt sich hinter dieser Zahl ein Zuwachs von beachtlichen 281% im Jahresvergleich.

Angesichts der starken Smogbelastung gilt die Elektromobilität als eine der wichtigsten Gegenmassnahmen. Das Entwicklungsministerium kündigte im März 2017 einen Elektromobilitätsplan an, der bis 2025 eine Million Elektrofahrzeuge auf polnische Strassen bringen soll.

2018 wird zum Schlüsseljahr für die Elektromobilitätsbranche in Polen. Das Gesetz über Elektromobilität, das Anreize für die Anschaffung eines Elektrofahrzeugs bietet, wird voraussichtlich im ersten Quartal in Kraft treten. Die neuen Regelungen sollen den E-Transport attraktiver machen und der Branche wichtige Impulse geben.

Öffentliche Ausschreibungen im Bereich Elektromobilität

Derzeit gibt es ca. 300 Ladestationen für Elektrofahrzeuge, hauptsächlich im Grossraum Warschau und an strategischen Standorten wie Einkaufszentren und Supermärkten. So hat beispielsweise der Discounter Lidl in Zusammenarbeit mit ABB damit begonnen, eigene Ladestationen zu errichten. Im Jahr 2017 wurden bereits drei Stationen installiert, weitere sind in Planung.

Darüber hinaus sollen bis Ende 2020 6’000 neue Ladeplätze und 400 Schnellladestationen errichtet werden. Die Investitionen in Ladestationen und die entsprechende Modernisierung des Stromnetzes werden geschätzte 500 Millionen Euro betragen. Es ist zu erwarten, dass die lokalen Behörden mit der Inkraftsetzung des Gesetzes über Elektromobilität zahlreiche öffentliche Ausschreibungen vornehmen werden.

Des Weiteren plant Polen, eine eigene E-Fahrzeugmarke an den Start zu bringen. Das Unternehmen Electromobility Poland, das unter der Leitung grosser Energiekonzerne steht, hat einen Wettbewerb zur Entwicklung des ersten polnischen Elektroautos angekündigt. Derzeit sucht Electromobility Poland nach einem geeigneten Produktionspartner. Abnehmer der ersten polnischen E-Fahrzeuge werden drei grosse Energiekonzerne und staatliche Fernsehanstalten sein, die bereits einen Bedarf an 2’000 Fahrzeugen angekündigt haben.

Schätzungen des Entwicklungsministeriums zufolge fuhren in polnischen Städten im Oktober 2017 79 Elektrobusse, 349 weitere sind in Planung. Das Ministerium geht davon aus, dass diese Zahl bis 2023 auf 1’000 steigen wird. Die Anschaffung wird durch die nationale Stiftung für Umweltschutz und Wasserwirtschaft finanziert. Ein entsprechender Vertrag wurde im Dezember 2017 unterzeichnet, und das Budget in Höhe von 2,5 Mrd. PLN (0,6 Mrd. EUR) ist mittlerweile bestätigt. Aktuell erwartet die Stadt Warschau die Lieferung von 130 Elektrobussen, die vom polnischen Unternehmen Solaris Bus & Coach produziert werden. Weitere polnische Hersteller von Elektrobussen sind Autosan und Ursus. Im Oktober 2017 setzte sich letzterer in einer Ausschreibung der Stadt Zielona Gora in Westpolen durch und wird 2018 47 E-Busse ausliefern.

EU-Schwellenwerte für erneuerbare Energiequellen

Die Energieerzeugung in Polen wird nach wie vor von Steinkohle dominiert. Auch wenn sich daran wohl so schnell nichts ändern wird, hat das Land sich zum Ziel gesetzt, bis 2020 den Anteil erneuerbarer Energien am Energie-Mix des Landes auf 15% zu erhöhen. 2016 betrug der Anteil nur 11,3% und war im Vergleich zum Vorjahr sogar leicht rückläufig. Die Marktsituation war in den vergangenen beiden Jahren schwierig und brachte Polen seinem erklärten Ziel nicht näher. Experten sagen für 2018 jedoch eine positivere Entwicklung voraus.

Aufgrund der sinkenden Energieproduktionskosten in Offshore-Windparks sind Investitionen in weitere Parks zu erwarten. Das polnische Unternehmen Polenergia plant derzeit den Bau zweier neuer Windparks in der Ostsee. Die ersten Genehmigungen liegen bereits vor, sodass der Bau 2020 bzw. 2023 beginnen kann.

Die Investition in erneuerbare Energiequellen kann mit Fördermitteln aus zwei EU-Programmen bezuschusst werden: Infrastruktur und Umwelt und Regionale operationelle Programme. Im Rahmen dieser Programme stehen für den Zeitraum 2014 – 2020 1,2 Mrd. Euro zur Förderung erneuerbarer Energien bereit. Vor Kurzem wurden neue Projekte zur Förderung der Nutzung erneuerbarer Energien durch Unternehmen mit einem Investitionsvolumen in Höhe von 100 Mio. PLN (24 Mio. EUR) angekündigt (z. B. Anlagen für erneuerbare Energien, energieeffiziente Produktionslinien, Thermomodernisierung von Gebäuden). Unternehmen können die Fördermittel bis Ende März 2018 beantragen.

Finanzmittel für Investitionen in Abfallmanagement

Polen muss ab 2020 50% aller Papier-, Glas-, Metall- und Kunststoffabfälle recyceln. Aktuell liegt der Anteil erst bei ca. 25%. Das bedeutet, in der Abfallwirtschaft werden in naher Zukunft erhebliche Investitionen erforderlich.  Im August 2017 hat die Europäische Kommission Zuschüsse in Höhe von 1,2 Mrd. Euro für Investitionen in die polnische Abfallwirtschaft bewilligt. Die Mittel fliessen in den Bau, die Modernisierung und die Entwicklung kommunaler Sammel- und Recyclinganlagen, Sortieranlagen sowie Biogas- und Kompostieranlagen.

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