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Exportdestination Russland: Wie weiter?

Sanktionen, sinkende Rohstoffpreise, Rubelschwäche: die russische Wirtschaft in der Krise. Ist Russland als Exportdestination passé? Nachgefragt bei Yves Morath, Leiter Swiss Business Hub Russia.

Exportdestination Russland: Wie weiter?

Russland steckt tief in der Rezession. Ist die Talsohle der Krise erreicht?

Nach Jahren mit beachtlichem Wirtschaftswachstum haben der tiefe Erdölpreis, eigene strukturelle Schwächen und die internationalen Sanktionen Russland 2015 in die Rezession geführt. Internationale Wirtschaftsexperten gehen jedoch davon aus, dass 2016 mit einer Besserung der wirtschaftlichen Lage und eventuell wieder mit einem leichten Wirtschaftswachstum zu rechnen ist. Für 2017 ist man sich weitgehend einig, dass sich die Wirtschaft wieder erholen sollte. Da die Gründe für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten Russlands vielfältig sind und nur teilweise dem Einfluss der russischen Regierung unterliegen, sind genaue Prognosen derzeit nicht möglich. Die russische Regierung hat erkannt, dass Handlungsbedarf besteht, und diverse Massnahmen ergriffen, um die makroökonomischen Parameter zu verbessern. Insbesondere weiss sie zusehends auch die Vorteile des tiefen Rubel-Kurses zu nutzen.

Wie hat sich die Krise auf die Wachstumsentwicklung der Schweizer Exporte nach Russland ausgewirkt?

Die Exporte aus der Schweiz nach Russland sind in den ersten zehn Monaten des Jahres 2015 um über 20% eingebrochen. Besonders betroffen sind die Uhren mit einem Rückgang von 35% und die Maschinen mit gut 27%. Rrelativ gut gehalten haben sich dagegen die pharmazeutischen Produkte, deren Export nur um etwa 4% zurückging.

Inwiefern haben sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Schweizer Exporteure in Russland im Zuge der anhaltenden Krise verschlechtert? Gibt es auch Lichtblicke?

Für die meisten Exporteure ist es schwieriger geworden. Die Frankenstärke hat die Situation zusätzlich erschwert. Auf dem russischen Markt ist weniger Geld verfügbar. Und im Zweifelsfall entscheidet sich der russische Kunde eher wieder für die billigere Variante, sowohl bei den Konsum- als auch bei den Investitionsgütern. Schweizer Qualitätsprodukte sind für manche russischen Kunden inzwischen a priori zu teuer geworden. Auch wenn sie noch so gut sind und die Russen sich der Qualitätsvorteile durchaus bewusst sind, liegt eine solche Anschaffung im Moment oftmals einfach nicht im Bereich der eigenen Möglichkeiten. Andererseits bringt es die angespannte politische Lage auch mit sich, dass russische Abnehmer die Neutralität der Schweiz wieder höher gewichten und Schweizer Produkte zuweilen solchen aus Ländern, mit denen Russland ein weniger entspanntes Verhältnis pflegt, vorziehen. Die russische Regierung verfolgt zudem eine Politik, die gezielt die Produktion im eigenen Land fördert und die im Bereich der öffentlichen Beschaffung ausländische durch einheimische Produkte ersetzen will.

Welche Branchen können sich immer noch gute Chancen in Russland ausrechnen?

