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«In Polen spielt der menschliche Faktor eine ganz wesentliche Rolle»

Der Schweizer Schienenfahrzeughersteller Stadler Rail betreibt in Polen drei Standorte. Konzernleitungsmitglied Christian Spichiger erklärt, warum das Unternehmen nach Polen expandiert hat und was es braucht, um in diesem Land Fuss zu fassen.

Stadler baut Schienenfahrzeuge und sieht in Polen grosses Potential

Stadler betreibt in Polen drei Standorte. Was war die Motivation in Polen einen Produktions- und Servicestandort aufzubauen?

Polen ist ein Eisenbahnland mit 22 000 km Infrastruktur. Die Infrastruktur sowie der Fahrzeugpark ist alt und muss erneut werden. Es besteht ein grosses Potential. Aus diesem Grund ist Polen für uns ein wichtiger Markt. Nach dem Gewinn der ersten Ausschreibung im Jahr 2006 haben wir im Osten von Polen einen Produktionsstandort aufgebaut. Da die weiteren gewonnenen Ausschreibungen die Instandhaltung der Fahrzeuge vertraglich beinhalten, eröffneten wir im Jahr 2006 auch eine Servicegesellschaft.

Wo sehen Sie die Vor- und Nachteile im polnischen Markt? Können Sie von Erfahrungen, Misserfolgen oder Learnings erzählen?

Wie bereits erwähnt, gibt es in Polen eine sehr grosse Nachfrage an neuen Schienenfahrzeugen sowohl im Bereich Voll-, als auch Strassenbahnen. Der öffentliche Verkehr muss zwingend verbessert werden. Praktisch alle Projekte werden grossenteils aus dem EU-Fonds für Infrastruktur finanziert. Das ist für uns eine interessante Perspektive.

Wir haben aber auch eine sehr starke lokale Konkurrenz, welche mit Tiefstpreisen und extrem kurzen Lieferterminen die Ausschreibungen gewinnt. Tiefstpreise heisst Einbussen in der Qualität und bei der Lebenszykluskostenrechnung (LCC). Das ist das Umfeld, in welchem wir uns bewegen und wir müssen damit umgehen können. Bei Stadler gibt es keine Kompromisse hinsichtlich Qualität. Wir müssen somit die Kunden von nachhaltigen Lösungen überzeugen.

Welche Unterschiede bestehen zwischen der Schweiz und Polen als Produktionsstandort?

Im Wesentlichen bestehen zwischen den Produktionsstandorten der Schweiz und Polen keine Unterschiede. Wir haben die gleichen Prozesse und produzieren Schienenfahrzeuge der gleichen Qualität.

Durch die Entwicklung Polens, eröffnen sich für Schweizer Firmen, besonders aus dem MEM Bereich, interessante Geschäftschancen. Welche Chancen sehen Sie für Schweizer KMU?

Ich sehe in Polen durchaus interessante Geschäftschancen für Schweizer Firmen in diesem Bereich. Es besteht ein sehr grosser Heimmarkt – Polen ist das grösste zentraleuropäische Land. Eine Investition in Polen mit «Swissness» ist attraktiv, deutet auf Qualität und kann durchaus auch ein «Gateway» in andere zentraleuropäische Märkte sein. Man sollte aber beachten, dass heute in Polen, ausser Produktions- auch Engineeringaktivitäten erwartet werden.        

Als Schweizer Unternehmer in Polen, was sind Ihre Ratschläge an Schweizer KMU, welche im polnischen Markt Fuss fassen möchten?

Wie in jedem anderen Land muss man sich als Investor den lokalen Bedingungen anpassen. In Polen spielt der menschliche Faktor eine ganz wesentliche Rolle und darf nicht unterschätzt werden. Das hört sich vielleicht banal an, ist aber ganz entscheidend für den Erfolg in diesem Land.

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