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Protektionismus vs. Globalisierung: Vier Weltregionen im Fokus

Welche Märkte öffnen sich, welche verschliessen sich mit hohen Zöllen oder anderen protektionistischen Massnahmen? Eine Umfrage bei den Leitern der Swiss Business Hubs (SBH) schildert die Situation in den USA, den Golfstaaten, Deutschland und China.

Turbulente Zeiten für Schweizer Exporteure zwischen Globalisierung und Protektionismus
Turbulente Zeiten für Schweizer Exporteure zwischen Globalisierung und Protektionismus

In welche Richtung tendiert Ihr Land bzw. Ihre Region? Wird der Freihandel vorangetrieben oder nehmen vermehrt protektionistische Massnahmen zu?

Chris Watts, Head of SBH Middle East: Die Golfstaaten sind bereits stark in die Weltwirtschaft eingegliedert und die Tendenz geht deutlich in Richtung Marktöffnung. Die Golfstaaten sind auch sehr stark davon abhängig, über 90 Prozent der Lebensmittel werden aus dem Ausland importiert. Zudem kommt auch viel Technologie nach wie vor aus dem Westen, zusehends aber auch aus China und dem Fernen Osten. Die Abhängigkeit von dem Ausland ist voll da und die Golfstaaten können es sich nicht leisten, Protektionismus einzuführen.
Caroline Blaser, Head of SBH USA: Es haben alle mitbekommen, dass die USA Importzölle angekündigt und durchgesetzt haben. In einzelnen Fällen ist es auch dazu gekommen, dass gewisse Direktinvestitionen blockiert wurden. Hinzu kommt eine Anti-Globalisierungs-Rhetorik aus der Administration. Die Tendenz geht in den USA also eher in Richtung Protektionismus. 
Yves Morath, Head of SBH China: China hat sich seit der marktwirtschaftlichen Öffnung ganz klar dafür engagiert, sich international für die Marktöffnung zu positionieren. Andererseits sind die chinesischen Entscheidungsträger der Überzeugung, dass es kurz- und mittelfristige protektionistische Massnahmen braucht, um die Wettbewerbsfähigkeit Chinas zu schützen.
Britta Thiele-Klapproth, Head of SBH Germany: Es lässt sich nicht verleugnen, dass Deutschland Exportweltmeister ist und wir selbstverständlich alles dafür tun, diese Weltmeisterschaft weiterhin zu gewinnen. Deshalb würde ich ganz klar sagen, dass es in Richtung des freien Handels geht.

 

Welche Hürden müssen Schweizer Exporteure in Ihrem Markt bewältigen?

Chris Watts, Head of SBH Middle East: Es besteht eine gewisse Hürde bezüglich des Engagements der Firma. Als Unternehmen muss man hinter seinem Geschäft in den Golfstaaten stehen, sonst hat es wenig Aussicht auf Erfolg.
Caroline Blaser, Head of SBH USA: Die Hürden im US-Markt sind nicht auf die neusten Entwicklungen zurückzuführen. Die Hürden waren schon immer auf der regulatorischen Ebene. Sie sind sehr hoch, die USA haben generell ein sehr komplexes System.
Yves Morath, Head of SBH China: Die Einschränkungen liegen darin, dass China in gewissen Bereichen den Fokus auf die Berücksichtigung von chinesischen Firmen setzt. China legt Standards fest, die anders sind, als im Ausland. Das hat natürlich für ausländische Firmen, die nicht in China produzieren, Folgen. Es besteht ein gewisses Risiko, dass sie vom Markt verdrängt werden. 
Britta Thiele-Klapproth, Head of SBH Germany: Hürden sehe ich keine. Die bilateralen Handelsbeziehungen sind sehr ausgeprägt. Ich kann keine Hürden herbeireden.

Welche Massnahmen erleichtern Schweizer KMU den Export in Ihr Markt?

Chris Watts, Head of SBH Middle East: Dank des Freihandelsabkommens haben wir eine sehr geregelte und gute Beziehung und einen guten Zugang zu den Märkten in den Golfstaaten. Die Umsetzung dieses Freihandelsabkommens war noch mit Problemen behaftet, deshalb gab es auch eine Verzögerung. Jetzt geht es darum, den Schweizer Firmen aufzuzeigen, was innerhalb dieses Abkommens alles möglich ist und dass sie sich um die entsprechenden Zollbefreiungen bemühen.
Caroline Blaser, Head of SBH USA: Mit Blick auf die Marktöffnung würde ich eher das Wort «Deregulierung» brauchen. Die Administration von Trump ist sicherlich eine business-orientierte Administration, die stark auf Deregulierung gesetzt hat. Das hat auch die Steuerreform bewiesen und ist sicherlich eine Opportunität für Schweizer Unternehmen.
Yves Morath, Head of SBH China:
China generell öffnet in gewissen Bereichen den Markt. China hat mit der Schweiz – das ist für die Schweiz ganz besonders relevant – ein Freihandelsabkommen abgeschlossen. Es trat im Juli 2014 in Kraft, wird rege genutzt und bietet der Schweizer Wirtschaft in China einen effektiven Wettbewerbsvorteil.
Britta Thiele-Klapproth, Head of SBH Germany: Wir haben mit der Aktualisierung der Anerkennung der Konformitätsbewertung einen grossen Schritt in Sachen Erleichterung gemacht, in finanzieller und zeitlicher Hinsicht. Damit wird es für Schweizer Exporteure einfacher, ihr Produkt in den deutschen oder den EU-Markt zu bringen.

Studie für Schweizer Exporteure

Welche Bedrohungen und Opportunitäten erwarten international aktive Schweizer Firmen im Spannungsfeld zwischen Globalisierung und Protektionismus? Diese Frage beantworten die Wirtschaftsprofessoren Simon J. Evenett (Universität St. Gallen) und Patrick Ziltener (Universität Zürich) in ihrer Studie für Switzerland Global Enterprise (S-GE). Zur Studie

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