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Bestmile: Ein Unternehmen startet mit einem neuen Mobilitätssystem durch

Das Westschweizer Unternehmen Bestmile hat ein einzigartiges On-Demand-Mobilitätssystem entwickelt. In diesem Interview zeigt Mitbegünderin Anne Mellano, wie das junge Unternehmen auf Kundenbedürfnisse reagiert und wie es in Europa, den USA und dem Nahen Osten erfolgreich wächst.   

Anne Mellano, Mitbegründerin von Bestmile
Anne Mellano, Mitbegründerin von Bestmile

Anne Mellano, helfen Sie uns, besser zu verstehen, was Bestmile macht, was genau ist Ihr Kerngeschäft?

Wir bieten eine Orchestrierungsplattform für On-Demand-Mobilität. Das Ziel ist, Transportdienstleistungen zu optimieren, um bei Vermittlung, Disposition, Tourenplanung und auch Pooling die besten Lösungen zu ermöglichen. In anderen Worten: Wir stellen sicher, dass wir zur richtigen Zeit das richtige Fahrzeug an den richtigen Ort schicken.

Also eine Art optimiertes Flottenmanagement?

Es ist definitiv mehr als Flottenmanagement, es ist eine umfassende Plattform. Das Flottenmanagement konzentriert sich in der Regel auf die Wartung und den Zustand der Fahrzeuge. Flottenorchestrierung konzentriert sich auf die Optimierung der Mobilitätsdienstleistung. Sie können unsere Arbeit mit dem Tower auf einem Flughafen vergleichen. Es geht darum, jedes Fahrzeug in Echtzeit anzuweisen, um die beste Servicequalität für den Endnutzer zu ermöglichen. Gleichzeitig wollen wir dem Betreiber den effizientesten Service liefern, denn dem Betreiber gehören die Fahrzeuge und er wünscht sich auf diese hochwertigen Investitionsgüter eine hohe Kapitalrendite. Am Ende steht also das Ziel, die Nutzung dieser Investitionsgüter zu optimieren. Deshalb nennen wir es eine Plattform für Flottenorchestrierung. Hier sind Algorithmen bei der Arbeit. Im Grunde handelt es sich um eine automatische Disposition, das System macht alles selbständig. Wir bieten alle Schnittstellen, die der Betreiber benötigt, um seine Flotte in Echtzeit zu überwachen und zu verwalten.

Wie sieht ein typischer Kunde von Ihnen aus?

Wir sind ein B2B-Unternehmen und arbeiten mit verschiedenen Arten von Kunden. Wir nennen sie Mobilitätsanbieter. Wir haben hauptsächlich drei Kategorien: öffentliche Verkehrsbetriebe, Taxiunternehmen und Betreiber von Transportnetzwerken (Transportation Network Companies, TNC). Wir konzentrieren uns nicht auf deren aktuelles Geschäftsmodell, sondern darauf, was sie benötigen werden, um zu überleben, wenn autonome Fahrzeuge auf den Markt kommen. Wir sehen auch Erstausrüster (Original Equipment Manufacturers, OEM) als potenzielle Kunden. Gegenwärtig nutzen OEM in der Übergangsphase von Fahrzeugherstellern zu Mobilitätsanbietern verschiedene neue Mobilitätsdienstleistungen. Aber am Ende des Tages geht es immer darum, verschiedene Arten von On-Demand-Diensten einzusetzen.

Können Sie uns ein Beispiel nennen?

Vergleichen Sie es mit «Ride Hailing». Auf gewisse Weise ist es mit «Uber» vergleichbar. Aber Uber ist ein Marktplatz und funktioniert Peer-to-Peer. Unser Ziel ist es, fixe Investitionsgüter zu haben, und uns auf die Optimierung der Nutzung dieser Investitionsgüter zu konzentrieren.

Es geht darum, jedes Fahrzeug in Echtzeit anzuweisen, um die beste Servicequalität für den Endnutzer zu ermöglichen.

Bestmile wurde vor fünf Jahren gegründet. Wie hat sich das Unternehmen bisher entwickelt?

Während der ersten beiden Jahre waren wir selbstfinanziert und das Unternehmen lief dank der ersten Pilotkunden. Wir waren so etwas wie ein Projektunternehmen. 2016 beschlossen wir, Geld aufzunehmen, denn wir sahen eine Chance und einen starken Markt für unsere Ideen. Unsere Seed-Runde brachte uns 3,5 Millionen Schweizer Franken ein. Das war der Ausgangspunkt für einen Schneeballeffekt. Wir nahmen 2017 eine Serie A auf, was uns ermöglichte, auf 60 Mitarbeitende zu wachsen. Und dieses Jahr nahmen wir eine Serie B mit 16,5 Millionen Schweizer Franken auf. Wir arbeiten in einer Branche mit sehr grossen Marktteilnehmern, insbesondere mit den OEM und den Technologiepartnern. Wir müssen uns vergrössern, um zu zeigen, dass wir ein ernstzunehmender und verlässlicher Partner sind. Es ist ein wenig wie ein laufender Zyklus, wir müssen grösser und grösser werden, um mit grösseren Unternehmen arbeiten und Geschäfte machen zu können.

