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Holzbau in Kanada: Schweizer KMU liefern energieeffiziente Produkte

In Zeiten der Erderwärmung entwickelt auch die Bauindustrie neue umweltfreundliche Methoden für die Errichtung von Gebäuden. Bernhard Gafner, ein Experte für Massivholzbau, berichtet über die Möglichkeiten für Schweizer Cleantech-KMU, ihre Produkte und Dienstleistungen auf dem kanadischen Markt anzubieten.
Ein Holzhaus mit zwei Fenstern und einem Baum davor.
Holzbauten sind umweltfreundlich. Schweizer KMU sind in der Lage, energieeffiziente Produkte zu liefern.

Herr Gafner, normalerweise werden mittlere und grössere Gebäude aus Stahl und Beton gebaut. Man kann sie jedoch auch aus Holz herstellen. Warum ist Ihrer Meinung nach die Holzbauweise attraktiv?

Gebäude aus Holz bieten zahlreiche Vorteile. Insbesondere die Verwendung von Fertigteilen kann die planerische Verlässlichkeit und Kostensicherheit erhöhen und den Bau im Vergleich zu herkömmlichen Baumethoden beschleunigen. Auch bei schwierigen Bodenverhältnissen ist die Holzkonstruktion von Vorteil, da sie sich z. B. im Vergleich zu Beton durch ein geringes Gewicht auszeichnet. Aus umweltspezifischer Perspektive trägt die Verwendung des Baustoffes Holz aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern dazu bei, den CO2-Fussabdruck im Vergleich zu Stahl- und Betonbauten zu verringern.

Welche Schwierigkeiten können auftreten, wenn Holz als Hauptmaterial eingesetzt wird?

Brandbeständigkeit und Langlebigkeit sind oft die ersten Fragen, die in Gesprächen mit Kunden und Designern aufgeworfen werden, für die die Holzbauweise noch neu ist. Beide Probleme können überwunden werden. Der Schlüssel für gut konzipierte Strukturen liegt darin, vorurteilslos an die Arbeit zu gehen und die verschiedenen Materialien dort einzusetzen, wo ihre jeweiligen Vorteile maximal zum Tragen kommen. Dies gilt für alle Baustoffe.

Gibt es rechtlich bedingte Einschränkungen oder staatliche Unterstützungen, welche die Errichtung nachhaltiger Holzbauten bremsen oder fördern?

Aus bautechnischer Sicht ähneln sich die Schweiz und Kanada, was den Umgang mit Baurichtlinien und -standards anbelangt. Wurde etwas schriftlich nicht konkret festgehalten, haben Ingenieure die Freiheit, nach eigenem Ermessen ein Urteil zu fällen und alternative Systeme, Produkte oder Methoden einzusetzen, wenn ihnen dies richtig erscheint. Was zählt, ist die Leistung und nicht der zwingende Charakter der Vorgaben. In anderen Ländern wie den USA ist dies ein wenig komplizierter, aber ebenfalls möglich.

Die kanadischen Bundes- und Provinzregierungen fördern die Forstwirtschaft und unterstützen auf verschiedenen Ebenen Initiativen, um den Einsatz von Holz als Baustoff zu erhöhen. Was die Bauvorschriften hinsichtlich der Energieeffizienz betrifft, haben wir im Vergleich zu Mitteleuropa noch viel aufzuholen − wir befinden uns jedoch auf dem richtigen Weg!

Wie können Schweizer KMU ihr Know-how auf dem Gebiet der Holzbauweise einbringen?

Es gilt natürlich, mit dem regulatorischen Rahmen umzugehen, doch das ist gar nicht mal so kompliziert. Ausschlaggebend ist ein gutes Verständnis des lokalen Marktes; tatsächlich kann es da in Kanada von Region zu Region sehr grosse Unterschiede geben. Eine solide Marktforschung ist sehr wichtig, um den richtigen Ort und den richtigen Partner zu finden. Wir sind der Überzeugung, dass Schweizer KMU, die Produkte und Leistungen für Energieeffizienz und Befestigungssysteme anbieten, Aussicht auf Erfolg haben. Die Bauvorschriften ändern sich und es entsteht am Markt ein Bedarf für neue Produkte. Ein Beispiel hierfür sind Fenster und Wärmedämmstoffe.

S-GE Impulse: Sustainable Buildings

Nehmen Sie am 1. Dezember in Yverdon-les-Bains am S-GE Impulse: Sustainable Buildings teil und erfahren Sie mehr über die Geschäftsmöglichkeiten in diesem Bereich in Kanada und Nordamerika. Unser Cleantech-Experte David Avery steht für Ihre Fragen zur Verfügung.

Über Bernhard Gafner

Ein Vorreiter des Massivholzbaus: Bernhard Gafner steht bei der Einführung innovativer Produkte in den nordamerikanischen Markt an der Spitze. Bevor er an der Fachhochschule Biel das Holzbaustudium abschloss, sammelte er als eingetragener Zimmermann praktische Erfahrung. Mit mehr als zehn Jahren internationaler Erfahrung in Kanada, Deutschland und der Schweiz wirkte Bernhard Gafner an Projekten wie Sportstadien, Schulen, Universitäten und öffentlichen Gebäuden mit.

Über ACC Structural Engineers

ACC Structural Engineers ist ein junges, dynamisches Ingenieurbüro, das einen Komplett-Service anbietet; die Hochbauplanung gehört genauso zum Angebot wie Beratungsleistungen. Die Stärke des Büros liegt im Entwurf von Holzstrukturen. Die Teammitglieder waren bereits an zahlreichen Massivholzprojekten in ganz Nordamerika beteiligt. Das ACC-Team ist besonders stolz darauf, die Beziehungen zwischen Planer, Lieferanten und Monteuren sowie deren Bedürfnisse, Herausforderungen und Möglichkeiten wirklich zu verstehen. In jüngster Zeit begleitet ACC mit Erfolg europäische Unternehmen, die Produkte für den Bau nach Kanada liefern.

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