Exportwissen

Amazon Marketplace: Auf einen Schlag an Kunden in der ganzen Welt verkaufen

E-commerce macht die Welt scheinbar grenzenlos: Mit Onlinehandel auf internationalen Marktplätzen wie Amazon können auch kleinere Unternehmen auf einen Schlag in alle Welt verkaufen. Zahlreiche Ratgeber, Experten und Videos warten auf mit Tipps und Tricks für schnellem Umsatz auf den globalen Marktplätzen. Für Schweizer Exporteure stellt sich die Frage: Ist es wirklich so einfach? Was müssen Sie wissen? In diesem Beitrag gehen wir auf die häufigsten Fragen ein.

E-Commerce

In welche Länder können Schweizer Exporteure über Amazon verkaufen?

Amazon betreibt weltweit 11 Online-Marketplace-Sites. Diese sind in drei Regionen aufgeteilt, welche jeweils drei bis fünf Länder umfassen. Verkäufer entscheiden sich entweder für eine bestimmte Region oder einzelne Länder daraus. Die Limitierung auf ein Land kann Folgen haben für das Ranking des Produktes auf Amazon.

Amazon Europa

  • Amazon.co.uk (Großbritannien)
  • Amazon.de (Deutschland)
  • Amazon.fr (Frankreich)
  • Amazon.it (Italien)
  • Amazon.es (Spanien)

Amazon Nordamerika

  • Amazon.com (USA)
  • Amazon.ca (Kanada)
  • Amazon.com.mx (Mexiko)

Amazon Asien

  • Amazon.jp (Japan)
  • Amazon.cn (China – nur für Verkäufer, die im Land ansässig sind)
  • Amazon.in (Indien– nur für Verkäufer, die im Land ansässig sind)

Tipp:

Beim Verkauf in mehrere europäische Länder über den Amazon Marktplatz ist zu beachten, dass Amazon im EU-Raum zusätzliche Logistikzentren in Polen und Tschechien führt. Im Fall von «Fulfillment by Amazon» (FBA) steuert Amazon den Lagerort der Waren ohne Zutun des Anbieters. Dadurch kann durch den Wert der dort lagernden Ware für den Anbieter ebenfalls eine Steuerpflicht entstehen, selbst wenn in diesen Ländern nichts verkauft wird.

Wie können Schweizer Exporteure auf Amazon Business verkaufen?

Amazon Business ist ein neuer Marktplatz für gewerbliche Kunden auf Amazon.de. Das Amazon Business Verkäuferprogramm ist ein kostenloses Zusatzprogramm für professionelle Händler, die "Verkaufen bei Amazon" verwenden. Zusätzlich zum Verkaufen an Konsumenten gibt es Händlern die Möglichkeit, Ihr Angebot an die besonderen Anforderungen von gewerblichen Kunden anzupassen und zusätzliche Funktionen zu nutzen, die für Business-to-Business-Transaktionen optimiert sind.

Checkliste Länderauswahl

Die Länderauswahl will sorgfältig geplant sein. Folgende Fragen sollten sich Exporteure bzw. der Online-Händler in jedem Fall stellen:

  • Ist das Produkt geeignet für die einzelnen Zielmärkte der gewählten Region?
  • Kennen Sie die Gesetze und Produktnormen des gewählten Zielmarktes?
  • Haben Sie lokale Marktrecherchen durchgeführt, so dass das Produkt den lokalen Präferenzen der Käufer entspricht?
  • Muss das Produkt abgeändert, oder Marketing, Ausführungen und Verpackungen den lokalen Gepflogenheiten angepasst werden?
  • Können Sie sich ausreichend mit Käufern in der jeweiligen Landessprache unterhalten und korrespondieren, oder sind genügende Englisch-Kenntnisse vorhanden?
  • Wissen Sie, ob und wie das Unternehmen im Land zu registrieren ist (Importeur, Steuerpflicht)?
  • Kennen Sie die länderspezifischen Gesetzte in Bezug auf Produktesicherheit, Gewährleistung, Rückgaberecht, etc.?

Welche Gesetze, Pflichte und Normen müssen Schweizer Exporteure berücksichtigen?

In jedem Land gelten beim Verkauf von Produkten an Konsumenten (B2C) andere gesetzliche und branchenspezifische Anforderungen. Informieren Sie sich deshalb gründlich über Ihre Verantwortlichkeiten. Folgende Bereiche sind u. a. dabei zu berücksichtigen:

  • Steuern und Zölle
  • Geistige Eigentumsrechte (Bsp. Einschränkung für Parallelimporte)
  • Exportkontrollen
  • Umwelt, Gesundheit und Sicherheit
  • Produktkonformität
  • Kennzeichnungen und Etiketten
  • Verpackungsvorschriften

Gelten für Schweizer Verkäufer die gleichen Regeln zum Verkauf über Amazon wie für Anbieter aus anderen Ländern?

