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China bietet Chancen trotz abgeschwächtem Wachstum

In China haben eine Verlangsamung der wirtschaftlichen Dynamik und Sorgen über erhöhte Ausfallrisiken das Vertrauen der Anleger verunsichert. Aufgeben sollte man Asiens größte Volkswirtschaft aber nicht. Michael Strobaek, Global Chief Investment Officer der Credit Suisse, erläutert, wo Anleger von den Strukturreformen des Landes profitieren können und gibt überdies einen Ausblick in die Zukunftsaussichten des Reichs der Mitte.

China bietet Chancen trotz abgeschwächtem Wachstum

Raquel Forster: "Reformen in China nehmen wieder Fahrt auf" ist eine der Top-Anlageideen der Credit Suisse für 2014. Allerdings hat sich die Wachstumsdynamik in China im bisherigen Jahresverlauf abgeschwächt. Ist das Reich der Mitte dennoch weiterhin eine attraktive Anlagechance?
Michael Strobaek: Das Rech der Mitte bietet nach wie vor Anlagechancen. Anleger sollten aber selektiver und differenzierter vorgehen. Die jüngsten Konjunkturdaten haben negativ überrascht, sodass die Risiken zweifelsohne gestiegen sind. Der Schuldenabbau und der Kampf gegen die Umweltverschmutzung bergen für die Zukunft zunehmende Wachstumsrisiken. Und hat den Fokus von Wachstum in den letzten zehn Jahren hin zu Arbeitsmarktbeteiligung gelenkt und das führt zu einer Verlangsamung des Wirtschaftswachstums. Wir haben unseren Ausblick für chinesische Aktien daher auf "neutral" herabgestuft und rechnen damit, dass die Wertentwicklungen der Gewinner und Verlierer der strukturellen Reformen zunehmend divergieren werden. Zu den Gewinnern sollten unseres Erachtens die Sektoren Internet, Technologie, Konsum, Gesundheit und neue Energien gehören.

Droht das "Tapering" in den USA die Reformen Chinas zu verzögern?
Tatsächlich hat China seine Reformanstrengungen in jüngster Zeit trotz des "Tapering" der US-Notenbank Fed deutlich intensiviert. Die Handelsspanne des Chinesischen Yuans (CNY) wurde erweitert, und der wirtschaftlichen Stabilität wird nun eine noch höhere Priorität eingeräumt. Die Bemühungen im Kampf gegen Korruption und Umweltverschmutzung wurden ebenfalls verstärkt. Die Regierung konzentriert sich zudem stärker auf die Schaffung von Arbeitsplätzen anstatt auf ein fixes BIP-Wachstumsziel. Somit hat China seine Reformen also eher noch beschleunigt.

Welche anderen Volkswirtschaften im asiatisch-pazifischen Raum (APAC) könnten das regionale Wachstum im laufenden Jahr stark beeinflussen?
Länder, deren Wirtschaft eng mit dem Konjunkturzyklus in der westlichen Hemisphäre verknüpft sind, wie beispielsweise Südkorea oder Taiwan, könnten sich einer beschleunigten Wachstumsdynamik erfreuen. Darüber hinaus gibt es durch lokale Verhältnisse beeinflusste Volkswirtschaften, wie beispielsweise Indonesien, die nach wie vor ziemlich hohe Wachstumsraten aufweisen, aber im laufenden Jahr voraussichtlich keine Beschleunigung erfahren werden.

Welche Bedeutung haben die geopolitischen Risiken für die Finanzmärkte?
Zwar haben die Risiken zugenommen, aber diese haben sich nicht in allen Anlageklassen niedergeschlagen. Risikokennziffern wie etwa die implizierte Volatilität sind hauptsächlich in den Aktienmärkten gestiegen. Hingegen haben sich die Risiken bei festverzinslichen Anlagen und Devisen kaum verändert. Wir halten die Situation an den Finanzmärkten also immer noch für relativ ungefährlich. Die jüngsten Ereignisse haben sich bislang nur vereinzelt auf einzelne Märkte wie etwa den russischen Aktienmarkt ausgewirkt, und es gibt kaum Anzeichen einer Ansteckungsgefahr bei den übrigen Anlageklassen.

Sie haben es vorher bereits angesprochen, aber was sind die konkreten Folgen dieser Risikozunahme für die Aktienmärkte?
Betroffen sind vor allem die zyklischen Märkte mit hohem Beta wie der Deutsch Aktienindex (DAX) und japanische Aktien. Auch die technische Dynamik und Entwicklung haben hier nachgegeben, was als Warnzeichen zu verstehen ist. Allerdings sehen die fundamentalen Daten wie Ertragswachstum und Bewertungen (in Japan) immer noch sehr robust aus. Sobald sich die technischen Daten verbessern, sollte sich eine gute Kaufgelegenheit bieten.

Haben sich die Aussichten für festverzinsliche Anlagen angesichts der negativen wirtschaftlichen Überraschungen verbessert?
Unsere Gewichtung der festverzinslichen Anlagen ist noch immer negativ, da sich die Renditen für Obligationen jeweils am unteren Ende ihrer Bandbreiten befinden. Somit ist vieles schon eingepreist. Ausserdem ist es wichtig hervorzuheben, dass sich die erhöhten Risiken grösstenteils auf Aktienmärkte beschränken. Im festverzinslichen Bereich scheint die Entwicklung von risikoreicheren Obligationen etwa aus den europäischen Peripheriestaaten immer noch relativ robust zu sein. Wir bevorzugen insbesondere italienische, spanische und portugiesische Obligationen wegen der sich verbessernden Grunddaten in den jeweiligen Ländern.

Was halten Sie von den Hauptwährungen?
Im Moment sehen wir eine ungewöhnliche Schwäche vom US-Dollar. Angesichts des "Tapering" des Fed und der von uns erwarteten, anhaltenden wirtschaftlichen Erholung in den USA sehen wir im US-Dollar ein gewisses Aufwertungspotenzial. Der Dollar scheint auch gegenüber dem Euro unterbewertet zu sein. Zwar könnte vorübergehend das Risiko weiterer geopolitischer Spannungen den Schweizer Franken und den japanischen Yen stützen, vor dem Hintergrund divergierender Massnahmen der Zentralbanken sollte der Dollar aber längerfristig auch gegenüber diesen Währungen gewinnen.

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