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Automatisierung in Polen kommt in Schwung und bringt Chancen für Schweizer KMU

Die polnische Industrie weist in technologischer Hinsicht immer noch einen Nachholbedarf auf. Zusammen mit dem sich verschärfendem Fachkräftemangel und der kontinuierlichen Lohnsteigerung nehmen das Interesse und die Investitionsbereitschaft in Lösungen der Industrie 4.0 rasant zu. Dafür ist auch Schweizer Know-how gefragt.

Die Roboterdichte in Polen hat innerhalb von zwei Jahren um 45 % zugenommen.
Die Roboterdichte in Polen hat innerhalb von zwei Jahren um 45 % zugenommen.

Die in Polen produzierenden Unternehmen setzen zwar immer häufiger Lösungen im Bereich von Robotik und Automatisierung ein, aber die vierte industrielle Revolution ist noch nicht landesweit verbreitet. Im Hinblick auf die Produktionsautomation steht Polen weiterhin hinter meisten Industrienationen und auch hinter seinen Nachbarstaaten. Laut IFR (International Federation of Robotic) betrug im Jahr 2016 die durchschnittliche Anzahl der installierten Roboter weltweit bei 74 Stück, in Europa bei 99 Stück pro 10.000 Beschäftigte. Polen liegt mit einem Wert von 32 deutlich hinter der Slowakei (135) und Tschechien (101). Es ist davon auszugehen, dass dieser Rückstand in den nächsten Jahren ausgeglichen wird. So verzeichnete Polen ein Wachstum in der Roboterdichte von 45 % innerhalb von zwei Jahren.

Für Anbieter von Automatisierungslösungen sind dies rosige Aussichten. Grössere Firmen haben bereits entsprechend reagiert und ihre Präsenz in Polen ausgebaut, so zum Beispiel ABB. Das Ende Januar 2018 erweiterte und neu eröffnete Robotikzentrum in Warschau dient als Demonstrations-, Ausbildungs- und Testcenter und soll Kunden in ganz Zentral- und Osteuropa bedienen.

Fachkräftemangel bleibt Herausforderung

Eine der gegenwärtigen Herausforderungen für die in Polen produzierenden Firmen ist die Entwicklung vom Arbeitsmarkt. Laut Eurostat verzeichnete das Land 2017 eine Arbeitslosenquote von 4.9 % (EU-28 Durchschnitt: 7.7 %), was die niedrigste Quote in der postkommunistischen Geschichte Polens ist. Zudem wird eine kontinuierliche Lohnsteigerung verzeichnet - 2017 um knapp 6 %. Die dritte Herausforderung ist die negative demografische Entwicklung und die zunehmende Alterung der Gesellschaft. Diese Tatsachen tragen dazu bei, dass immer mehr produzierende Unternehmen unter Fachkräftemangel leiden. Aus dem letzten Bericht von Rekrutierungsfirma Work Service geht hervor, dass die Hälfte polnischer Unternehmen Probleme mit der Rekrutierung von geeignetem Personal haben. Unter den produzierenden Firmen ist diese Quote noch höher und beträgt knapp 78 %. Diese Entwicklungen beschleunigen den Investitionsentscheid für Automatisierungslösungen.

Politische Unterstützung

Auf der politischen Ebene wurde die Relevanz der Modernisierung der Industrie zur Kenntnis genommen. Polen verfolgt die Strategie zur verantwortungsvollen Entwicklung, die auf Reindustrialisierung, Entwicklung innovativer Unternehmen, Bildung von Entwicklungskapital, Digitalisierung, Unterstützung für KMU, Erschliessung ausländischer Märkte sowie soziale und regionale Entwicklung setzt. 2018 soll die Stiftung Plattform Industrie 4.0 ins Leben gerufen werden, ihr Ziel ist es, den Erfahrungsaustausch und das Know-how im Bereich Industrie 4.0 in Polen zu fördern.

In der zweiten Hälfte 2017 wurden die Steuergesetze novelliert und das  Gesetz über Robotisierung trat in Kraft. Dank der rechtlichen Veränderung können neu Anschaffungskosten von Lösungen wie Industrieroboter und 3D-Drucker schneller abgeschrieben werden. Es wird erwartet, dass diese Vorschriften die KMU dazu ermutigen, in neue Technologien und Lösungen zu investieren.

