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Spielt die Abkühlung in China wirklich eine Rolle?

Die Wirtschaft Chinas kühlt sich 2013 zum ersten Mal seit Jahren ab. Ist das gemächlichere Wirtschaftswachstum nach dem halsbrecherischen Tempo des letzten Jahrzehnts für den Rest der Welt wirklich so gefährlich?

Spielt die Abkühlung in China wirklich eine Rolle?

Die chinesische Wirtschaft hat sich in diesem Jahr abgekühlt. Dennoch stellt das BIP-Wachstum des Landes im zweiten Quartal mit 7,5 Prozent im Vorjahresvergleich die Wachstumsraten der anderen grossen Volkswirtschaften der Welt immer noch weitgehend in den Schatten. Gleichzeitig liegt es aber auch weit unter den 14 Prozent aus dem Jahr 2007. Für rohstoffproduzierende Länder waren das halsbrecherische Wachstum Chinas und die entsprechend hohe Rohstoffnachfrage des Landes im letzten Jahrzehnt ein Segen. Gleichzeitig war China der weltweit grösste Exporteur, der von Bekleidung bis Elektronik buchstäblich alles in andere Länder lieferte. Anfang des Jahres überholte China sogar die USA als weltgrösste Handelsnation. Und die zunehmende Verflechtung mit anderen grossen Volkswirtschaften ist der Grund, weshalb die Aussicht auf eine Verlangsamung des chinesischen Wirtschaftswachstums als potenzielle Bedrohung für die Weltwirtschaft angesehen werden könnte.

Ist das gemächlichere Wirtschaftswachstum in China wirklich so gefährlich?

Kurz gesagt: nein. Unter der Leitung von Chefökonom Neal Soss haben die volkswirtschaftlichen und globalen Strategieteams der Credit Suisse analysiert, welche Auswirkungen die Verlangsamung des chinesischen Wirtschaftswachstums auf die Weltwirtschaft haben könnte. Sie kamen zu einem ziemlich überraschenden Ergebnis: Die Verbesserung der Wirtschaftslage in den USA und in Europa wird grössere Auswirkungen auf die globalen Wachstumstrends haben als die mässigen Wirtschaftsdaten, die derzeit aus China und Asien gemeldet werden. Ausserdem rechnen die Analysten nicht mit einer signifikanten weiteren Verlangsamung des chinesischen Wirtschaftswachstums. Diese Prognose wurde durch die jüngste Veröffentlichung positiver Konjunkturdaten untermauert, die unter anderem eine überraschend starke Steigerung der Industrieproduktion um zehn Prozent vorhersagen.

Eine unterschiedliche Betrachtung der Importe Chinas ergibt völlig andere Zahlen

Einer der wichtigsten Gründe, weshalb ein schwächeres Wachstum in China den Marktbeobachtern Sorge bereitet, ist, dass das Land mit einer Bevölkerung von 1,3 Milliarden einen enormen Teil der globalen Exporte absorbiert. Die Bruttoimporte Chinas machen 2,9 Prozent des globalen BIP aus, während auf die Europäische Union 3,6 Prozent und auf die USA 3,8 Prozent entfallen. Wenn sich eine derartig grosse Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen abschwächt, könnte man annehmen, dass dies den anderen Volkswirtschaften schwer zu schaffen macht. Betrachtet man jedoch die chinesischen Importe aus einem anderen Blickwinkel, verändern sich die Zahlen dramatisch: Eine stärker miteinander verflochtene globale Versorgungskette bedeutet, dass viele Länder – insbesondere China – einfach Komponenten eines Produkts importieren, es in einer Fabrik zusammenbauen und dann in ein anderes Land exportieren, in dem es weiterbearbeitet oder verkauft wird. Der "Wertschöpfungsimport" Chinas – das heisst, der Anteil der Gesamtimporte, der in China verbleibt und an chinesische Kunden verkauft wird, statt nur dort zusammengebaut und wieder exportiert wird – macht lediglich 1,7 Prozent des gesamten globalen BIP aus. Das entspricht ungefähr der Hälfte des Wertschöpfungsimports der USA sowie der Europäischen Union und übertrifft lediglich den Wertschöpfungsimport Japans um 50 Prozent. "Auf globaler Ebene ist die Binnennachfrage in den USA und der EU wesentlich wichtiger als die Nachfrage in China", schrieb ein Analyst der Credit Suisse in einem Bericht.

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