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Industrie 4.0: Schweizer KMU müssen Prozesse optimieren

Schweizer Exportunternehmen sind in Zugzwang: Ihr Prozessmanagement muss sich der drastischen Beschleunigung der industriellen Produktion anpassen. Die neuen Technologien bergen aber auch Chancen.

Die digitale Transformation zu Industrie 4.0 stellt die Exportwirtschaft vor Herausforderungen. Die Firmen, insbesondere KMU, müssen die neue Ära proaktiv gestalten, Veränderungen ihrer Wertschöpfung durch die Digitalisierung verstehen und entsprechende Konzepte entwickeln. Hohes Potenzial wird vor allem für Unternehmen aus der Maschinen- und Elektroindustrie sowie der Chemiebranche gesehen, etwas weniger für die Metall- und die Baubranche. Zentral ist: Jedes KMU in der Schweiz wird von der digitalen Transformation früher oder später betroffen, ob direkt, als Zulieferer oder als Handelspartner.

Poduktions- und Zulieferernetzwerke weiten sich aus

Internationalisierung ist von zentraler Bedeutung, Industrie 4.0 wird sich über alle Standorte und Strukturen ziehen. Umsetzungen können so auch als Wegbereiter für geografisch diversifizierte Produktions- oder Zulieferernetzwerke in neuen Wachstumsmärkten wirken. Voraussetzung dazu ist ein funktionierender Freihandel, für welchen die Politik die nötigen Rahmenbedingungen schaffen muss. Die digitale Transformation bringt mehr Möglichkeiten und Flexibilität in den Produktionsprozess. Dies wird den Trend zu kundenindividuellen, bedürfnisorientierten Anpassungen (Customizing) vor allem in der verarbeitenden Industrie verstärken. Aber auch Verteilprozesse oder das Ersatzteil-Handling werden einfacher, weil in erster Linie Daten zu übertragen sind, die physische Produktion aber lokal erfolgt.

Prozessoptimierung steht im Vordergrund

Wer sich mit dem Einstieg in Industrie 4.0 beschäftigt, sollte sich nicht von abstrakten Visionen leiten lassen. Grundsätzlich geht es primär um die Implementierung von Prozessverbesserungen und Produktivitätssteigerungen, nicht um den Einsatz revolutionärer Technologien an sich. Unternehmen müssen nach der Identifikation von Prozessschwachstellen prüfen, ob bei der Optimierung ein Nutzen durch den Einsatz von ICT-Technologien und Vernetzungskonzepten erzielt werden kann. Die Kosten/Nutzen-Frage ist immer zu beachten. Daten werden bei Industrie 4.0 zum zentralen Produktionsfaktor, die integrative Handhabung grosser Da-tenmengen daher zu einer besonderen Herausforderung. In komplexen Fertigungsnetzwerken werden sich auch die Rollen der Designer, der physischen Produktezulieferer sowie die Kundenschnittstellen ändern. Ein erster Schritt ist die Fragmentierung der Wertschöpfungskette, zahlreichen kleinen Unternehmen wird der Einstieg ins Geschäft erleichtert. Weil Marktführer ihre Wertschöpfungsketten überdenken, werden die Kosten- und Gewinn-Fragen neu gestellt: Liegen zukünftig die Margen im Design, in der Prozessabwicklung oder in der Expertise für Kundendaten?

Industrie 4.0 ist mehr als nur eine Disziplin

Interdisziplinäres Denken ist für Industrie 4.0 entscheidend. IT, Elektronik und Robotik werden dominierende Technologien sein, Bereiche wie Bio- oder Nanotech an Bedeutung gewinnen. Industrie 4.0 wird technische und soziale Fähigkeiten abverlangen. Designdenken, fortwährende Ausbildung und Weiterentwicklung am Arbeitsplatz werden zukünftig Kernkompetenzen sein. Die Verbindung zwischen IT-, Telekommunikations- und traditionellen Industrieunternehmen wird noch enger werden. Die Unternehmensorganisation der Zukunft wird sich weniger auf eine umfassende globale Präsenz konzentrieren. Für eine kostengünstige Produktion braucht es keine riesigen Produktionsanlagen mehr. In vielen Fällen wird es billiger sein, Daten zu verschieben und dafür die Produktion lokal in kleinerem Massstab auszuführen. Firmen werden sich demnach weiter dezentralisieren und flexibilisieren.

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