Expertise

Korruption im Auslandgeschäft – was Schweizer Firmen dagegen unternehmen können und müssen

Interview mit Alfonso Orlando, Director ExportHelp, Switzerland Global Enterprise

Korruption ist eines der Themen, über die niemand sprechen will und doch alle interessieren. Wir haben Alfonso Orlando, Director ExportHelp, dazu einige Fragen gestellt. Gleichzeitig möchten wir Sie einladen, an einer wichtigen anonymen Befragung der Fachhochschule Graubünden teilzunehmen über folgenden Link. Diese hat es sich zum Ziel gesetzt, Strategien und Massnahmen zu entwickeln, mit denen auslandaktive Unternehmen diese Hemmnisse erfolgreich überwinden können. 

Alfonso Orlando

Wie häufig sind bürokratische Hürden und Korruption Thema in den Anfragen, die Sie erhalten? Wie tabuisiert ist das Thema unter Unternehmen, resp. in der Kommunikation von Schweizer Firmen mit S-GE?

In der Beratung werden wir regelmässig zu solchen Themen angesprochen. Es ist wichtig, aktiv der Korruption entgegenzuwirken. Es gibt Muster, die uns bekannt sind und uns immer wieder aus der Praxis berichtet werden. In unseren Beratungsgesprächen sensibilisieren wir Schweizer KMUs. Sind Zweifel vorhanden, sind wir dank unserem weltweiten Netzwerk in der Lage, die Fälle unter die Lupe zu nehmen.

Welche Schwierigkeiten bzgl. Bürokratie und Korruption treten beim Umgang mit den staatlichen Stellen (besonders in Schwellenländern) auf?

In Schwellenländen kann generell die Zollabfertigung (custom clearance) ein Bereich sein, der korruptionsanfällig ist. Die Produkte werden oft nicht speditiv abgefertigt und es kann vorkommen, dass Produkte, die temperatursensibel sind (Kühlkette), nicht konform gelagert oder behandelt werden. Eine Verbesserung wird gegen eine inoffizielle Zahlung in Aussicht gestellt. Uns sind Fälle bekannt, wo eine Zollabfertigung nur gegen «Aufpreis» speditiver vorgenommen wird. Dies ist für Firmen mit vertraglich definierten Lieferterminen ein echtes Dilemma. Oder Schweizer Firmen werden angehalten, eine andere Zolltarifnummer zu verwenden, obwohl diese ja global harmonisiert ist. Nicht erstaunlich, zieht die von den Behörden vorgeschlagene Zolltarifnummer eine höhere Abgabe mit sich und die Differenz landet in den Taschen von korrupten Beamten.

Bürokratische Hürden bestehen auch im regulatorischen Bereich. Hier fehlt oftmals die Transparenz oder die regulatorischen Anforderungen sind nicht präzise genug und lassen Spielraum für Interpretation. Dies führt zu Diskussionen, Verzögerungen, Ablehnung, Mehrkosten, usw.

Speziell in Schwellenländern werden, regulatorisch gesprochen, gerne die «Torpfosten» verschoben: Regeln werden willkürlich oder unangemeldet angepasst. Dies oft ohne Rücksicht auf Lieferungen in Transit.        

Wie gehen international aktive Unternehmen mit Korruptionsforderungen durch im Zielland verankerte Personen/Organisationen um?

Viele KMUs sind sich solcher «Gefahren» bewusst und haben einen Verhaltenskodex gegen Korruption «eingeführt». Dieser soll und wird in der Regel auch gegenüber dem Geschäftspartner im Zielland als vertraglicher Bestandteil verwendet. Bereits bei geringstem Verdacht empfehlen wir, dringendst eine Schweizer Vertretung vor Ort oder uns direkt anzusprechen. Wir haben das notwendige Netzwerk und die Erfahrungen dazu.

Welche Massnahmen nutzen Schweizer Unternehmen, damit sie nicht Opfer von Korruption werden?

Einerseits können gute lokale Geschäftspartner einen wichtigen Teil dazu beitragen, dass Korruption gar nicht zum Thema wird.

Anderseits sind intern präventive Massnahmen, wie der oben erwähnte Verhaltenskodex, empfehlenswert. Zentrale Aussagen eines Verhaltenskodex sollen möglichst folgende Punkte beinhalten (nicht abschliessend):

  • Meldestelle innerhalb des Unternehmens, bei der Korruption oder schon nur der Verdacht gemeldet werden können
  • Sanktionen bei Missachtung
  • Sicherstellen, dass Mitarbeiter den Verhaltenskodex kennen und darauf geschult sind
  • Überwachung der Umsetzung des Kodex
  • Definition allenfalls erlaubter «Vorteilsgewährungen»

Ich empfehle ausserdem die Lektüre der Empfehlungen des SECO betreffend Korruption: Informationen für Unternehmen (admin.ch). Grundsätzlich gilt, dass, wenn ein Unternehmen bewusst mit dem Thema umgeht, schon sehr viel gewonnen ist, was die interne Vorbeugung und Bekämpfung von Korruption angeht.

Bürokratische Hürden im Auslandgeschäft – Ihre Erfahrungen sind wichtig!

Die Fachhochschule Graubünden, mit Unterstützung von Switzerland Global Entreprise, führt eine Forschungsarbeit unter auslandsaktiven Unternehmen durch. Das Ziel der Studie ist, Strategien und Massnahmen zu entwickeln, mit denen auslandaktive Unternehmen diese Hemmnisse erfolgreich überwinden können. Im Rahmen dieser Studie befragt das LINK Institut die Geschäftsleitung bzw. die Verantwortlichen für das Auslandgeschäft von Unternehmen per Telefon, um so die Erfahrungen mit Herausforderungen und Hürden im Ausland zu sammeln.

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