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«Schweizer KMU brauchen im internationalen Handel mehr Mut»

Die Unternehmen in der Schweiz befinden sich derzeit in einem Spannungsfeld: Zum einen schreitet die Globalisierung weiter voran und die Märkte werden geöffnet. Auf der anderen Seite lassen sich auch vermehrt protektionistische Massnahmen beobachten. Wie können Schweizer KMU damit umgehen? Darüber hat Daniel Küng, CEO von Switzerland Global Enterprise (S-GE), mit den strategischen Partnern von S-GE (International SOS, AXA Winterthur, Credit Suisse (Schweiz) AG, PwC, Data Quest und SERV) Anfang Februar an einem CEO-Roundtable diskutiert.

Ghislain de Kerviler, Geschäftsführer von International SOS in der Schweiz

Erfolgreiches Geschäftsmodell dank Globalisierung

Die fortgeschrittene Globalisierung spielt International SOS in die Karten. Das internationale Unternehmen mit Niederlassungen in Zürich und in der Westschweiz bietet Gesundheitsversorgung, medizinische Beratung und Reisesicherheitsdienste für Unternehmen an. «Durch die Globalisierung wird die Mobilität grösser und KMU schicken ihre Mitarbeitenden in alle möglichen Länder der Welt», sagt Ghislain de Kerviler, Geschäftsführer von International SOS in der Schweiz. «Die Globalisierung hat auch dazu geführt, dass wir unser Geschäftsmodell schneller weiterentwickelt haben, um uns von einer möglichen Konkurrenz abzuheben.» International SOS habe dafür in die Digitalisierung investiert, um die Kunden bei Ereignissen überall auf der Welt schnell und kompetent zu informieren.

Wir brauchen auf dem internationalen Markt den Mut, anders zu sein!

Globalisierung wird stärker, kulturelle Eigenschaften bleiben

Durch die Globalisierung werden nicht nur die Märkte geöffnet, auch die Standards werden angepasst. Ghislain de Kerviler betont, dass viele Länder inzwischen ähnlich geworden seien und sich die Menschen angleichen. Er weist aber gleichzeitig auch darauf hin, dass es vor allem im Gesundheitsbereich nach wie vor grosse Unterschiede gebe: «Natürlich sehen wir, dass sich das medizinische System in gewissen Ländern seit der Globalisierung deutlich verbessert hat, aber die kulturellen Unterschiede bleiben. Wenn jemand in ein öffentliches Spital in China geht, ist das etwas anderes, als wenn sich jemand in den USA oder in Afrika behandeln lässt.» Gemäss Ghislain de Kerviler unterschätzen viele Unternehmen aufgrund der globalisierten Wirtschaftsentwicklung diesen Faktor der unterschiedlichen Kulturen.

Selbstbewusstes Auftreten von Schweizer KMU auf dem internationalen Markt

Von protektionistischen Massnahmen ist International SOS nicht direkt betroffen. Vielmehr profitiert das Unternehmen davon, wenn seine Kunden international wirtschaften können. Auch wenn Handelshemmnisse, eine wachsende Konkurrenz oder der Preisdruck zu Herausforderungen werden können, ist das Potenzial der Schweizer KMU laut Ghislain de Kerviler gross: «Die Schweiz hat das Label Swissness, das steht für Präzision, Qualität und Sicherheit.» Der Geschäftsführer von International SOS in der Schweiz führt dafür ein Beispiel mit Schrauben an: «Allein mit einem Produkt können sich Schweizer Unternehmen nicht von der Konkurrenz abheben. Schrauben kauft man heute im Internet, produziert in Asien. Schweizer Unternehmen können die Schrauben aber zusammen mit einem Dienstleistungspaket verkaufen.» De Kerviler ist überzeugt, dass Schweizer Produkte nach wie vor geschätzt werden und solche Zusatzleistungen der Schlüssel zum Erfolg sind. Zumindest ein Stück weit. Die Schweizer Unternehmen müssten zudem mehr Mut haben und auf dem internationalen Markt selbstbewusster auftreten: «Schweizer Unternehmen müssen von sich selbst überzeugt sein und die Swissness viel besser vermarkten», oft seien die Schweizer viel zu bescheiden, wagt der Geschäftsführer von International SOS zu sagen. «Wir brauchen den Mut, anders zu sein!»

 

 

 

Ghislain de Kerviler

Nach seinem Studium der Wirtschaftswissenschaften in Paris begann Ghislain de Kerviler seine internationale Karriere in Deutschland, gefolgt von Benelux und der Schweiz. Dort arbeitete Ghislain zehn Jahre in Zürich zunächst bei Arthur Andersen und später bei KPMG Schweiz als Partner.

2009 wechselte er als Geschäftsführer zu International SOS.. Nach drei Jahren erfolgreichen Turnarounds wurde die Schweiz zum Hauptsitz von International SOS Europe und Ghislain zum General Manager für Vertrieb und Marketing für den gesamten europäischen Markt mit 16 verschiedenen Verkaufsbüros. Seit Juli 2017 verbindet Ghislain seine Rolle in Europa mit der Rolle des Geschäftsführers für die Schweiz.

Auf der operativen Seite war Ghislain während des Arabischen Frühlings 2011 für das Incident Management Team mit Sitz in Malta verantwortlich. In Zusammenarbeit mit den International SOS Assistance Centern, lokalen Behörden, Regierungen und einem Team von zehn Personen vor Ort spielte er eine Schlüsselrolle bei der erfolgreichen Evakuierung von rund 1.500 International SOS Kunden aus Tripolis und Benghazi (Libyen) per Flugzeug oder Fähre.

 

International SOS

International SOS ist der weltweit führende Anbieter für Gesundheitsversorgung, medizinische Beratung und Reisesicherheitsdienste. Unser globales Netzwerk aus über 1.000 Niederlassungen in 92 Ländern, 26 Assistance Centern und 67 ambulanten Kliniken betreut Geschäftsreisende und Expatriates bei Krankheiten, Unfällen, zivilen Unruhen oder sonstigen Vorfällen im Ausland. Mehr als 11.000 Mitarbeiter, darunter 1.400 Ärzte, 200 Sicherheitsfachkräfte und zahlreiche Experten vor Ort, arbeiten Tag und Nacht für die Sicherheit unserer Kunden. Die von uns entwickelten Präventions- und Notfallprogramme gewährleisten die medizinische Versorgung nach höchsten internationalen Standards für Firmenkunden, Regierungen, Nichtregierungsorganisationen und Verbände.

 

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Dossier «International wachsen zwischen Globalisierung und Protektionismus

Am diesjährigen CEO-Roundtable von Switzerland Global Enterprise (S-GE) diskutierten die strategischen Partner von S-GE zu den Herausforderungen im Welthandel.

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