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Verpackungsmaschinen – Mehr Kundennutzen durch Digitalisierung und mobile Applikationen

Auch die Industrie setzt zunehmend auf Cloud Computing. Durch digital vernetzte Maschinen lassen sich Liefer- und Fertigungszeiten für ein Unternehmen besser einschätzen.
Endinspektion einer Präzisionsmaschineaschine
Die MEM Industrie spürt viele Veränderungen durch Industrie 4.0

Herr Burger, Sie sind Leiter Industrie 4.0 bei Bosch Packaging Systems AG, Beringen (CH). Welches sind die Haupttreiber der vierten industriellen Revolution in der MEM Branche und wie treibt auch Ihr Unternehmen diese voran?

Haupttreiber ist vor allem die mittlerweile einfache und allgegenwärtige Verfügbarkeit von Internet im Vergleich zu früher (vor 10-15 Jahren) und die immer günstiger werdende Hardware, wie beispielweise Computer, Sensorik und Aktuatorik. Hinzu kommt aber auch die Möglichkeit, Daten aufgrund erhöhter und günstiger Rechenleistung einfacher und schneller zu speichern und zu verarbeiten, Berechnungen durchzuführen und diese auch zu visualisieren.

Ein weiterer Treiber ist die Konsumgüterbranche. Diese hat durch ‚Apps‘ das Anbieten von Dienstleistungen vorangetrieben. Inzwischen werden solche Dienstleistungen auch in der Industrie weitreichend genutzt. Zum Beispiel Daten in einer Cloud (dezentrales Rechenzentrum) abzuspeichern und in einer globalen Organisation zur Verfügung zu stellen.

Der dritte Treiber ist die veränderte Gesellschaft. Die heutige Kommunikationsgesellschaft möchte die ganzen Vorteile, welche sie im Privaten von der Verfügbarkeit von ‚Apps‘, der Handhabung von mobilen Geräten, dem Internet und dem Umgang mit Hardware (Mobiltelefon) gewohnt sind, auch im Berufsleben nutzen können. Besonders vorangetrieben wird dieser Trend von den Digital Natives (Generation Y), die mit den genannten Technologien aufgewachsen sind.

Die Robert Bosch GmbH selbst engagiert sich im Gemeinschaftsprojekt „Plattform Industrie 4.0“ in Deutschland. Das Projekt ist eine Zusammenarbeit deutscher Wirtschaftsverbände BITKOM, VDMA und ZVEI zur Weiterentwicklung und Umsetzung des Zukunftsprojekts „Industrie 4.0“.

Welche Bedeutung nimmt Ihrer Meinung nach die Digitalisierung im globalen Handel ein?

Die Digitalisierung berührt einige Bereiche in der globalen Wertschöpfungskette. Beispielsweise sind dies zum Einen Fertigungsprozesse, zum Anderen auch die Zulieferprozesse und der Bereich Logistik und Einkauf. Die Prozesse im Einkauf wurden bereits vor rund 10 bis 15 Jahren, grösstenteils mit der EDI Anbindung (Electronic Data Interchange) „digitalisiert“. Beispielhaft hierfür ist der automatische Austausch zwischen Zulieferer und Hersteller von Bestellungen in SAP.

Innerhalb der Fabrik versucht man heutzutage möglichst papierlos zu arbeiten. Und dies durchgängig von der Konstruktionsabteilung bis hin zur Maschine. Aus dem einfachen Grund weil durch Papier häufig Fehler entstehen und „digital“ die Transparenz und schnelle Weiterverarbeitung von Daten steigt.

Dazu muss ich aber anmerken, dass dies nicht neu ist. Schon in den 80er Jahren wurde CIM (Computer Integrated Manufacturing) eingeführt. Damals war allerdings die Hardware, Software und die Netzwerke nicht so performant wie heute.

Der dritte Teil ist die schnelle Abwicklung nach der Fertigung bis zum Kunden. Unternehmen fragen sich, „Kommt unser Produkt sicher zum Kunden?“ Das ist heute mit der Digitalisierung, z.B. Sendungsverfolgung und dem Einsatz von Sensorik einfach möglich. Beispielsweise kann man über einen günstigen Sensor mit GPS-Modul, Feuchte-, Temperatur- und Lagesensor das Produkt und dessen Zustand von der Fabrik bis zum Kunden einfach verfolgen. Die Logistikbranche, im Besonderen die Paketzustellung ist hier schon seit mehreren Jahren erfolgreich aktiv.