Es lohnt sich auf jeden Fall, den russischen Markt für das jeweilige Produkt gezielt zu analysieren, denn es gibt auch in der aktuell schwierigen Lage Segmente, die sich positiv entwickeln. Derzeit sind das in Russland zum Beispiel die Lebensmittelverarbeitung, Eisenbahnzulieferer, teilweise IT und Zulieferer für die Pharma- und Medtech-Industrie. Wir wissen aber auch von Schweizer Firmen, die sich erfolgreich entwickeln, obwohl ihre Konkurrenten mit erheblichen Einbussen zu kämpfen haben. Eine individuelle Abklärung, wie wir sie im Rahmen von Länderberatungen oder bei einem Erstgespräch in Zürich bei Switzerland Global Enterprise oder in Moskau im Swiss Business Hub Russia anbieten, macht deshalb Sinn. Wenn man jetzt den Markt analysiert und einen verlässlichen Partner findet, ist man gut aufgestellt, um dann beim bevorstehenden Wirtschaftsaufschwung sofort zu profitieren. Und nicht zu vergessen: Seit Januar 2015 ist die Eurasische Wirtschaftsunion in Kraft. Nach und nach werden nun die Zollbestimmungen und technischen Regulierungen angepasst und vereinheitlicht. Das bedeutet für Unternehmen, die in Russland tätig sind, dass sie insbesondere auch direkten Zugang zum weissrussischen und kasachischen Markt haben. Das gilt natürlich auch umgekehrt.

Inwiefern spielt die Krise ausländischen (also auch Schweizer) Unternehmen in die Hände? Gibt sich Russland gegenüber ausländischen Exporteuren und Investoren kulanter und offener? Vor allem gegenüber europäischen, nachdem die Charmeoffensive Richtung China angeblich nicht viel gebracht hat?

Investoren können sich aktuell sicher nicht über mangelndes Interesse seitens der russischen Behörden und Regionen beklagen. Diese versuchen, mit guten Angeboten und hochwertiger Infrastruktur die Unternehmen für ihre Region zu gewinnen. Der Aufbau einer lokalen Produktion in Russland ist einerseits aufgrund der tiefen Kosten preislich interessant, andererseits kann man mit einer lokalen Produktion von der russischen Importsubstitutions-Politik profitieren. Deshalb haben in jüngster Zeit verschiedene Schweizer KMU diesen Schritt gemacht. Zweifellos stehen europäische Produkte nach wie vor hoch im Kurs. Wer es sich leisten kann, zieht ein europäisches Produkt in aller Regel einem chinesischen vor. Ausserdem können die russischen Kunden in der Regel die Vor- und Nachteile eines Produkts sehr gut einschätzen.

Wo drückt Schweizer Unternehmen in Russland der Schuh? Wo sind die grössten Herausforderungen auszumachen?

Momentan ist die Finanzierung unserer Erfahrung nach das grösste Problem auf dem russischen Markt. Wegen der internationalen Sanktionen sind Kredite sehr teuer geworden. Wer deshalb interne Finanzierungsmodelle anbieten kann, hat einen grossen Vorteil.

Was gilt es bei einer Internationalisierung nach Russland besonders zu beachten?

Da der russische Markt etwas komplexer ist als andere europäische Märkte, ist es besonders wichtig, einen verlässlichen Partner vor Ort zu haben. Weil mit der Abwertung des Rubels einige Importeure in Schwierigkeiten geraten sind, ist es nicht einfacher geworden, einen zu finden. Aber der Aufwand lohnt sich. Gerade weil die russische Regierung zurzeit, um die Wirtschaft anzukurbeln, diverse neue Gesetze und Dekrete in Kraft setzt, ist es sehr wichtig, dass man lokal jemanden hat, der bestens informiert und vernetzt ist. Verfügt man über ein eigenes Büro vor Ort, ist die Auswahl kompetenter Angestellter von entscheidender Bedeutung. Russland ist uns als europäisches Land kulturell relativ nah. Andererseits gibt es doch viele Eigenheiten, die es zu beachten gilt. Der Reflex etwa, sich keine Blösse zu geben, ist hier sicher viel ausgeprägter als in Westeuropa. Andererseits kann ein Schweizer Geschäftspartner bei guten Beziehungen auch auf sehr grosse Loyalität zählen. Viele Klischees stimmen, wenn auch vielleicht etwas abgeschwächt. Allgemein lässt sich feststellen, dass die allermeisten Geschäftsleute nach ihrem ersten Aufenthalt hier positiv überrascht sind.

Länderberatung Russland (diverse Termine im Februar und im Mai)

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