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Japan – Chancen für Schweizer Exporteure in einem reifen Markt

Japan steht als reife Volkswirtschaft mit einem – demografisch bedingt – tiefen Trendwachstum oft im Schatten der boomenden Schwellenländer Asiens. Die Insel bietet aber als drittgrösste Volkswirtschaft der Welt trotz oder gerade wegen der demografischen Alterung Chancen für Schweizer Exporteure.
Eine Strassenkreuzung in Japan mit vielen Menschen.
Japan ist weiterhin die drittgrösste Volkswirtschaft der Welt.

Wirtschaftsprogramm Abenomics hat Japan neuen Schwung verliehen

Jahrelang von wirtschaftlicher Stagnation und Deflation geprägt, hat Japan seit der Lancierung der «Abenomics», dem Wirtschaftsprogramm unter Premierminister Shinzo Abe, wieder deutlich an Dynamik und Reformfreudigkeit gewonnen. Damian Künzi, Senior Economist, Global Macro Research der Credit Suisse, erklärt: «Bereinigt um das Bevölkerungswachstum expandierte Japan seit 2013 schneller als Deutschland und gar dreimal so stark wie die Schweizer Wirtschaft. Entsprechend hat sich der Arbeitsmarkt stetig verbessert, und die Arbeitslosenquote ist auf den tiefsten Wert seit 1994 gefallen. Wir gehen davon aus, dass sich der zyklische Aufschwung in den kommenden beiden Jahren unverändert fortsetzen wird, getrieben durch moderates Wachstum beim Privatkonsum, den Unternehmensinvestitionen sowie den Nettoexporten. Die Regierung hat zudem ein Fiskalprogramm aufgelegt, welches über die kommenden Monate ebenfalls zum Wachstum beitragen sollte. Weil die Wirtschaft zunehmend in Kapazitätsengpässe läuft, vermehrte Einwanderung allerdings ein politisches Tabu bleibt, dürfte das Wachstum weiterhin eher durch Qualität – sprich steigende Produktivität – als durch Quantität glänzen.»

Die Alterung der Gesellschaft bietet auch Chancen

Der Rückgang der Bevölkerungszahl in Japan laste zwar auf dem Privatkonsum; die rapid steigende Erwerbsbeteiligung von Frauen und steigende Reallöhne federten diesen Effekt allerdings etwas ab, so Künzi weiter: «Die Alterung der japanischen Gesellschaft eröffnet nicht zuletzt auch Chancen, insbesondere für die Schweizer Pharma- und Medtechindustrie. So hat sich der Export von Pharmaprodukten in den letzten 10 Jahren mehr als verdoppelt und macht heute bereits 41% aller Schweizer Ausfuhren nach Japan aus.»

Schweizer Qualitätsprodukte zählen, aber müssen erprobt sein

Stimmen Qualität und Nische, sind auch Produkte aus weiteren Sektoren klar nachgefragt, erläutert Stefan Barny, Senior Consultant Japan / South Korea bei S-GE: «Dazu gehören Food, Kosmetik, Software oder Maschinenbau. Entscheidend ist der USP, ein einmaliges und aussergewöhnliches Produkt, das allerdings schon in einem anderen Markt getestet wurde, denn Japaner meiden Risiken.»

Hohe Anforderungen an Schweizer Exporteure

«In Japan ist der Kunde nicht König, sondern Gott. Japaner machen alles für ihre Kunden», betont Barny. Das seien sich Schweizer Exporteure nicht gewohnt: «KMU müssen sich klarwerden darüber, ob sie den langen Atem mitbringen.» Wenn Firmen einen Return on Investment unter drei Jahren erwarten, seien sie mit einem anderen Markt besser bedient, so Barny weiter. Preis und Leistung alleine reichen nicht: Schweizer Firmen müssen Top-Kundenservice vor Ort garantieren können, was eine lokale Vertretung oder Distribution zwingend macht.

Japanischer Anschauungsunterricht in der Robotertechnologie

Damian Künzi führt aus: «Der zunehmende Arbeitskräftemangel treibt zudem die Automatisierung stetig voran. Bereits heute verfügt Japan nach Südkorea und Singapur über die dritthöchste Dichte an Industrierobotern weltweit, und die International Federation of Robotics rechnet damit, dass der Markt in den kommenden Jahren mit durchschnittlich 5% pro Jahr wachsen wird.» Im Gegensatz zu anderen Ländern, wo die Automatisierung oft als Gefahr gesehen werde, beurteile die japanische Regierung die Robotertechnologie als strategische Zukunftsindustrie, die auch entsprechend staatlich gefördert werde, so Künzi weiter. «Besonders zukunftsträchtig scheinen die Bestrebungen, Roboter vermehrt in der arbeitsintensiven Gesundheits- und Pflegebranche einzusetzen. Für die Schweizer Maschinenindustrie bietet der japanische Markt folglich nicht nur Absatzmöglichkeiten, sondern auch Anschauungsunterricht, wohin die Reise in der Automatisierung und besonders der Robotik gehen könnte.»

«2017 wird die Sensortechnik zentral», ergänzt Barny: «In der Schweiz gibt es einige Firmen, die in diesem Sektor Weltmarktführer sind. Wir möchten diese darauf sensibilisieren, dass es in Japan Spitzentechnologien gibt, und Schweizer Produkte durchaus ihre Berechtigung haben.»

Event «Impulse: The 4th Industrial Revolution in Japan»

Am S-GE-Event „Impulse: The 4th Industrial Revolution in Japan” vom 21. Februar 2017 in Zürich werden hochrangige Vertreter aus Regierung und Industrie den Exportmarkt Japan vorstellen und konkrete Geschäftschancen im Zusammenhang mit Industrie 4.0 aufzeigen. Teilnehmer erhalten am Networking-Event zudem die Gelegenheit, sich mit Schweizer Firmen auszutauschen, die bereits erfolgreich nach Japan exportieren. Treffen Sie auch die Experten Stefan Barny von S-GE und Damian Künzi von Credit Suisse und melden Sie sich jetzt an!

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