Expertise

«Politische Risiken lassen sich nicht hedgen»

Andreas Gerber, Leiter KMU der Credit Suisse in der Schweiz, über die Herausforderungen des Exports und der Exportfinanzierung in den reifen Märkten Europas, Amerikas und Asiens – und wie KMU dort trotz hohen Wettbewerbs und steigender Unsicherheit noch wachsen können.

Lange Erfahrung bei der Unterstützung von KMU: Andreas Gerber, Leiter KMU-Geschäft Credit Suisse Schweiz
Lange Erfahrung bei der Unterstützung von KMU: Andreas Gerber, Leiter KMU-Geschäft Credit Suisse Schweiz

Die längste Zeit der fast 30 Jahre, die Andreas Gerber für die Credit Suisse tätig ist, unterstützte er Unternehmenskunden und vor allem KMU. Heute verantwortet er das gesamte Schweizer KMU-Geschäft der Grossbank. Im Gespräch teilt er seine breite Erfahrung zu den Erfolgsrezepten von Schweizer KMU für Export und Exportfinanzierung in reifen Märkten.

Hoher Wettbewerb, doch Wachstum in reifen Märkten ist möglich

«In Europa herrscht per se ein sehr kompetitives Umfeld, wenngleich das natürlich von Branche zu Branche variieren kann», so Gerber.

«Aus meiner Erfahrung sind die USA aber noch wesentlich kompetitiver. Da wird mit anderen Bandagen gekämpft. Und am Ende des Tages zählen für viele US-Kunden der Schweizer KMU nicht nur die qualitativen Ansprüche. Ein Handelspartner in den USA sagt eher, dass ihm die Lieferbedingungen, die Genauigkeit oder die Langfristigkeit der Beziehung vielleicht weniger wichtig sind als ein tieferer Preis.»

Gleichzeitig beobachtet Gerber eine zunehmende Wettbewerbsintensität in den aufstrebenden Märkten Asiens, insbesondere in China. «Die lokalen Anbieter dort bauen immer mehr Know-how auf und je nach Branche können Sie als Grossunternehmen genauso gut mit einem chinesischen wie mit einem europäischen Zulieferer arbeiten, das ist heute nicht mehr zu vernachlässigen.» Generell entwickle sich China langsam zu einem reifen Markt mit einer hohen Binnennachfrage, zum Beispiel in Regionen wie dem Pearl River Delta, «dort ist man technologisch zum Teil wesentlich weiter als in Europa». Betreffend der Einfachheit und Verlässlichkeit, Geschäfte zu machen, weise China aber noch immer viele Charakteristika eines Schwellenmarktes auf.

Trotz des intensiven Wettbewerbs ist Wachstum in den reifen Märkten weiterhin möglich, davon ist Andreas Gerber überzeugt.

«Uns ist allen bewusst, dass im langfristigen Trend der asiatische Markt sehr schnell wächst. Aber der Schluss, deshalb nicht mehr in reife Märkte zu investieren, wäre meines Erachtens ein Fehler.»

Die kulturelle Nähe, die etablierten Geschäftsbeziehungen, das Vertrauen dürfe man nicht unterschätzen.

Gemäss Gerbers Einschätzung können Exporteure in diesem Umfeld vor allem über Innovation und neue Produkte wachsen. Hinzu kommt, dass «nicht bereits alle Maschinenkonzerne oder Pharmabetriebe in reifen Märkten Schweizer Zulieferer berücksichtigen», es gibt also weiterhin grosses Potenzial, neue Kundengruppen zu erschliessen.

«Die Grenzen liegen eher in der generellen Dynamik des Wachstums in reifen Märkten»

Das bedeutet in der Konjunktur, in der Entwicklung der Technologie und den grundsätzlichen Strukturen eines Marktes, die Wachstum ermöglichen, erläutert Gerber.

Um ihre Chancen zu realisieren, rät er Firmen, die Unterschiede zwischen der Schweiz und den reifen Märkten nicht zu unterschätzen. Jedes EU-Land zwischen Portugal und Polen birgt andere regulatorische und kulturelle Bedingungen, ganz zu schweigen vom kulturell sehr binnenmarktorientierten Japan oder den USA. Gerber:

«Ich kenne nur ganz wenig Unternehmen, welche die USA erschlossen haben und anfangs ohne ein blaues Auge davongekommen sind – sei dies wegen rechtlicher Fragen rund um die Produkthaftung, des lokalen Wettbewerbs oder aufgrund von kulturellen Unterschieden, die häufig falsch eingeschätzt werden.»

KMU müssen sich gegen Währungsschwankungen absichern

Um kein finanzielles Risiko einzugehen, empfiehlt Andreas Gerber allen KMU und vor allem jenen mit noch weniger Exporterfahrung sich konsequent gegen Währungsschwankungen abzusichern – natürlich bedeutet ein «Hedge» zum Teil gewisse Einbussen bei der Marge, doch haben die extremen Auf und Abs der letzten Jahre gezeigt, wie essenziell solcher Schutz wirken kann. Die Währungskonstellation stellt für ihn ganz klar die grösste Herausforderung bei der Exportfinanzierung in reifen Märkten dar.

Unternehmen müssten zudem überlegen, wie vollumfänglich sie ihren Geschäftspartnern vertrauen und inwieweit sie Garantien für ihren Geschäftsumsatz abschliessen möchten. Nicht zuletzt gilt es, vor Ort auch die richtigen Partner für Bankangelegenheiten zu identifizieren, damit das Zahlungsgeschäft reibungslos abgewickelt werden kann.

Verhalten positives Wachstum für 2019 – trotz zunehmender Unberechenbarkeit des politischen Umfelds

Anders als Währungsrisiken liessen sich politische Risiken jedoch nicht hedgen, betont Gerber, nicht einmal planen. Ihn sorgt das zunehmend unberechenbare regulatorische und politische Umfeld, in dem sich der Handel weltweit bewegt – und er glaubt, dieser Trend wird sich auch in den kommenden Jahren fortsetzen.

«Trotzdem erwarte ich verhalten positives Wachstum für unsere Exportwirtschaft im Jahr 2019, unsere Firmen haben eine gute Pipeline und sind gut aufgestellt», so Gerber. «Für KMU ist die Internationalisierung nach wie vor eine grosse Chance, kein Risiko.»

Über die Credit Suisse in der Schweiz

Die Credit Suisse betreut in der Schweiz Privatkunden, Firmenkunden sowie institutionelle Kunden. Als führende Bank für Unternehmer betreut Credit Suisse sowohl rund 100‘000 KMU als auch eine Vielzahl von Grossunter-nehmen in der Schweiz. Die Dienstleistungspalette deckt dabei alle Themen ab, die im Lebenszyklus eines Un-ternehmens von Relevanz sind – von der Unternehmensgründung, über die Vergabe von Venture Capital, das Kreditgeschäft bis hin zur Beratung bei M&A und Börsengängen sowie das Thema Nachfolgeplanung. Hinzu kommen Dienstleistungen rund um die private Vermögensplanung für Unternehmer, wofür die Credit Suisse ein eigens dafür spezialisiertes Team von Beratern verfügt. Mehr Informationen: www.credit-suisse.com/unternehmer

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