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Ricolab: Warum sich ein Innovationslabor für KMU lohnen kann

Mit neuen Technologien, Verbraucher-Trends oder der digitalen Transformation Schritt zu halten ist für viele KMU eine grosse Herausforderung. Wie man sie anpackt und noch dazu zum Vorreiter wird, zeigt Ricolab, die neue Tochtergesellschaft von Ricola. Die Kernaufgabe: Radikale Innovation!

Ricolab: Warum sich ein Innovationslabor für KMU lohnen kann
Eva Richterich erklärt am Aussenwirtschaftsforum warum sich ein Innovationslabor für KMU lohnt.

Eva Richterich, Sie leiten das Ricolab, die neue Tochtergesellschaft des bekannten Schweizer KMU Ricola AG und sprechen am Aussenwirtschaftsforum über Ihre Erfahrungen. Das Ricolab ist komplett eigenständig vom Mutterkonzern und kümmert sich um radikale Innovationen.

Was ist das Ziel von Ricolab?

Das Ricolab ist eine eigenständige Tochter innerhalb der Ricola Gruppe. Wir testen neue Geschäftsfelder ausserhalb des Tagesgeschäfts, die künftig für die Ricola Gruppe interessant sein könnten. Wir erarbeiten Erfahrungen in neuen Geschäftsmodellen und spielen dieses Wissen in die Firma zurück. Auch wenn alle unsere Innovationen scheitern würden, würden wir so Wert schaffen.

Warum braucht ein weltweit erfolgreiches Schweizer KMU, wie Ricola, ein externes Innovationlabor?

Als Baustein einer langfristigen Unternehmensführung sehen wir im Ricolab eine wertvolle Erweiterung der eigenen starken Innovationsabteilung von Ricola. Als eigenständige Tochter hat das Ricolab den Vorteil, auch ausserhalb von Branche, Marke und Geschäftsmodell Chancen und Gefahren entdecken zu können- und dies mit einem Schwerpunkt auf neue Technologien und mit einem langen Zeithorizont. In einer Welt, die sich exponentiell verändert ist dies für den langfristigen Erfolg ein wichtiger Faktor.

Wie kam die Idee für ein Innovationslabor auf?

In seiner heutigen Form wurde es von mir initiiert und in Partnerschaft mit dem Impact Hub Zürich und unter dem Coaching unseres CEOs Felix Richterich konzipiert. Heute wird das Ricolab vom eigenen Team stetig weiterentwickelt. Raphael Richterich, CMO von Ricola und zweiter Verwaltungsrat des Ricolab, entwickelte mit mir zusammen die Schnittstelle zum Mutterhaus.

Welche Strategie verfolgen Sie, wenn Sie auf die Suche nach neuen Ideen und Geschäftsmodellen gehen?

Methodisch arbeiten wir mit einem Lean Startup Ansatz. Das bedeutet im Wesentlichen, dass wir in einem schnellen und kostengünstigen "build-test-learn-loop" und möglichst nahe am Markt ein Geschäft entwickeln. Thematisch arbeiten wir mit neuen Technologien in Verbindung mit Werten und der Historie von Ricola. Im Moment untersuchen wir welche Möglichkeiten im Zusammenspiel von altem Kräuterwissen und aktuellen technologischen Entwicklungen stecken.

Wir entwickeln nur Geschäfte, die zum Erreichen der globalen UN Nachhaltigkeitsziele beitragen. Man kann nur in einer halbwegs gesunden Welt erfolgreich Geschäfte machen, Nachhaltigkeit und "Business" gehören deshalb zusammen und wir wollen ein Zeichen setzen.

Welches Vorgehen raten Sie anderen KMU, die ihr eigenes Geschäftsmodell innovieren möchten, um global wettbewerbsfähig zu bleiben?

Sie sollten es machen. Die digitale Welt schafft ja nicht nur neue Technologien, sondern verändert ökonomische Logiken. Was digital ist oder grosse digitale Anteile hat, skaliert anders, schafft andere Einnahme- und Kostenquellen, verlangt nach anderen Kundenbeziehungen und Kanälen und braucht andere Kompetenzen. Von Spotify über Facebook, Uber, Airbnb und Amazon – die Disruptionen der letzten Jahre basieren nicht auf besseren Produkten sondern komplett anderen Geschäftsmodellen.

