Aktuell

Grosse Investitionen im polnischen Eisenbahnsektor

Polen hat das viertgrösste Eisenbahnnetz im Europa, welches jedoch lange Zeit unterfinanziert und vernachlässigt wurde. Zurzeit laufen die grössten Investitionsprogramme im Eisenbahnsektor in der polnischen Geschichte. Die Projekte schaffen vielversprechende Geschäftsmöglichkeiten für Schweizer Exporteure.

Grosse Investitionen im polnischen Eisenbahnsektor
Grosse Investitionen im polnischen Eisenbahnsektor

In Polen steigt seit einiger Zeit wieder die Bedeutung der Eisenbahn. 2017 fuhr der Polnische Eisenbahnkonzern PKP mit seinen Zügen knapp 304 Millionen Passagiere, was einen Anstieg um 4 % im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. Gleichzeitig stieg auch der Schienengüterverkehr – 2017 um 8 % auf 240 Millionen Tonnen. Ein grosses Wachstumspotenzial wird auch im intermodalen Verkehr gesehen, welcher mit 6% verglichen mit westeuropäischen Länder einen relativ niedrigen Anteil am Schienenverkehr hat. 2017 wurden knapp 15 Millionen Tonnen von intermodaler Fracht mit der Eisenbahn transportiert, ein Anstieg um 15 % gegenüber 2016.

Gegenwärtig werden ca. 27 Tausend km Gleis von staatlicher Firma – PKP Polskie Linie Kolejowe (PKP PLK) verwaltet. Die steigende Anzahl der Passagiere und der Gütertransporte in Verbindung mit einer Unterfinanzierung und Vernachlässigung der Infrastruktur kreieren einen riesigen Nachholbedarf. Daher wird nun mittels Investitionsprogrammen viel in den Eisenbahnsektor investiert. Die Programme sind die höchsten Investitionen in der Geschichte der polnischen Eisenbahn.

Polnisches Eisenbahnprogramm

Die Investitionen in den Bahnsektor haben mehrere Finanzierungsquellen. Die primäre ist das Polnische Eisenbahnprogramm, im Rahmen dessen über 66 Milliarden Zlotys (knapp 19 Milliarden Franken) bis 2023 allokiert werden sollen. Die EU-Fördermittel machen 60 % der Summe aus.

Zurzeit laufen Projekte mit einem Gesamtvolumen von 31 Milliarden Zlotys (8.6 Milliarden Franken). Abgeschlossen wurden Projekte mit Wert von 6 Milliarden Zlotys (1.7 Milliarden Franken) und in der Ausschreibungsphase befinden sich Projekte für insgesamt 8 Milliarden Zlotys (2.2 Milliarden Franken) (Stand: Mai 2018)

Im Rahmen der Investitionsprogramme sollen 9000 km Gleise modernisiert werden, davon sollen 8500 km für Hochgeschwindigkeitszüge ausgelegt sein. Darüber hinaus umfassen die Ausgaben auch die Modernisierung oder den Neubau von Infrastrukturobjekten: Brücken, Überführungen, Tunnels und Weichen. Lokale Steuerungscentren mit modernen IT-Systemen und Ausrüstung sollen einen schnelleren und sicheren Verkehr ermöglichen. Es wird erwartet, dass die Investitionen in Eisenbahninfrastruktur zur Entwicklung des intermodalen Verkehrs in Polen beitragen werden. Daher soll die Erreichbarkeit mit dem Schienenverkehr von den Häfen in Danzig, Gdingen, Stettin und Swinemünde verbessert werden.

Auf der interaktiven Karte von PKP-PLK kann man prüfen, welche Strecken und Objekte gerade modernisiert bzw. gebaut werden und welche geplant sind: http://plk-inwestycje.pl/#/

Laufende Ausschreibungen werden in polnischer Sprache auf der speziellen Plattform von PKP PLK veröffentlicht: https://zamowienia.plk-sa.pl/. Die Ausschreibungen für Bauarbeiten, welcher Wert 5.548 Mio. Euro überschreitet, werden zusätzlich im Supplement zum Amtsblatt der Europäischer Union - TED publiziert.

