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Trends bei Cleantech-Investionen weltweit und in der Schweiz 2020

Im letzten Jahr sammelten Innovatoren im Bereich Ressourcen und Umwelt weltweit über 2 Milliarden US-Dollar in 246 Abschlüssen. Insbesondere in den Bereichen Kohlenstoffabscheidung, Recycling und Abfall sowie Bau konnten Innovatoren grosse Kapitalsummen aufbringen. In der Schweiz wird viel Risikokapital in die Dekarbonisierung investiert. Der Bereich Energie und Strom bleibt ein Schwerpunkt für Investitionen im Land mit einem Anteil von 54 % am Gesamtinvestitionsvolumen.

Chart showing Trends

Das Engagement in Cleantech-Innovationen nimmt im Einklang mit den wachsenden Bemühungen im öffentlichen wie im privaten Sektor zu. Der Prozess gewinnt an Fahrt: Das Energieunternehmen BP verkündet seine Dekarbonisierungsstrategien bis 2050 und BlackRock entfernt Unternehmen, die ihren Gewinn im Kohlebergbau machen, aus seinen aktiv verwalteten Portfolios. Die weltweiten Cleantech-Investitionen knackten 2019 die 35-Milliarden-Dollar-Marke. Das kontinuierliche Wachstum setzte sich somit im fünften Jahr fort

Hoher Anteil an Risikokapital im Cleantech

Ein grosser Teil des Risikokapitals wird in den Landwirtschafts- und Lebensmittelsektor investiert, an dem das Interesse steigt, und in vermehrte Innovationen in der Transport- und Logistikbranche. Im Bereich Landwirtschaft und Lebensmittel führt eine sich ändernde Kundennachfrage zu weltweitem Interesse an pflanzenbasierten und im Labor gezüchteten Proteinen sowie an der verbraucherorientierten Lebensmittelbeschaffung und Online-Lebensmittellieferdiensten. Innovatoren wie Impossible Foods, Perfect Day Foods, DoorDash, Picnic, Grofers, Wolt und Rebel Foods haben in den letzten 18 Monaten alle an Dynamik gewonnen. Im Bereich Transport hat die Automobilbranche ihren Wendepunkt auf dem Weg zur Dekarbonisierung erreicht. Das Interesse an Elektrofahrzeugen, Logistik- und Mobilitätsdiensten nimmt entsprechend zu. Akteure wie die Start-ups Rivan, Convoy, Bird und Bounce haben 2019 mehr als 100 Millionen US-Dollar an Investitionen einholen können. Zusammen machten die beiden Branchen 2019 58 % der Gesamtinvestitionen aus (siehe Grafik 1).

Sektorfokus: Investitionstrends in der Energie- und Strombranche

Die Investitionen in die Energie- und Strombranche machen zwar nur einen relativ kleinen Teil der Gesamtinvestitionen weltweit aus, befinden sich aber im Aufstieg. 2019 gab es mit insgesamt 3,95 Milliarden US-Dollar Investitionen den höchsten Wert der letzten sechs Jahre und 447 Abschlüsse in den letzten zwölf Monaten. Versorgungs- und Energieakteure gehen zunehmend Verpflichtungen im Hinblick auf Kohlenstoff ein. Das führt zu mehr Engagement der Unternehmen für Innovationen in der Frühphase, das durch Risikokapital und Übernahmen finanziert wird. Einige Beispiele:

  • Enel kündigte eine Aufstockung seines Programms für erneuerbare Energien um 31 Milliarden US-Dollar an: Bis 2022 sollen 60 % seines Stroms aus erneuerbaren Energien erzeugt werden.
  • National Grid passte sein Ziel an, damit die von Grossbritannien bis 2050 angestrebte CO2-Neutralität erreicht werden kann.
  • Repsol kündigte an, bis 2050 die CO2-Neutralität erreichen zu wollen.

Ein wichtiger Bereich für Innovationen ist der Batteriemarkt, wo die Kosten für Lithium-Ionen-Akkus trotz eines Rückgangs der Kosten um das Zehnfache im letzten Jahrzehnt weiterhin der wichtigste Grund dafür sind, dass Elektrofahrzeuge unwirtschaftlich bleiben. Innovatoren wollen diese Probleme durch Änderungen auf Zellebene lösen und erhalten dafür Kapital von Automobilunternehmen. Sila Nanotechnologies, das Lithium-Ionen-Akkus mit Silikonanoden entwickelt, sammelte zum Beispiel in einer Serie-E-Finanzierungsrunde 215 Millionen US-Dollar von einer Reihe von Unternehmen, darunter Daimler, Bessemer Venture Partners, nexy47 und andere.

