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«Lokale Kontakte und Know-how sind entscheidend für den internationalen Erfolg»

Das Aargauer Unternehmen Coresystems wurde im Jahr 2006 gegründet und hat sich seither zu einem führenden Anbieter von mobilen und cloudbasierten Softwarelösungen in den Segmenten Field Service Management und Workforce Management entwickelt. Im Interview erklärt Manuel Grenacher, Gründer und CEO, welche Rolle Internationalisierung für den Geschäftserfolg spielt.

Manuel Grenacher: «In der IT- und Software-Branche spüren wir definitiv einen Trend zu mehr Protektionismus.»
Manuel Grenacher: «In der IT- und Software-Branche spüren wir definitiv einen Trend zu mehr Protektionismus.»

Manuel Grenacher, die Coresystems AG ist heute mit Niederlassungen in San Francisco, Miami, Berlin, Freiburg, Shanghai, São Paulo und London sehr international unterwegs. Wenn Sie auf Ihre Anfänge zurückschauen: Ist es schwieriger geworden, international zu wachsen?
Nein, internationales Wachstum ist sogar einfacher geworden: Durch professionelle soziale Netzwerke wie LinkedIn sind wir heutzutage besser miteinander verbunden und können Business-Kontakte unkompliziert knüpfen und pflegen. Des Weiteren bringen Mitarbeiter mit internationaler Erfahrung einen grossen Wissensschatz mit, der das Know-how von Unternehmen erweitert und somit ihr Wachstum fördert. Ob diese Energien freigesetzt werden, hängt davon ab, wie offen das jeweilige Unternehmen für Internationalisierung ist.

Spüren Sie heute einen Trend zu mehr Protektionismus – über die politische Debatte hinaus und konkret im IT- und Software-Business?
In der IT- und Software-Branche spüren wir definitiv einen Trend zu mehr Protektionismus. Das Thema Datenschutz verbreitet insbesondere seit dem Inkrafttreten der EU-Datenschutz-Grundverordnung in vielen Unternehmen Panik. Vor allem kleine Firmen und Start-ups stehen unter einem enormen Druck, denn sie müssen dieselben Auflagen erfüllen wie Konzerne, verfügen aber nicht annährend über so grosse Datenmengen. Die Ausgaben für die benötigte Technik und die Schulungskosten für die Mitarbeiter sind ausserdem extrem hoch und stellen eine zusätzliche Belastung dar.

Haben Sie sich schon einmal dagegen entschieden, einen neuen Markt anzugehen, weil Ihnen die Markteintrittshürden zu hoch erschienen?
Bisher haben wir uns noch nie dagegen entschieden, einen neuen Markt zu betreten. Auch in schwierigen Märkten wie in China oder Brasilien sind wir gemeinsam mit unseren Kunden gewachsen.

Welche Länder betrachten Sie als eher anspruchsvoll, wenn es um Formalitäten beim Markteintritt und sonstige Regulierungen vor Ort geht?
Aus Erfahrung wissen wir, dass der Markteintritt in Brasilien oder China sehr anspruchsvoll ist. Deshalb vertrauen wir bei Coresystems unseren lokalen Kontakten, die den jeweiligen Markt kennen und die Fähigkeit sowie das Know-how besitzen, mit den örtlichen Behörden zusammenzuarbeiten. Zudem arbeiten wir mit Organisationen wie Switzerland Global Enterprise zusammen, die uns dabei unterstützen, auf internationalen Märkten Fuss zu fassen.

Wie tun Sie als Unternehmen, wenn Sie einen neuen Markt angehen oder in diesem Markt den nächsten Wachstumsschritt machen wollen? Was klären Sie als Erstes ab? Mit welchen Experten arbeiten Sie zusammen?
Der Aufbau eines neuen Marktes ist ein wichtiger strategischer Schritt und bedarf einer durchdachten Planung. Besonders bedeutend ist die Kenntnis der jeweiligen Gegebenheiten vor Ort. Aus diesem Grund arbeiten wir bei jeder Expansion mit Experten in den Ländern zusammen. Dabei legen wir grossen Wert darauf, dass sie sowohl über das notwendige Know-how als auch über ein breites Netzwerk verfügen. Gleichzeitig hat es sich bewährt, zunächst in Märkte vorzudringen, in denen wir bereits mit Kunden erfolgreich zusammenarbeiten. So können wir zunächst die Basis für weiteres Wachstum schaffen. Erst danach steigen wir aktiv mit unserem Geschäft ein.