Geschäftsmodellinnovation ist aber unbequem, da sie per Definition das Bestehende in Frage stellt. Deshalb braucht sie Mut, ist von strategischer Tragweite und muss von der Unternehmensführung getragen werden. Sonst wird Leerlauf und Frustration produziert. Zudem braucht es besondere Teams. Menschen, die fähig sind, neue Geschäftsmodelle zu testen, sind keine klassischen Angestellten, sondern Intra- und Entrepreneure. Sie sind intrinsisch motiviert, ambitioniert und angetrieben vom Wunsch etwas Neues zu schaffen. Sie werden Ihnen selber sagen, welche Strukturen und Mittel sie brauchen. Sie müssen nur zuhören.

Wann lohnt es sich für ein Schweizer KMU in ein Start-up zu investieren?

Heute arbeiten fast alle grossen Firmen mit Startups zusammen. KMU scheinen mir hier noch sehr zurückhaltend. Das ist schade, denn beide Seiten könnten viel voneinander profitieren.
Man muss nicht Investor sein, um mit Startups zu arbeiten. Die gemeinsame Entwicklung eines Prototyps, die Nutzung von Verkaufskanälen oder ein Türöffnen bei einem wichtigen Partner können Startups ebenso helfen. Im Gegenzug erhält ein KMU Einblicke in neue technologische Entwicklungen, Ideen und Trends und spart sich so Beratungskosten. Eine gute Möglichkeit das Startup-Universum kennenzulernen, ist eine Partnerschaft mit einem Programm wie «Kickstart Accelerator», bei dem beide Seiten Unterstützung für die Zusammenarbeit erhalten.

Das RicoLab hat mit einer "Beta-Phase" angefangen. Ist das ein iterativer Prozess? Warum ist dieses Vorgehen wichtig für ein KMU?

Der Lean Startup Ansatz, den wir in den Innovationsprojekten anwenden, gilt auch für den Aufbau des Ricolab selber. Anstatt lange zu philosophieren testen wir Dinge "in Aktion" und lernen daraus. Das gilt für Themen, Strukturen und auch Teammitglieder. In der "Betaphase" haben wir bewusst zuerst an Inhalten und Netzwerken gearbeitet. Es gab weder ein Erscheinungsbild, noch eine Webseite, ein definitives Team, eine Umsetzungsstrategie oder ein Kommunikationskonzept. Wir haben es "Beta" Phase genannt um uns vor Erwartungen zu schützen. Der Vorteil dieses Vorgehens ist, dass wir sehr schnell sind und keine Leerläufe produzieren. Eine Fehlerkultur ist da natürlich mit eingebaut. Nun sind wir aus der Betaphase heraus, möchten aber auch künftig in diesem Lern-Modus bleiben.

Welches Thema wird das Ricolab 2018 am meisten beschäftigen?

Das wissen wir noch nicht. Das Thema Kräuter und neue Technologien wird uns noch eine Weile auf Trab halten - da steckt sehr viel Potential drin. Sicher werden wir am Wissenstransfer und Austausch mit dem Mutterhaus arbeiten, sicher werden wir die Entwicklungen rund um disruptive Technologien verfolgen und sicher werden wir mit vielen anderen an unternehmerischen Lösungen für eine nachhaltige Welt arbeiten.

Geschäftsmodelle neu denken

Diskussionsstoff zum Thema finden Sie in unserem Dossier und in unserem monatlich erscheinenden Newsletter (hier abonnieren).
Am Aussenwirtschaftsforum am 18. Mai 2017 haben Sie ausserdem die Gelegenheit, sich mit anderen Schweizer KMU auszutauschen und sich von Vorreitern wie dem Ricolab, Elite SA (zum Interview) oder Burckhardt Compression (zum Interview) beim Executive Talk inspirieren zu lassen. Zu Programm und Anmeldung!

About Ricolab

Ricolab ist das unabhängige neue Zukunftslabor der Ricola Gruppe. Aufbauend auf der Herkunft von Ricola entwickelt es neue Geschäftsfelder ausserhalb von Marke und Branche mit einem Schwerpunkt auf neuen Technologien und Geschäftsmodellen.

About Eva Richterich

Eva Richterich ist Mitgründerin und CEO des Ricolab und seit 2015 Mitglied des Verwaltungsrates von Ricola. Zuvor hat sie Projekte und Institutionen in verschiedensten Sektoren aufgebaut und geleitet und war im Stiftungswesen und später zunehmend in der Startup-Welt aktiv. 

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