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«Kein Land kann besser global agieren als die Schweiz»

Die Schweiz braucht offene Märkte, um ihren Wohlstand zu halten. In den letzten Jahren lässt sich jedoch weltweit ein Trend zu mehr Protektionismus beobachten. Welche Auswirkungen haben America First, der Brexit oder China 2020 für Schweizer Exporteure? Am diesjährigen CEO-Roundtable von Switzerland Global Enterprise (S-GE) Anfang Februar 2018 in Zürich diskutierten die strategischen Partner von S-GE (Credit Suisse (Schweiz) AG, PwC, Axa, International SOS, Data Quest und SERV) die neuen Herausforderungen im Welthandel mit Gastgeber Daniel Küng, CEO von S-GE.

Andreas Gerber, Leiter Firmenkundengeschäft Credit Suisse (Schweiz) AG: «Der Schweizer ist genetisch zu pflichtbewusst.»
Andreas Gerber, Leiter Firmenkundengeschäft Credit Suisse (Schweiz) AG: «Der Schweizer ist genetisch zu pflichtbewusst.»

Handelshemmnisse nehmen zu

Die Globalisierung hat sich in den vergangenen Jahrzehnten laufend intensiviert. Doch jetzt zeigt sich der Gegentrend: Auf der ganzen Welt, in Industrie- wie auch in Schwellenländern, nehmen protektionistische Strömungen und Massnahmen zu. Diesen Trend spürt auch die Credit Suisse, wie Andreas Gerber, Leiter Firmenkundengeschäft Credit Suisse Schweiz, sagt: «Es kommt regelmässig vor, dass unsere Kunden mit erschwerten Lieferbedingungen zu kämpfen haben oder bei Ausschreibungen ausgeladen oder nicht zugelassen werden.» Dies sei ein bekanntes Phänomen, mit dem Staaten versuchten, ihre regionalen Märkte zu schützen, denn wirtschaftliche Selbstbestimmung gehe heute fast nur über die Einführung von Handelshemmnissen – eine Kehrseite der Globalisierung.

Gewinne der Globalisierung ungleich verteilt

Die Globalisierung habe grossen Reichtum geschaffen, vielen Menschen zu mehr Vermögen verholfen und die Armen weniger arm gemacht. Die Reichen seien dadurch aber deutlich vermögender geworden und die Früchte der Globalisierung wurden ungleich verteilt, so Gerber. Dadurch sinkt die Akzeptanz des freien Handels. 2009 wurden weltweit über 1’000 protektionistische Massnahmen eingeführt, wie der Global Trade Alert des Ökonomen Simon Evenett der Universität St. Gallen zeigt.

Protektionistische Tendenzen in anderen Ländern können sich aber auch vorteilhaft auf den Investitionsstandort und Werkplatz Schweiz auswirken. Internationale Pharmafirmen, etwa aus Italien oder England, bringen ihren Hauptsitz zurück in die Schweiz und schaffen hier Arbeitsplätze. Zu diesen Entscheiden trügen auch Nachteile wie räumliche Distanz und unterschiedliche Kulturen bei, wie Gerber ausführt.

Es gibt kein Land, das geeigneter ist als die Schweiz, um global zu agieren.

Die Globalisierung schreitet voran – Schweizer Eigenschaften zählen auch in Zukunft

«Der Schweizer ist genetisch zu pflichtbewusst», sagt Gerber, und ruft zu mehr Selbstbewusstsein im internationalen Geschäft auf. Im Geschäftsalltag würde in anderen Kulturen oft viel angekündigt, aber nicht alles umgesetzt. Schweizer Unternehmen hingegen würden eher abwarten, anstatt mitzureden und zu schauen, dass sie die Regeln mit beeinflussen können. «Dabei gibt es kein Land, das geeigneter ist als die Schweiz, um global zu agieren», unterstreicht Gerber. Die Eigenschaften, die man unter Swissness zusammenfassen könne, seien Alleinstellungsmerkmale: germanische und lateinische Kulturen im gleichen Land, Anpassungsfähigkeit, Pünktlichkeit, Präzision. Und die Schweiz verfügt neben der EFTA-Konvention und dem Freihandelsabkommen mit der EU über 28 weitere Freihandelsabkommen mit insgesamt 38 Partnerländern. Die positiven Auswirkungen dieser Abkommen sind unbestritten: Sie beschleunigen das Exportwachstum, und wie die Umfrage «KMU-Exportperspektiven 3. Quartal 2017» von S-GE und der Credit Suisse zeigt, steigen nach Inkrafttreten eines FHA die Exporte im Schnitt stärker als zuvor.

Andreas Gerber, Leiter KMU-Geschäft Schweiz der Credit Suisse (Schweiz) AG, im Videointerview zu den Vor- und Nachteilen von protektionistischen Massnahmen, und warum Schweizer Unternehmer selbstbewusster auftreten sollen.

 

Die Globalisierung der Wirtschaft schreitet voran, angetrieben durch neue Technologien. Die Digitalisierung und die vierte industrielle Revolution machen den Transport von Daten und Waren über Grenzen hinweg einfacher. Die protektionistischen Tendenzen machen das internationale Geschäft für KMU komplexer. Doch Andreas Gerber blickt optimistisch in die Zukunft: «Wenn KMU vermehrt in Innovation, neue Technologien sowie Forschung und Entwicklung investieren und sich beim Export auf Länder oder Regionen fokussieren, werden sie auch in Zukunft erfolgreich sein können.»

Andreas Gerber

Andreas Gerber (Jg. 1968) trat 1989 in die Credit Suisse ein und leitet seit April 2015 das KMU-Geschäft Schweiz. Sein beruflicher Werdegang führte ihn von der Betreuung börsenkotierter Grosskunden über die Leitung des Firmenkundengeschäfts im Marktgebiet Bern zum Leiter KMU Region Mittelland im Jahr 2006. Im September 2010 wechselte er nach Zürich und führte dort während 4 Jahren das Firmenkundengeschäft der Region Zürich & Schaffhausen. Er ist studierter Betriebsökonom FH und absolvierte das Executive Program am Swiss Finance Institute in Zürich sowie an der Tuck School of Business at Dartmouth in Hanover (USA). Im Jahr 2009 wurde er zum Managing Director befördert.

Credit Suisse AG

Die Credit Suisse AG ist einer der weltweit führenden Finanzdienstleister und gehört zur Unternehmensgruppe der Credit Suisse (nachfolgend «die Credit Suisse»). Als integrierte Bank kann die Credit Suisse ihren Kunden ihre Expertise aus Private Banking, Investment Banking und Asset Management aus einer Hand anbieten. Die Credit Suisse bietet Unternehmen, institutionellen Kunden und vermögenden Privatkunden weltweit sowie Retailkunden in der Schweiz fachspezifische Beratung, umfassende Lösungen und innovative Produkte. Die Credit Suisse mit Hauptsitz in Zürich ist in über 50 Ländern tätig und beschäftigt etwa 46 840  Mitarbeitende. Die Namenaktien (CSGN) der Credit Suisse Group AG, der Muttergesellschaft der Credit Suisse, sind in der Schweiz sowie in Form von American Depositary Shares (CS) in New York kotiert.

 

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Dieter Gosteli, Leiter Corporates bei AXA: «Protektionismus schadet der Konkurrenzfähigkeit»

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Stefan Räbsamen, Markets Leader bei PwC: «Protektionistische Massnahmen schaden Wirtschaft und Wohlstand» (coming soon)

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Dossier «International wachsen zwischen Globalisierung und Protektionismus

 

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