Grundsätzlich schon, jedoch kommen durch die aussereuropäische Herkunft des Anbieters und seiner Waren zusätzliche Anforderungen auf Schweizer Exporteure zu. Unter anderem verlangen einige europäische Länder eine Fiskalvertretung vor Ort (u.a. Italien, Frankreich, Spanien) und der Schwellenbetrag für Umsatzsteuerpflicht in den Ländern ist nicht anwendbar.

Ist es besser, mit einem kompletten Portfolio auf Amazon einzusteigen, oder beginnt man besser mit einem Produkt?

Für neu einsteigende Amazon-Verkäufer macht es Sinn, die Komplexität zu Beginn tief zu halten.

Amazon ist eine eigene Welt, deren Funktionsweisen erlernt werden wollen. Am besten man beginnt mit einem Produkt und testet damit den Marktplatz Amazon und all seine Funktionalitäten: Wie wird das Produkt gelistet? Welche Produkt- und Datenanforderungen gibt es? Wie funktioniert der Logistik-Prozess? Wie funktioniert das Marketing? Wie lässt sich der Traffic steigern?

Macht es Sinn, die Logistik über Amazon oder selbst zu organisieren?

Wenn Sie Ihre Produkte auf Amazon listen, können Sie die Logistik selbst organisieren («Fulfillment by Merchant» oder Amazon übertragen («Fulfillment by Amazon»), wobei Amazon gegen entsprechende Verrechnung die Lagerung, den Versand und den Kundenservice übernimmt. Damit wird auch die von Amazon und Kunden präferierte Versandoption «Prime» ermöglicht.  Fulfillment by Amazon, kurz FBA genannt, kann sich insbesondere für den Anfang lohnen, da die Logistik für Einzelpakete aus der Schweiz heraus für EU-Länder tendenziell aufwändiger ist als für Anbieter, die im EU-Raum ansässig sind. FBA hat ausserdem den Vorteil, dass Amazon als Versender gilt und Produkte in Amazon-Verpackung geliefert werden, was ein vertrauensbildender Faktor für Neukunden ist. Nutzt man FBA als Online-Verkäufer sollte einem aber auch bewusst sein, dass Amazon hohe Standards setzt für Lieferanten. Anbieter haben eng definierte Vorgaben zu erfüllen, zum Beispiel in Bezug auf Anlieferung, Etikettierung, Kennzeichnung von Ware an die Amazon Logistikcenters. Die Servicekosten für FBA sind gesamthaft nicht zu unterschätzen.

Lohnt es sich, alle Aufgaben für erfolgreichen Verkauf auf Amazon allein zu bewerkstelligen?

Der Aufbau eines erfolgreichen Exportgeschäftes erfordert Wissen und Kompetenzen für unterschiedliche Aufgaben und Fragestellungen, deren zeitgleiche Bewältigung für Unternehmer herausfordernd sein können. Für Exportfragen lohnt sich der Beizug von Experten für exporttechnische, logistische, rechtliche, regulatorische und steuerliche Fragen.

Bleibt die eigene Webseite wichtig, wenn der Verkauf vor allem über internationale Marktplätze erfolgt?

Selbst wenn der Verkauf im Ausland hauptsächlich über digitale Marktplätze erfolgt, so bleibt die Pflege der Marke und ihrer Inhalte auf der eigenen Webseite wichtig. Diese kann als Conversiontreiber für Verkäufe auf Amazon dienen, wenn Interessenten über Suchmaschinen und Social Media auf der Webseite landen und für den Kaufakt zur Amazon-Produktseite weitergeleitet werden können. Sobald mit der Webseite internationale Kunden mitangesprochen werden, so ist die Sicherung der Konformität mit den rechtlichen Anforderungen im entsprechenden Land wichtig. Somit wird es beispielsweise für Schweizer Verkäufer auf deutschen Marktplätzen erforderlich, die deutschen Gesetze in Bezug auf Daten- und Verbraucherschutz genauso zu befolgen wie ein deutscher Anbieter, um keine kostspielige Abmahnung zu kassieren. Diese sind auf Grund internationaler Rechtsabkommen auch in der Schweiz durchsetzbar.

Verkaufen über Amazon: Möchten Sie mehr erfahren?

Der internationale Marktplatz bietet viele Chancen und Geschäftsmöglichkeiten für Schweizer Unternehmen. Für eine erfolgreiche Umsetzung lohnt sich die solide Vorbereitung und das Abklären von Risiken und Regulierungen. Bei Fragen im Bereich E-Commerce dürfen Sie sich gerne an unsere Beraterin, Alexandra Schiller, wenden.

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