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Mexiko: Herausforderungen und Chancen durch USMCA

Nach lang anhaltenden Verhandlungen kamen die Regierungschefs Kanadas, der Vereinigten Staaten und Mexikos zu einer Übereinkunft, welche die Grundlage für die Umsetzung des neuen USA-Mexiko-Kanada-Abkommens (USMCA) bilden wird. Hier erfahren Sie mehr über die Auswirkungen auf Unternehmen, welche in den involvierten Ländern tätig sind.

Blick auf Mexiko-Stadt

Am 30. September veröffentlichten die Regierungschefs der Vereinigten Staaten, Mexikos und Kanadas den Wortlaut des neuen Handelsabkommens, welches das 24 Jahre alte «North American Free Trade Agreement» (NAFTA) ersetzen wird. Darin werden Bereiche wie Landwirtschaft, Ursprungsregelungen, handelspolitische Rechtsmittel, Finanzdienstleistungen, digitaler Handel, geistiges Eigentum, Arbeitsrecht und Streitbeilegung behandelt. Dieses neue trilaterale Abkommen hat eine Laufzeit von 16 Jahren und eine erfolgreiche Prüfung der Parteien nach sechs Jahren oder zu einem späteren Zeitpunkt verlängert die Vereinbarung jeweils um weitere 16 Jahre.

Unterzeichnung der neuen Vereinbarung voraussichtlich bis Ende November

In den vergangenen Monaten haben die Neuverhandlungen um NAFTA geplante Investitionen gebremst und in der gesamten Region für Unsicherheit gesorgt. Diese neue Vereinbarung wird voraussichtlich bis Ende November unterzeichnet, aber Unsicherheiten in Bezug auf eine Verabschiedung durch den US-Kongress werden wahrscheinlich bis 2019 anhalten.

Bedeutung für die Automobilindustrie Mexikos

Für Mexiko war es ausserordentlich wichtig, ein Abkommen mit den beiden grössten Volkswirtschaften der Welt beizubehalten, da NAFTA rund 27,8 % des BIP der Welt repräsentiert. Es bleiben jedoch einige Zweifel zu den tatsächlichen Vorteilen dieser neuen Vereinbarung, insbesondere für die mexikanische Automobilindustrie. Dem Global Investment Trends Monitor der UNCTAD zufolge schränkt dieses neue Handelsabkommen einige der bisherigen Wettbewerbsvorteile Mexikos ein. Diese Auswirkungen werden ab der zweiten Hälfte 2018 und in den kommenden Jahren spürbar sein. 
Zur Vermeidung von Zöllen fordert die Vereinbarung beispielsweise, dass 75 % der Bestandteile eines Autos regional hergestellt werden müssen. Von diesen 75 % müssen darüber hinaus 40 % (PKW) und 45 % (Pickups) von Arbeitern hergestellt werden, die mindestens 16 US-Dollar pro Stunde verdienen. Das liegt weit über den üblichen Fertigungslöhnen in Mexiko (3,5 US-Dollar pro Stunde). Von dieser neuen Massnahme profitieren sowohl US-amerikanische als auch kanadische Arbeiter, nicht jedoch jene in Mexiko, da sie eingeführt wurde, um zu verhindern, dass Arbeitsplätze in Billiglohnländer abwandern. Die mexikanische Regierung hat bereits verlautbaren lassen, dass sie die Löhne nicht erhöhen will. 

Vorteile der neuen Vereinbarung für Mexikos Automobilindustrie

Obwohl das USMCA einige der Kostenvorteile bei der Herstellung von Fahrzeugen unterhöhlt, konnte die Mexican Automotive Industry Association (AMIA) einige Chancen identifizieren. Die grösste Chance besteht für die mexikanische Zulieferindustrie, die nun Gelegenheit hat, ihre Fertigung von Autoteilen zu erhöhen, aufgrund des Anstiegs der Verwendung von in Nordamerika hergestellten Teilen von 62,5 % auf 75 % sowohl für PKW als auch für LKW (El Economista). 

Ein weiterer positiver Beitrag betrifft die Arbeiter, da die mexikanischen Behörden den Arbeitern nun Tarifverhandlungen erlauben müssen. Damit wird ein gewerkschaftsfreundlicheres regulatorisches Umfeld unterstützt. Das ist voraussichtlich eine Chance für mexikanische Arbeiter, mehr Lohn zu verlangen, obwohl noch unklar ist, wie dies umgesetzt wird. 

Verbleibende Unsicherheiten in Bezug auf die angekündigte Vereinbarung

Da rund um die angekündigte Vereinbarung einige Unsicherheiten verbleiben, wird sich der MXN (mexikanischer Peso) voraussichtlich zurückhaltend entwickeln und vom externen Umfeld abhängig bleiben, bis 2019 im US-Kongress eine formelle Abstimmung stattfindet. HSBC geht in seinem Global Research 2018 davon aus, dass das Aufwärtspotenzial von USD-MXN bei 19,75 bis 20,00 begrenzt sein dürfte, bedingt durch den geldpolitischen Kurs der Zentralbank und deren Bereitschaft zum Eingreifen, wenn sich die Marktbedingungen verschlechtern. HSBC ist der Ansicht, dass ein Jahresendkurs von USD-MXN von 19,50 angemessen wäre.

Mehr wirtschaftliche Stabilität in den kommenden Jahren

Es scheint, dass die gegenwärtige Vereinbarung, NAFTA, für Mexiko im Vergleich zu USMCA aufgrund verschiedener Zugeständnisse wie den oben angeführten, mehr Vorteile brachte. Der wichtigste Aspekt von USMCA ist jedoch, dass es weiter ein günstiges Handelsumfeld für Unternehmen bildet, die in Mexiko tätig sind. Das könnte dabei helfen, in den kommenden Jahren die Stabilität zu sichern.

Auch im Rahmen einer stärker protektionistisch ausgerichteten Vereinbarung bleibt Mexiko eine attraktive Option für Investitionen, da es das offenste dieser drei Länder ist. Mexiko muss ohne Zweifel weiter daran arbeiten, die Chancen aus dem USMCA zu nutzen und, was noch wichtiger ist, den internationalen Handel weiter zu diversifizieren.

Sind Sie in Mexiko tätig und unsicher, wie diese Vereinbarung Ihr Geschäft beeinflussen wird? Zögern Sie nicht, unseren Berater für Lateinamerika Benjamin Werenfels zu kontaktieren, um eine persönliche Beratung in Bezug auf die Auswirkungen von USMCA zu erhalten.

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