Exportwissen

Experten-Rat für KMU: Konkrete Tipps fürs internationale Geschäft

Strategie, Finanzen, Risiko-Management und mehr: Welches sind die Erfolgsfaktoren, damit KMU international bestehen können? Am CEO-Roundtable diskutieren die Experten der strategischen Partner von Switzerland Global Enterprise (S-GE) zusammen mit CEO Simone Wyss Fedele.

CEO-Breakfast
V.l.n.r.: Andreas Gerber (SWISS), Peter Gisler, Andreas Gerber (CS), Simone Wyss Fedele, Stefan Räbsamen, Manuel Meier, Dieter Gosteli

Ein Erfahrungsaustausch zwischen Experten, die alle dasselbe Ziel verfolgen: Schweizer KMU bei ihrem internationalen Geschäft zu unterstützen. Die Schweiz ist eine Erfindernation, die hiesigen KMU zeichnen sich durch ihre starken Innovationen und ihren Pioniergeist aus. Unternehmen, die ihr Wachstum auch international vorantreiben möchten, müssen agil auf globale Risiken und Chancen vorbereitet sein, um sich dem verändernden Umfeld anpassen zu können. Dafür benötigen sie eine ausgeklügelte und nachhaltige Internationalisierungsstrategie.

Weltwirtschaftslage 2020: die Spreu trennt sich vom Weizen

Der Ausblick für 2020 ist grundsätzlich positiv, darüber sind sich unsere Experten einig. Dennoch handelt es sich einerseits um ein aktuelles Stimmungsbild und andererseits gibt es politische Risiken zu beachten, die schwer abzuschätzen sind und einen grossen Einfluss haben auf Länder mit relevanten Rollen in globalen Wertschöpfungsketten. Andreas Gerber, Leiter des KMU-Geschäfts bei der Credit Suisse, hält fest: «2020 trennt sich die Spreu vom Weizen; Firmen, die gut und breit positioniert sind, fällt es in Zukunft einfacher, ihre Kunden zu beliefern.»

Das sind die Top drei Challenges weltweit

Stefan Räbsamen, VRP von PwC Schweiz, verweist auf den globalen CEO-Survey von PwC und identifiziert daraus drei Hauptherausforderungen: «Aufgrund von Handelsstreitigkeiten treten zunehmende Überregulierungen in Kraft, mit denen Schweizer KMU oft überfordert sind. Hier lohnt sich eine frühzeitige Beratung. Damit verbunden folgt die Industriepolitik gewisser Länder und dann natürlich die Fragen aus der Cyberwelt, also IT-Sicherheit und Datenschutz.»

Ist der Protektionismus nur ein Schreckgespenst?

Die politischen Risiken blieben in den nächsten Jahren relativ hoch, so Peter Gisler, CEO von SERV, das Niveau von Protektionismusmassnahmen steige weiter an. Er fügt an, dass man dabei nicht nur von Protektionismus reden dürfe, sondern auch von Industriepolitik: «Wenn wir sehen, was andere Staaten tun, ist das nicht nur Protektionismus, sondern es sind Massnahmen, um den eigenen Export zu fördern. Da geraten wir in der Schweiz mit unserer doch sehr liberalen Einstellung ins Hintertreffen». Allerdings berge der Protektionismus ein weitaus höheres psychologisches als ökonomisches Risiko, wie Dieter Gosteli, Leiter Corporates bei der AXA, betont: «Unsere Welt ist je länger je mehr vernetzt, jede Massnahme hat die Gefahr in sich, auf die nationale Wirtschaft zurückzufedern. Das ist eine gute Gegenkraft zum Protektionismus.»