Die grösste Herausforderung für Anbieter im Vergabeverfahren ist das Preiskriterium. In der Vergangenheit spielte der Preis die einzige Rolle bei öffentlichen Ausschreibungen. Das Gesetz wurde jedoch geändert und ermöglicht jetzt die Einbeziehung von anderen Kriterien.

Bei den gegenwärtigen öffentlichen Ausschreibungen im Eisenbahnbereich bleibt der Preis jedoch immer noch wichtig mit rund 60% Gewichtung, aber es auch andere Kriterien wie Liefertreue oder Erfahrung werden bewertet.

Bahnhöfe und Stationen

Bis Ende 2023 plant PKP die Modernisierung oder den Neubau von ca. 200 Bahnhöfen für insgesamt 1.5 Milliarden Zlotys (420 Millionen Franken). Die Objekte sind nicht nur in Grossstädten, sondern auch in kleineren Ortschaften lokalisiert. Die Arbeiten umfassen nicht nur den Innenraum der Stationen, sondern auch ihre Umgebung.

Zurzeit laufen 160 Projekte, davon ist die Mehrheit in der Vorbereitungsphase, d.h. bevor die Ausschreibungen für Projekt- und Bauarbeiten beginnen. Der Komfort der Passagiere soll u.a. durch ein modernes Informations- und Sicherheitssystem und der Integration mit den städtischen öffentlichen Verkehrsmitteln gesteigert werden. Nicht ohne Bedeutung wird auch die Erreichbarkeit für Behinderte sein - spezielle Aufzüge, Rampen, Kennzeichnung sollen ihre Reisen wesentlich erleichtern.

Schienenfahrzeuge

Auf modernisierten Schienennetz sollen auch moderne Züge fahren. Aus diesem Grund realisiert PKP Intercity das grösste Investitionsprogramm in Schienenfahrzeugen, dessen Wert auf ca. 7 Milliarden Zloty (2 Milliarden Franken) geschätzt wird. Das Programm umfasst die Beschaffung von 185 neuen und die Modernisierung von 700 bestehenden Wagen, die Beschaffung von 19 neuen und die Modernisierung von 14 bestehenden elektronischen Triebzügen sowie die Beschaffung von 118 neuen und die Modernisierung von knapp 200 bestehenden Elektro- und Diesellokomotiven.

Auch regionale Eisenbahngesellschaften investieren in Schienenfahrzeuge. Koleje Mazowieckie (Masowische Eisenbahnen) veröffentlichte letztes Jahr Ausschreibung für 71 Züge für die Region von Warschau. Der Auftrag mit Wert von 2.2 Milliarden Zlotys (610 Millionen Franken) ist der grösste Auftrag in der Geschichte der regionalen Eisenbahnen. Die Ausschreibung gewann die Firma Stadler Rail, die seit 10 Jahren ein Produktionswerk im Ostpolen mit über 700 Mitarbeiter betreibt. Im Januar 2018 wurde der Vertrag unterschrieben. Erwähnenswert ist, dass der Preis von Stadler Rail etwas höher als der Preis der anderen Anbieter war, jedoch wurden bei der Ausschreibung insgesamt 15 Kriterien bewertet, wobei der Preis eine Gewichtung von 50 % hatte.

Neben Stadler Rail produzieren in Polen auch Alstom und Bombardier. Polnische Hersteller von Schienenfahrzeugen sind Cegielski, Newag und PESA.

Während dem Wirtschaftsgipfel in Kattowitz im Mai 2018 kündigte der Präsident von PKP Herr Krzysztof Maminski an, dass 2023 kein Ende der Investitionen, sondern eher eine neue Etappe bedeutet. PKP arbeitet bereits jetzt an Vorbereitungen auf die neue Investitionswelle nach 2023. 

Möchten Sie erfahren, wie Ihr Unternehmen von diesen spannenden Projekten profitieren könnte? kontaktieren Sie jetzt unsere Beraterin Katalin Dreher!

 

 

Investitionen in Eisenbahnstrecken in Polen

Teilen

Das könnte Sie auch interessieren

Premium Partner

Strategische Partner

Institutioneller Partner

Official program