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Milliarden für Verkehrsprojekte und Versorgung

Im indischen Tiefbau stehen die Zeichen wieder auf Wachstum. Bis 2025 sollen Infrastrukturprojekte mit einem Volumen von 2 Bio. US-Dollar angeschoben werden.

Mumbai Skyline

Indien hat 2019 ein Investitionsprogramm zum Ausbau der Infrastruktur auf den Weg gebracht. Inzwischen umfasst die „National Infrastructure Pipeline“ (NIP) mehr als 8.000 Vorhaben mit einem Volumen von 2 Bio. US-Dollar. Sie sollen bis 2025 realisiert oder angeschoben werden. Ursprünglich sollte der Privatsektor ein Fünftel der Investitionen stemmen, doch im Zuge der Corona-Pandemie mussten viele Unternehmen ihr Engagement herunterfahren. Um die Projekte voranzutreiben, hat die Regierung die Infrastrukturausgaben im Finanzjahr 2021/22 (1. April bis 31. März) gegenüber der Vorperiode um ein Viertel auf ein Allzeithoch von 75 Mrd. US-Dollar erhöht.

Rund die Hälfte der NIP-Projekte entfällt auf den Straßen-, Brücken- und Tunnelbau. Den Investitionsbedarf hierfür beziffert die Investitionsbehörde Invest India bis 2025 auf insgesamt 425 Mrd. US-Dollar. Indien treibt den Ausbau des Straßennetzes seit Jahren mit Hochdruck voran. Im Finanzjahr 2020/21 wurden täglich 36 km fertiggestellt, dreimal so viel wie noch 2014/15. Bis März 2022 will die Regierung weitere 11.000 km Schnellstraßen und 8.500 km Landstraßen bauen. Hierfür stehen im Haushalt 2021/22 zusätzliche Mittel von 16 Mrd. US-Dollar zur Verfügung. Bis 2024 sollen insgesamt 60.000 Autobahnkilometer fertiggestellt werden.

Indiens erster Hochgeschwindigkeitszug

Die staatliche Eisenbahngesellschaft Indian Railways (IR) hat knapp 60 zeitkritische Projekte im Schienenverkehr mit einem Investitionsvolumen von 16 Mrd. US-Dollar identifiziert, die bis März 2024 abgeschlossen sein sollen. Insgesamt befinden sich rund 1.000 Vorhaben im Schienennah- und Schienenfernverkehr im Wert von 300 Mrd. US-Dollar in der Pipeline. IR beziffert den Investitionsbedarf bis 2030 auf 670 Mrd. US-Dollar.

Indien will in den kommenden Jahren ein Hochgeschwindigkeitszugnetz aufbauen. Die erste Strecke über 508 km von Mumbai nach Ahmedabad soll Ende 2024 fertiggestellt werden und 15 Mrd. US-Dollar kosten. Weitere zwölf Strecken für 175 Mrd. US-Dollar sind in Planung, für sieben wurden Ende 2020 Machbarkeitsstudien in Auftrag gegeben. Bis 2024 sollen zudem für 4,8 Mrd. US-Dollar die übrigen 30% des 65.000 km langen Breitspurbahnnetzes elektrifiziert werden. Angesichts des steigenden Passagieraufkommens muss Indien seine Flughafeninfrastruktur erweitern.

Mitte 2021 waren gut 100 Einzelprojekte mit einem Investitionsvolumen von 20 Mrd. US-Dollar in der Implementierungs- oder Planungsphase. Neben dem Ausbau und der Modernisierung von bestehenden Airports will der staatliche Flughafenbetreiber Airports Authority of India (AAI) bis 2025 insgesamt 20 neue Flughäfen in Städten mit weniger als 1 Million Einwohner bauen. Daneben befinden sich mehrere internationale Greenfield-Airports – unter anderem in der Peripherie der Metropolen Mumbai und New Delhi – im Bau oder in der Planung. Indien hat im Rahmen seiner „Maritime India Vision“ 500 Projekte identifiziert, die gemeinsam mit dem Privatsektor bis 2035 realisiert werden sollen. Im Mittelpunkt steht der Ausbau der zwölf Haupthäfen, um die für 2025 prognostizierte Verdopplung des Frachtaufkommens auf 2,5 Mrd. t bewältigen zu können. Den Investitionsbedarf schätzt das Ministry of Ports, Shipping and Waterways auf insgesamt 50 Mrd. US-Dollar.

Milliarden für die Trinkwasserversorgung

Die Regierung hat die Haushaltsmittel für Investitionen im Wassersektor für das Finanzjahr 2021/22 auf 9 Mrd. US-Dollar verdreifacht. Indien will bis 2026 rund 150 Millionen Haushalte an das Trinkwassernetz anschließen. Die Kosten hierfür werden auf 38 Mrd. US-Dollar geschätzt. Um die Wasserversorgung der Bevölkerung zu verbessern, sollen zudem bis 2025 rund 100 Mrd. US-Dollar in den Bau von 500 Kläranlagen fließen.