Sektorfokus: Investitionstrends im Bereich Ressourcen und Umwelt

Im letzten Jahr beschafften Innovatoren im Bereich Ressourcen und Umwelt weltweit über 2 Milliarden US-Dollar in 246 Abschlüssen. Zu den Themen Kohlenstoffabscheidung, Recycling und Abfall sowie Bau erhielten Innovatoren wie Svante, Vinted und BrightMark Energy 2019 erhebliches Investitionskapital. In Antwort auf steigenden Druck seitens Kunden und Behörden erhöhen konsumentenorientierte Unternehmen ihre Bemühungen um nachhaltige Geschäftsinitiativen. Einige Beispiele:

  • Ende 2019 starteten Coca-Cola und Diesel gemeinsam eine Modekollektion aus recycelten Materialien. Darüber hinaus startete Coca-Cola zusammen mit PepsiCo und Keurig Dr Pepper die «Every Bottle Back»-Initiative, um die Verwendung neuer Kunststoffe zu verringern und das Recycling zu erhöhen. 
  • Die Supermarktkette Co-op verpflichtete sich, bis Sommer 2020 für Produkte ihrer Eigenmarke zu 100 % recycelbare Verpackung zu verwenden, und hat Pläne für ein Rücknahmesystem für nicht recycelbare Kunststoffe in ihren Geschäften.

Ein wichtiger Bereich für Innovationen ist der Bau. Der Bau und Gebäude machen weiterhin etwa 38 % der weltweiten Emissionen aus und erzeugen ~25 bis 30 % des gesamten Abfalls in Europa. 2019 wurde zum ersten Mal in grösserem Umfang Risikokapital in Software für die Baustellenverwaltung und andere Bautechnologien investiert. In den USA schnellten die Investitionen in Start-ups um über 300 % in die Höhe, darunter auch einige grosse Investitionssummen, zum Beispiel bei Katerra, das 2019 in einer Finanzierungsrunde unter Führung der Softbank 856 Millionen US-Dollar einsammelte. Innovative Start-ups wie Procore und Congruex sammelten 112 Millionen US-Dollar respektive 75 Millionen US-Dollar. Darüber hinaus sind auf dem Bausektor basierende Venture-Fonds wie MetaProp oder Brick & Motor Ventures aufgetaucht.

Länderfokus: Investitionstrends in der Schweiz

Cleantech Group fand heraus, dass Cleantech-Investitionen in Unternehmen mit Sitz in der Schweiz dem globalen Trend folgend steigen. Letztes Jahr wurden insgesamt 371 Millionen US-Dollar in über 39 Abschlüssen in Innovatoren investiert. Das entspricht dem allgemeinen Risikokapitaltrend des Landes. Letztes Jahr konnten Schweizer Start-ups knapp 2,4 Milliarden US-Dollar von Investoren anziehen. Das ist fast doppelt so viel wie die 2018 eingesammelten 1,23 Milliarden US-Dollar. In Abbildung 2 sind die Risikokapitalinvestitionen in der Schweiz der letzten sechs Jahre laut Cleantech Group abgebildet.

Die Dekarbonisierung ist ein Grundpfeiler der Risikokapitalinvestitionen in der Schweiz. Der Energie- und Stromsektor bleibt somit ein Schwerpunkt der Investitionen in dem Land mit einem Anteil von 54 % an allen Investitionen.

 Einige interessante Abschlüsse des letzten Jahres:

  • Der grösste Abschluss in der Schweiz in den letzten 18 Monaten war die Serie-B-Investition in Höhe von 110 Millionen US-Dollar in EnergyVault, einem Entwickler eines Energiespeicherungssystems mit gestapelten Betonblöcken. Nachdem das Unternehmen 2019 in Norditalien seinen ersten 35-MWh-Speicherturm vorstellte, erhielt es Kapital von Softbank und CEMEX Ventures.
  • Wayray, ein Entwickler von AR-Technologie für Kraftfahrzeuge, sammelte in einer Kapitalerhöhungsrunde 80 Millionen US-Dollar von Porsche, Hyundai und anderen.
  • Climeworks, das eine kommerziell nutzbare Technologie zur Entfernung von Kohlendioxid aus der Atmosphäre entwickelt, erhielt 30 Millionen US-Dollar von der Zürcher Kantonalbank. Das Unternehmen vereinbarte ausserdem vor Kurzem mit Svante, einem Innovator im Bereich Kohlenstoffnutzung, eine Zusammenarbeit bei der Entwicklung von Technologien zur Kohlenstoffabscheidung.

Die hohe Aktivität in der Schweiz zeigt, dass das Land nach wie vor ein guter Ort für Start-ups ist. Die unternehmerische Aktivität liegt hier bei 8,0 % gegenüber 6,7 % im EU-Durchschnitt. Obwohl Start-ups der Cleantech-Branche 2019 nur 4,9 % aller Abschlüsse ausmachten, haben es Unternehmen aus der Schweiz geschafft, global wahrgenommen zu werden. Dazu gehören Energy Solutions, Chargedot und Cassentex, die alle im letzten Jahr übernommen wurden.

Über Cleantech Group

Die Tätigkeiten von Cleantech Group umfassen Forschung, Beratung und Veranstaltungen zu nachhaltigem Wachstum durch Innovation. In vielen Branchen ist der Wandel hin zu einer digitalisierten, dekarbonisierten und ressourcenschonenden Zukunft in vollem Gange. Vor diesem Hintergrund legt Cleantech Group den Schwerpunkt auf die Trends, Unternehmen und Menschen, die die Zukunft formen werden, und auf eine massgeschneiderte Beratung und Unterstützung von Unternehmen, damit diese externe Innovationen nutzen können.

Cleantech Group ermittelt in jeder Phase, von der ersten Strategie bis zum endgültigen Abschluss, Akteure des unternehmerischen Wandels, Investoren, Regierungsbehörden und Interessenvertreter im gesamten Ökosystem.

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