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Die polnische Bahn – eine Infrastruktur mit enormem Potenzial

Polen ist einer der grössten Schienenverkehrsmärkte in Mittel- und Osteuropa. Er wurde zu weiten Teilen mit EU-Mitteln modernisiert. Doch trotz der mittlerweile 20-jährigen Mitgliedschaft des Landes in der Europäischen Union ist der Bedarf an Infrastrukturinvestitionen noch immer enorm. Ab 2024 ist in Polen mit der Umsetzung von Infrastrukturprojekten in Rekordhöhe zu rechnen.

blue train crossing  from left to right over green field.

FEnIKS, CEF, KPO und Ostpolen: Der zunehmende Transportbedarf einer wachstumsstarken Ökonomie, die unvermeidliche Energiewende und der geplante Bau eines zentralen Flughafen-Knotenpunkts sind nur einige der riesigen Herausforderungen, vor denen die polnische Bahn in den kommenden Jahren steht. Bis 2027 wird die EU aller Voraussicht nach für dringend benötigte Infrastrukturinvestitionen im polnischen Schienenverkehr folgende Mittel bereitstellen:

  • das FEnIKS-Programm (Europäischer Fonds für Infrastruktur, Klima und Umwelt 2021-2027, ein EU-Programm, das den Regionalentwicklungsfonds OPI&E ersetzt),
  • die Connecting Europe Facility – CEF,
  • den Europäischen Fonds für Ostpolen 2021-2027 und
  • den Nationalen Aufbau- und Resilienzplan.

Insgesamt ist davon auszugehen, dass rund 7 bis 10 Milliarden Euro aus EU-Fonds für polnische Infrastrukturprojekte im Schienenbereich zur Verfügung gestellt werden. Dazu kommt ein Regierungsprogramm namens Kolej +. Dafür bringt der Staat 1,2 Milliarden Euro auf, weitere rund 214 Millionen Euro stammen aus den Haushalten der Regionalregierungen. Damit ergibt sich ein Jahresdurchschnitt von 1,7 bis 2,1 Milliarden Euro für Investitionen in den polnischen Schienenverkehr, was insgesamt in etwa den EU-Ausgaben der vorangegangenen Jahre entspricht.

Die Umsetzung der Schienenverkehrskomponente des Projekts Central Communication Port (CPK) wird ebenfalls ein wichtiges Element der Modernisierungs- und Konstruktionspläne der kommenden Jahre im Bereich Schienenverkehr. Zwischen 2024 und 2027 sollen ca. 1’800 Kilometer an neuen Bahnlinien gebaut werden (der grösste Teil davon für Hochgeschwindigkeitszüge). Vorsichtige Schätzungen gehen von Kosten in Höhe von rund 5,3 bis 6,4 Milliarden Euro aus. Die Schienenverkehrskomponente des CPK-Projekts ist das erste umfassende Programm zum Bau neuer Schienenwege in Polen seit mehr als 30 Jahren.

PKP PLK: wesentliche Investitionsrichtungen

Bei der Entwicklung ihrer Investitionspläne bis 2040 entschied sich die PKP PLK (der Infrastrukturverwalter für den nationalen Schienenverkehr in Polen) für Projekte, die zum Erreichen verschiedener Schlüsselziele beitragen. Das erste dieser Ziele ist der Ausbau des transeuropäischen Verkehrsnetzes (TEN-T), das massgeblich für den Schienenverkehr auf dem europäischen Kontinent ist. Das zweite Ziel besteht darin, ein zusammenhängendes Netzwerk von regionalen und interregionalen Bahnlinien aufzubauen, die direkte Verbindungen zwischen den Hauptstädten der polnischen Woiwodschaften gewährleisten. Als Teil dieser zwei Gruppen von Projekten wird unter anderem an den Linien E65, E30 und E59 (grundlegende Verbindungen zwischen Nord und Süd bzw. Ost und West), E75 (die sogenannte Rail Baltica) und den für das Megaprojekt des Zentralflughafens entscheidenden Linien gearbeitet.

Der PKP PLK ist ausserdem wichtig, um die Schienensysteme in den Ballungszentren zu modernisieren und auszubauen, d. h. die Kapazitäten der urbanen Knotenpunkte zu erhöhen (Warschau, Breslau, Krakau, Posen, Lodsch). Als entscheidend werden auch Investitionen in einen verbesserten Zugang zu polnischen Seehäfen (Gdingen, Danzig, Stettin, Swinemünde) und in die schrittweise Einführung des European Rail Traffic Management System (ERTMS) angesehen. Bis 2023 soll das ERTMS auf insgesamt 1’500 Kilometern Bahnstrecke in Polen eingeführt werden. Eine der Prioritäten ist zudem die Beseitigung von Engstellen im polnischen Schienennetz durch standortübergreifende Investitionen.

Laut PKP PLK verfügt das Unternehmen bereits über die Projektdokumentation für Investitionen in der nächsten EU-Haushaltsperiode in einer Gesamthöhe von geschätzten 4,2 Milliarden Euro. Bis Ende 2022 soll sich dieser Wert noch verdoppeln. Der polnische Infrastrukturverwalter geht davon aus, dass bis 2040 alle in Betrieb befindlichen Bahnlinien modernisiert werden.

Grosser Bedarf an Innovation und Arbeitskraft

Das sind extrem ehrgeizige Pläne. Dabei darf man jedoch nicht vergessen, dass der polnische Markt auch seine Grenzen hat. Die Umsetzung all dieser Pläne wird nicht so reibungslos vonstatten gehen, wie noch vor einigen Jahren angenommen. Politische und wirtschaftliche Faktoren wirken sich nachteilig auf den Markt aus – der Streit zwischen der EU und der polnischen Regierung über die Rechtsprechung und die damit verbundene Blockierung von Geldern im Rahmen des nationalen Aufbau- und Resilienzplans, eine hohe Inflationsrate und die daraus resultierende Lohn-Preis-Spirale, die die Kosten für Baumaterialien in die Höhe treibt, und nicht zuletzt die instabile politische und wirtschaftliche Lage in der Ukraine aufgrund des russischen Angriffskriegs.

Es ist daher nicht verwunderlich, dass der polnische Binnenmarkt im Bereich Konstruktionstechnik zwar umfangreich, aber definitiv nicht hinreichend entwickelt ist und Mühe hat, die benötigten Kapazitäten aufzubringen. Zu den für die Umsetzung der einzelnen Modernisierungsprojekte erforderlichen Kapazitäten gehören hochqualifizierte Arbeitskräfte, innovative technische Lösungen, spezialisierte Gleisbaumaschinen und andere Schienensonderfahrzeuge. Für Schweizer Zulieferer ergeben sich dadurch enorme Möglichkeiten, Ausrüstungsteile für den Schienenverkehr, Infrastrukturkomponenten und Maschinen bereitzustellen.

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