Regulierungen nutzen und global denken

Auch wenn in der Schweiz liberale Rahmenbedingungen herrschen, lässt beispielsweise der Klimawandel neue Regulierungen entstehen. Gerade die geplante Flugticketabgabe habe zum Beispiel auch für KMU Auswirkungen, gibt Andreas Gerber, Head New Business SME Switzerland bei der SWISS, zu verstehen: «Die Klimaabgabe ist auf nationaler Ebene wenig zielführend und schadet der eigenen Wirtschaft, u.a. weil Verkehrsströme ins Ausland verlagert werden und Wettbewerbsnachteile entstehen. SWISS ist aber offen für global orchestrierte Ansätze und arbeitet massgeblich an solchen mit. Synthetischer Treibstoff ist aus unserer Sicht die einzige Option, in Zukunft das Fliegen klimaneutral zu machen. Sollte es zu einer Flugticketabgabe kommen, müssten die Gelder also sinnvollerweise in die Förderung synthetischer Treibstoffe fliessen.» Auf die Flugpreise hat die Steuer keinen unmittelbaren Einfluss, diese sind durch Nachfrage und Konkurrenz bestimmt.

Das Geheimnis hinter dem Erfolg für international aktive KMU

Welche Faktoren sind es, die schlussendlich über Erfolg oder Misserfolg entscheiden? Unsere Experten verraten ihre persönlichen Tipps:

Peter Gisler: Leisten Sie sich einen Finanzchef

«Viele KMU, die in den Export gehen, klären die Risiken nicht sauber genug ab, oft fehlt die Grundlagenarbeit. Zudem braucht ein Export auch finanzielle Substanz, denn wenn es beispielsweise zu Verzögerungen kommt, geht es schnell an die Liquidität. Schweizer KMU sind technisch sehr gut unterwegs, auf der kommerziellen Seite hapert es leider immer wieder. Oftmals fehlt zum Beispiel ein Finanzchef. Leisten Sie sich den, es lohnt sich.»

Manuel Meier, Country Manager AXA XL Insurance Schweiz: Minimieren Sie Risiken, indem Sie mit Profis vor Ort zusammenarbeiten

«Neben exotisch anmutenden aber durchaus realen Risiken wie Entführungen in Lateinamerika gibt es auch wesentlich profanere Aspekte, die man mit Profis vor Ort abklären sollte: Je nach Land gehen beispielsweise Steuerbehörden aggressiv vor, wenn gewisse Verträge nicht korrekt abgebildet werden, und dann stehen sehr hohe Bussen an. Vor dem Hintergrund des aktuellen Tagesgeschehens darf man zudem nicht vergessen, sich mit den Risiken und Auswirkungen von Pandemien auseinanderzusetzen, aus menschlicher wie wirtschaftlicher Sicht.»

Andreas Gerber (CS): Professionalisierung der strategischen Ebene

«KMU in der Schweiz bestechen durch hohe Innovationskraft und Flexibilität. Aber woran es ihnen teilweise fehlt, sind die die richtigen Leute, die auf strategischer Ebene im Verwaltungsrat die Unternehmer tatkräftig und professionell unterstützen. Damit meine ich die erfahrenen Personen, die ein Leben lang in der entsprechenden Branche gearbeitet haben und weiterhin etwas bewegen möchten. Solche Gesprächspartner sind für Geschäftsführer sehr wertvoll, denn Exportprojekte sind komplex und die Risiken vielschichtig.»

Stefan Räbsamen: Die Expansionsstrategie ist Chefsache

«Es gibt Beispiele von grösseren KMU, bei denen der exekutive Verwaltungsratspräsident den Wohnsitz in den Zielmarkt verlegt, um so direkt sicherzustellen, dass die Strategie aufgeht. Das unterstreicht auch die Wichtigkeit des Unterfangens.

Zudem ist die Expansion ein Business Case und muss so behandelt werden. Ist dieser sauber ausgearbeitet, sollte man am Plan festhalten. Auch wenn es holprig wird. Wenn man die drei M – Market, Money, Management – sorgfältig eingeschätzt und bewertet hat, lohnt es sich, die Strategie zu befolgen.»

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