Vielen Kunden ist noch nicht bewusst, dass sie an der Digitalisierung teilhaben müssen um konkurrenzfähig zu bleiben. Würden Sie dem zustimmen und wie leisten Sie Überzeugungsarbeit, besonders in der MEM Branche?

Unsere Kunden sind grössere internationale Firmen aber auch Mittelständler. Das Bewusstsein ist vereinzelt da, im Besonderen bei internationalen agierenden Firmen. Die Bosch Packaging Systems AG versucht unter anderem mit mobilen Applikationen und Softwareapplikationen den Kunden in seinen Prozessen und beim „daily Business“ zu unterstützen.

Überzeugen kann man den Kunden nur, wenn man einen Mehrwert bietet – einfach gesagt, Transparenz in der Fertigung schafft, Kosten einspart und den Kunden aber auch in der Schnelligkeit in seiner Fertigung unterstützt – kurz Produktivitätssteigerung. Am Ende muss das Produkt, z.B. Schokolade oder Biskuits der Kunden schneller zum Verkauf im Regal stehen.

Zeichnen sich bereits zukünftige Trends in der Digitalisierung ab und was bedeutet dies für exportorientierte Schweizer KMU?

Der langfristige Trend geht in Richtung „Plattform“, in der Fabrik oder auch ausserhalb. Plattformen, die Dienstleistungen oder Applikationen bündeln können, welche man als Kunde z.B. auf einem (vernetzen) Gerät oder auf Zeit abrufen kann. Dies können z.B. Software Produkte und Dienstleistungen sein. Aus dem Office Bereich, beispielsweise Microsoft Office 365, das man auf Jahresbasis bezieht. Man bezahlt also nur dann, wenn man das Produkt oder den Service wirklich braucht. Ähnliches kann auch in der Industrie passieren. Eine Möglichkeit hierfür ist eine Cloud Anbindung (externe Rechenzentren), Cloud Services oder Cloud Computing (beispielsweise Algorithmen/Programme zur Trendberechnung). Diese Services sind dann mit einer einfachen Internetanbindung abzurufen.

Mittelständler sollten in ihren Entwicklungen Systemoffenheit mitberücksichtigen, also keine Insel- bzw. alleinstehende Lösungen entwickeln. Es ist wichtig, an Schnittstellen zu denken. Die Soft-und Hardware Architektur sollte offen sein für die Anbindung an andere Systeme. Zum Beispiel, dass ihre Maschine an ein Manufacturing Execution System (MES) für die Erfassung von Maschinen- und Betriebsdaten anbindbar ist. Ein MES macht Maschinendaten und Fertigungsdaten transparent – in Echtzeit. Das erleichtert die Planbarkeit der Fertigung und Auslieferung.

S-GE Impulse: MEM an der Sindex in Bern

Am 08. September findet im Rahmen der Sindex in Bern der S-GE Impulse: MEM statt. S-GE Mitglieder profitieren von einer exklusiven Führung von SwissT.net über die Messe.

Über Norbert Burger

Norbert Burger ist Leiter Industrie 4.0 bei Bosch Packaging Systems AG, Beringen (CH). Er koordiniert die interdisziplinäre Produkt- und Serviceentwicklungen am Standort im engen Austausch mit anderen Standorten. Am 8. September wird er beim S-GE Impulse Event an der Sindex Messe in Bern einen Vortrag halten. Inhaltlich spricht er über den Einfluss der Vernetzung und Digitalisierung, i.B. die Berücksichtigung bei Neuentwicklungen und seine gewonnen Erfahrungen am Beispiel eines Herstellers von Verpackungsmaschinen.

Über Bosch Packaging Systems AG

Bosch Packaging Technology ist ein Geschäftsbereich der Robert Bosch GmbH. Der Bereich ist ein weltweit führender Anbieter von Füll-, Prozess- und Verpackungstechnik. Am Standort in Beringen (CH) ist der Produktbereich Confectionary and Food und Service angesiedelt mit gesamthaft über 700 Mitarbeiter.

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