Nutzen Sie Freihandelsabkommen und wie wichtig sind diese für Sie?
Bislang nutzen wir keine Freihandelsabkommen. Sie besitzen keine hohe wirtschaftliche Bedeutung für uns, da wir ein Unternehmen der IT-Branche sind und keine Güter exportieren.

Was wären Ihre wichtigsten Tipps für KMU – die typischerweise über weniger Ressourcen für Auslandsprojekte verfügen – wenn es darum geht, international zu wachsen?
Ich empfehle klein- und mittelständischen Unternehmen, Mitarbeiter einzustellen, die einen internationalen Hintergrund besitzen – sei es aufgrund ihrer Herkunft oder durch frühere Beschäftigungen. Im besten Fall haben diese Mitarbeiter schon einmal in einem internationalen Unternehmen gearbeitet. Der neue Arbeitgeber kann dann von den geschäftlichen Beziehungen in den einzelnen Ländern profitieren und gemeinsam mit den dortigen Experten das Geschäft ausbauen. In manchen Fällen, wie beispielsweise in den USA, ist es jedoch ratsam, dass der Geschäftsführer persönlich vor Ort ist und das Geschäft selbst aufbaut. Anders ist ein Eintritt in diesen Markt nur schwer zu bewältigen. Business Development Unternehmen sind in meinen Augen nur dann notwendig, wenn Unternehmen keine lokalen Partner besitzen, die sie bei dem Markteintritt unterstützen.

Ihr Blick in die Zukunft – was glauben Sie, wird die Oberhand gewinnen: Die Globalisierung, gestützt durch neue Technologien und die wachsende, kaufkräftige Mittelschicht in den Schwellenländern Asiens, Afrikas und Lateinamerikas? Oder wird der Protektionismus tatsächlich eine dominantere Rolle einnehmen?
Ich bin davon überzeugt, dass neue Technologien die Oberhand gewinnen werden, da die Menschen ihre eigene Bequemlichkeit der Privatsphäre vorziehen. Ein gutes Beispiel ist Google Maps: Die Applikation kann uns in Echtzeit durch die Strassen navigieren und Routen im Vorfeld berechnen. Für diesen Nutzen geben wir jedoch unsere Privatsphäre auf und rücken bereitwillig unsere Daten heraus. Es liegt bei einem jeden Einzelnen, sich zu entscheiden, die eigene Privatsphäre zu schützen oder den vollen Komfort mithilfe der Technologie auszunutzen. Beides hat natürlich seine Vor- und Nachteile: Während man sich heutzutage kaum noch irgendwo anmelden kann, ohne seine Daten hergeben zu müssen, ist die Gefahr natürlich hoch, dass diese Daten missbraucht werden. Daher ist es umso wichtiger, dass der Markt Sicherheitskonzepte etabliert.

Über Manuel Grenacher

Manuel Grenacher verfolgt als Unternehmer die Vision, Dienstleistungen im Bereich Kundenservice durch Crowd-Technologie zu revolutionieren. Gemeinsam mit drei Kommilitonen rief der studierte IT-Engineer Coresystems im Jahr 2006 ins Leben.

Über die Coresystems AG

Mit weltweit 160 Mitarbeitern ist Coresystems heute einer der am schnellsten wachsenden Entwickler von Cloudanwendungen in der Schweiz. Aktuell nutzen mehr als 155'000 Anwender auf der ganzen Welt die Produkte des Unternehmens, um ihr Aussendienstmanagement zu optimieren. Zu den Kunden zählen kleine, mittlere und grosse nationale und internationale Unternehmen.

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