Bestmile ist natürlich ein internationales Unternehmen. In welchen Ländern sind Sie tätig?

In Europa haben wir Kunden in der Schweiz, Frankreich und Deutschland. Aktuell initiieren wir neue Projekte in Grossbritannien. In den USA laufen verschiedene Projekte wie das neue «Ride Hailing»-System Alto in Texas und der autonome Shuttle-Service Beep in Florida. Im Rest der Welt laufen verschiedene nicht-kommerzielle Pilotprojekte. Unser Ziel ist es, weiter zu wachsen.

Könnten Sie den Prozess Ihrer Internationalisierung und die damit verbundenen Herausforderungen, die Sie zu bewältigen hatten, beschreiben?

Es ist von Land zu Land unterschiedlich. In den Vereinigten Staaten ist es beispielsweise recht einfach, denn man kann leicht Kontakte knüpfen. Und es ist kein Problem, Teammitglieder zu finden und auf beiden Seiten des Atlantiks zu wachsen. In Asien ist es viel schwieriger, denn es gibt viele Länder mit sehr spezifischen Regeln. Wenn man nicht mit einem lokalen Unternehmen zusammenarbeitet, wird man kaum Fuss fassen können. Man muss also zuerst im Land viel Lobbying betreiben und politisch aktiv sein, um mit den grossen lokalen Marktteilnehmern zusammenarbeiten zu können. Die eigentliche Schwierigkeit ist, dass man ein lokales Team vor Ort benötigt, selbst wenn man ein Projekt hat und das Vertriebsteam bereit ist. Es geht also nicht nur darum, den Vertrieb auf der ganzen Welt aufzubauen, es geht auch um Kunden-Support, Sprache und Kultur. Bevor man in einem asiatischen Land ein Projekt starten kann, müssen alle notwendigen Ressourcen bereitstehen, damit man sich in diesem Land etablieren kann. In der EU gibt es auf der anderen Seite keine Binnengrenzen. Das bedeutet, dass wir mit den gleichen Teams in Frankreich und in Deutschland arbeiten können. Das Verfahren bleibt das gleiche.

Heisst das, dass es in Europa keine grossen kulturellen Unterschiede gibt?

Die gibt es natürlich, aber keine, die das Geschäft behindern würden. In Europa sind wir sehr an den Multikulturalismus gewöhnt.

Man muss die Arten von Kunden, die man will, und die Arten von Erfolgsgeschichten, die man erzählen will, um neue Kunden zu gewinnen, sehr genau definieren.

Wie schwierig ist es für Sie, sich in einem reifen Markt zu etablieren?

Streng genommen gibt es für autonome Fahrzeuge keine reifen Märkte. Tatsächlich steckt alles noch in den Kinderschuhen. Bei Systemen mit menschlichen Fahrern ist es ein wenig anders. Da kann man von reifen Märkten sprechen. In diesen Märkten hat man mehr Möglichkeiten, mehr Optionen, es gibt aber auch mehr Wettbewerb. Es geht wie immer um ein Gleichgewicht. Es ist wie ein Spiel, und so lange man einige wirklich einzigartige Wertversprechen hat und man weiss, was die Kunden suchen, ist man dabei.

Sie haben nicht viele Mitbewerber?

Im Bereich der autonomen Fahrzeuge nicht. Bei menschlichen Fahrern haben wir mit «Ride Hailing» definitiv Mitbewerber. Man muss die Arten von Kunden, die man will und die Arten von Erfolgsgeschichten, die man erzählen will, um neue Kunden zu gewinnen, sehr genau definieren. Es ist sehr wichtig, nicht zu glauben, man könne alles. Dann verliert man sich.

Was planen Sie für die Zukunft?

Unser Ziel ist es, die erste Wahl bei Plattformen für Mobilitätsdienstleister zu sein, die effiziente Dienstleistungen erbringen möchten – Dienstleistungen, die einerseits die Leistung der Flotte maximieren und andererseits die Kunden begeistern. Das bedeutet, dass sie unsere Plattform nutzen können, um geteilte On-Demand-Dienstleistungen praktischer zu machen als zu fahren und dabei die Ziele unter dem Strich zu erreichen.

Über Anne Mellano, Gründerin

Anne Mellano überwacht die Geschäftsinfrastruktur und die Marketing-Aktivitäten von Bestmile. Sie ist Ingenieurin und hat sich auf die Entwicklung von innovativen Transportsystemen spezialisiert. Bevor sie Bestmile gründete, war Anne Mellano Projektmanagerin für zwei der ersten Projekte für autonome Mobilität in Europa, die zur Entwicklung der Plattform für Flottenorchestrierung von Bestmile führten. Anne überwacht die Rolle von Bestmile in Regierungsprojekten, unter anderem im Projekt AVENUE, das autonome Dienstleistungen in mehreren europäischen Städten einführen soll.

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