Die Anlageinvestitionen in der indischen Wasserwirtschaft dürften bis 2024 zwischen 5 und 10% jährlich auf bis zu 18 Mrd. US-Dollar zulegen, schätzt die Unternehmensberatung EY. Im Industriesektor sollen die Anlageinvestitionen im Bereich Wasseraufbereitung und Abwasserentsorgung bis 2022 auf 3 Mrd. US-Dollar zulegen, von 1,8 Mrd. US-Dollar im Jahr 2018.

Der Investitionsbedarf in der indischen Kreislaufwirtschaft wird bis 2030 auf 65 Mrd. US-Dollar geschätzt. Im August 2021 waren 135 Vorhaben mit einem Volumen von 2,2 Mrd. US-Dollar in der Datenbank von Invest India aufgeführt. Indiens Regierung stellt bis 2026 fast 19 Mrd. US-Dollar für Projekte im Bereich Mülltrennung und -entsorgung sowie für den Bau von Waste-to-Energy-Anlagen zur Verfügung. Mit den geplanten Investitionen dürfte der Umsatz in der Kreislaufwirtschaft bis 2024 auf 3,5 Mrd. US-Dollar zulegen, 2017 waren es noch 2,5 Mrd. US-Dollar.

350 GW Wind- und Solarkapazitäten bis 2030 geplant

Im indischen Energiesektor befinden sich zurzeit 144 konventionelle Kraftwerksprojekte mit einem Volumen von 93 Mrd. US-Dollar in der Planung. Bei den erneuerbaren Energien sind es 530 Vorhaben im Wert von 230 Mrd. US-Dollar. Die indische Regierung will bis 2030 die Erzeugungskapazitäten aus Wind, Solar und Biomasse von 100 GW im August 2021 auf 450 GW ausbauen. Die Kosten hierfür werden auf 500 Mrd. US-Dollar geschätzt. Den Investitionsbedarf für die Modernisierung des Stromübertragungs- und verteilungsnetzes beziffert die Ratingagentur Indian Credit Rating Agency (ICRA) bis 2025 auf 24 Mrd. US-Dollar.

Angesichts des riesigen Modernisierungsbedarfs im indischen Infrastruktursektor bietet der Tiefbau weiterhin gute Geschäftschancen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Auch Schweizer Anbieter von Ausrüstung oder Beratungs-, Planungs- und Designdienstleistungen können von den Projekten im Energiesektor, der Wasser- und Kreislaufwirtschaft sowie beim Flughafenbau und beim Schienenverkehr profitieren.

Viele Infrastrukturprojekte überschreiten Kosten- und Zeitrahmen

Der indische Bausektor steht ausländischen Unternehmen weitgehend offen. Vorhaben der öffentlichen Hand werden auf der zentralen Ausschreibungsplattform der indischen Regierung veröffentlicht. Der Prozess ist zwar weitgehend digitalisiert und damit transparenter. Es wird jedoch bemängelt, dass die Tender oft auf indische Firmen zugeschnitten sind und Ausschreibungen nicht selten wieder zurückgezogen werden, wenn nicht das gewünschte Ergebnis eintrifft. Bei Straßen- und Schienenverkehrsprojekten ist es üblich, dass das Vorhaben nicht als Ganzes, sondern in mehreren Teilabschnitten oder Tranchen ausgeschrieben wird.

In Indien sind Kosten- und Zeitüberschreitungen bei Infrastrukturprojekten keine Seltenheit. Die Infrastructure and Project Monitoring Division veröffentlicht regelmäßig Statusberichte zu Vorhaben mit einem Investitionsvolumen von mehr als 20 Mio. US-Dollar. Im ersten Quartal 2021/22 waren von den 1.781 berücksichtigten Projekten 483 nicht im Kosten- und 504 nicht im Zeitrahmen. Die Kostenüberschreitung belief sich auf zusammen 60 Mrd. US-Dollar, rund 20% des gesamten Projektvolumens. Die verspäteten Vorhaben lagen im Schnitt um 47 Monate hinter dem ursprünglichen Zeitplan zurück.

Im Privatsektor laden die Projektentwickler die Unternehmen zur Angebotsabgabe (Request for Quotation, Request for Proposal) ein. Um an Projektfrühinformationen zu gelangen, ist der Aufbau eines Netzwerks zu den privaten Infrastrukturkonzernen wie GMR oder GVK wichtig. Die zahlreichen Messen und Konferenzen zu verschiedenen Aspekten des Tiefbaus, die zurzeit vor allem digital stattfinden, bieten hierfür eine Plattform.

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