Laut dem polnischen Statistikamt lagen die Investitionsaufwendungen der polnischen Industrie in Maschinen und technische Anlagen in den ersten drei Quartalen 2017 bei 7 Mrd. CHF (+3.3 % p.a.). Die grössten Investoren sind die Lebensmittelverarbeitungsbranche (1 Mrd. CHF), die Automobilindustrie (1 Mrd. CHF), die Kunststoffindustrie (0.5 Mrd. CHF) und die Produktion von Metallerzeugnissen (0.4 Mrd. CHF).

Die Ideen der Industrie 4.0 wurden in Polen zuerst durch Firmen mit ausländischem Kapital implementiert – wie zum Beispiel die Produktionszentren von Volkswagen, Philips und General Electric. Auch grosse polnische Firmen erkannten den Trend und tätigten Investitionen um ihre Wettbewerbsfähigkeit auf dem globalen Markt zu steigern. Beispielsweise befindet sich eine von den in Europa modernsten Büromöbelfabriken in Südpolen. Die zur polnischen Gruppe Nowy Styl gehörende Firma produziert auf einer Fläche, die so gross wie sechs Fussballplätze ist, mit weniger als 100 Mitarbeitern. Der führende polnische Hersteller von Weisswaren – Amica – eröffnete im September 2017 das vollautomatisierte 46 Meter hohe Lager, das nur von einem Operator bedient werden kann. Moderne technologische Lösungen kann man auch in der polnischen Lebensmittelindustrie (Tago, Mlekovita), Automobilindustrie (Solaris, Boryszew, Wielton), Fenster- und Torproduktion (Fakro, Wisniowski) finden.

Polen befindet sich auf dem Weg in die Industrie 4.0

Der polnische Integrator von Automationslösungen ASTOR führt regelmässig Marktuntersuchungen unter den in Polen produzierenden Firmen durch. Laut dem Bericht vom 2017 «In welche Technologien investieren polnische Firmen?» meint die Mehrheit der befragten Unternehmen, die polnische Industrie befinde sich immer noch in der dritten industriellen Revolution. Gleichzeitig jedoch wächst die Anzahl der Marktteilnehmer, die behaupten, dass Polen in der Mitte des Weges zur Industrie 4.0 steht. Ein Drittel der untersuchten Firmen deklarierte, dass sie Massnahmen Richtung Industrie 4.0 treffen und eine grosse Mehrheit sieht das als aufschlaggebend für die Erhaltung von Wettbewerbsvorteilen. Automatisierungslösungen werden immer häufiger eingesetzt. 2013 bezeichneten sich 13 % der Firmen als gar nicht automatisiert, 2016 sank diese Quote auf 3 %. Vollautomation deklarierte 26 % der Firmen, 2013 waren dies nur 13 %. Diese Änderungen sind unter anderem auf Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt zurückzuführen.

Laut der Untersuchung «Smart Industrie Polen 2017», die vom Entwicklungsministerium und Siemens beauftragt wurde, implementierten im Jahr 2016 rund 77 % der polnischen KMU mindestens eine Lösung mit dem Ziel der Innovationsunterstützung.  Die am meisten verbreitete Lösung ist Automation mit Verwendung von einzelnen Maschinen. Als Lösungen, die künftig von grosser Bedeutung unter KMU sein sollen, wurden Produktionsautomatisierung, mobile Technologien und Robotisierung von Produktionslinien genannt.

Schweizer Know-how ist gefragt

Da in Polen das Know-how im Bereich Automatisierung und Robotik nicht hinreichend ist, werden ausländische Anbieter vom Trend der Automatisierung und Robotik überdurchschnittlich profitieren können. Auf dem Markt ist neben den grossen Spielern wie ABB, KUKA, Schaeffler oder Siemens nur ein bedeutsamer polnischer Produzent– Wobit, dessen Produktportfolio aber begrenzt ist.

Das Interesse an Schweizer Technologien ist beispielsweise in der Zunahme der Exporte von Werkzeugmaschinen für Metallbearbeitung aus der Schweiz nach Polen ersichtlich. Diese sind in den letzten fünf Jahren um rund 80 % gestiegen und betragen im Jahr 2017 über 94 Mio. CHF.

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