Exportwissen

Florierende Weinkultur in Russland: Chancen für den Export Schweizer Weine

Tipps und Empfehlungen für Ihr internationales Geschäft

Seit seiner Öffnung in den frühen 1990er Jahren hat der russische Weinmarkt eine einzigartige Entwicklung durchlaufen. Welches sind also die wichtigsten Trends auf dem russischen Weinmarkt von heute und besteht Raum für Schweizer Weine?

Weinreben

In den 1990er Jahren bestand das Angebot von Restaurants und Händlern vor allem aus sehr teuren Weinen aus Europa, nach dem einfachen Prinzip, dass was teuer ist, auch gut sein muss. Im Laufe der Zeit haben sich jedoch die Weinkultur und das Interesse am Produkt nach und nach entwickelt. Heute ist der Markt erheblich vielseitiger und ausgereifter. So ist es kein Zufall, dass Russland 2020 laut Wine Intelligence um 23 Plätze direkt in die Top Ten der attraktivsten Stillweinmärkte der Welt aufstieg.

Umfeld der Weinbranche

Der Jahreskonsum von Wein liegt in Russland bei 4 bis 5 Litern pro Kopf, was im Vergleich zu anderen europäischen Ländern recht moderat ist. Im Jahr 2020 wurden 88,8 Millionen Hektoliter Stillwein verkauft (3 % mehr als 2019). Die beliebtesten Regionen sind Italien, Frankreich und die Neue Welt. Ausserdem gibt es Beispiele für einen erfolgreichen Einstieg neuer Länder im russischen Markt (Österreich 2012, Brasilien vor Kurzem). 

Die Weinkultur florierte in den letzten Jahren, wie die Eröffnung zahlreicher Weinboutiquen, professioneller Weinakademien und unzähliger gastro-önologischer Workshops zeigt. 

Mit Blick auf den Umsatz macht der Verkauf über Einzelhandel und Weinboutiquen fast den gesamten Markt aus, lediglich 10 % entfallen auf das Gastgewerbe (Hotels, Restaurants und Cafés). 

Ein weiterer Trend ist die Rückkehr lokaler Weintraditionen, die von der Regierung finanziell gefördert werden, sowie ein wachsendes Interesse der Verbraucher an lokalen Erzeugern. Zugleich sind russische Qualitätsweine alles andere als preiswert und ein durchschnittlicher russischer Verbraucher wird bei vergleichbaren Preisen nach wie vor einen europäischen Wein bevorzugen. 
 
Das auf dem Markt erhältliche Weinsortiment ist inzwischen sehr reichhaltig geworden, doch die Verbraucher sind noch immer sehr neugierig auf neue Produkte. Derzeit scheint es in diesem Umfeld eindeutig auch Raum für Schweizer Weine zu geben. 

Anforderungen des Marktes 

Die Nachfrage im heutigen russischen Markt für Premiumweine (wo Schweizer Weine aufgrund ihrer Qualität und Preise eindeutig anzusiedeln sind) richtet sich primär auf autochthone und biologische Weine sowie Weine für die Gastronomie. Biologische Weine und Pét-Nats sind erfolgreiche neue Produktkategorien im russischen Markt. 

Vertreter der Alkoholindustrie zeigen eine beeindruckende Kenntnis der Methoden, Regionen und Rebsorten des Schweizer Weinanbaus und schätzen den einzigartigen Geschmack seiner Erzeugnisse. Petite Arvine, Fendant oder Humange sind keine unbekannten Namen für russische Kenner. 

Ein Endverbraucher hält in Boutiquen oder Restaurants nach Schweizer Weinen Ausschau, doch da derzeit nur ein oder zwei Schweizer Erzeuger auf dem Markt sind, ist das Angebot recht begrenzt.

  
Wie ist beim Einstieg in den russischen Weinmarkt vorzugehen?

Der Preis wäre natürlich ein zentraler Faktor für Schweizer Weine in Russland. Der Import von Produkten aus der Schweiz ist mit Kosten verbunden, für vorgeschriebene Zertifizierungen, Etikettierung in russischer Sprache, Transport sowie Margen von Vertriebs- oder Einzelhändlern. Ein lokaler Partner ist notwendig (ein Vertriebs- oder Einzelhändler würde die Interessen der Marke vor Ort vertreten und sich um sämtliche administrative Vorgänge kümmern). 

Hier ein kurzes Beispiel für die Preisbildung in Russland, ausgehend von einem EXW-Preis bis zum endgültigen Kaufpreis für einen Endverbraucher in einer Weinboutique oder einen Restaurant. 

  • Vertriebspreise
    10 CHF Ab-Werk-Preis (EXW) + 60 % Zollgebühren und Transportkoste + 100% Marge des Vertriebshändlers + 100% Marge der Weinboutique = 36 CHF Kaufpreis in einer Weinboutique
  • Direkte Zusammenarbeit mit einem Einzelhändler
    10 CHF EXW-Preis + 60% Zollgebühren und Transportkosten + 150% Marge des Einzelhändlers = 31 CHF Kaufpreis in einem Supermarkt
     
  • Hotels, Restaurants Cafés
    10 CHF EXW-Preis + 60% Zollgebühren und Transportkosten + 100% Marge des Vertriebshändlers + 100-200% Marge des Restaurants = 36-46 CHF Preis auf einer Weinkarte

Ein angemessenes Qualitäts-/Preis-Verhältnis ist ein entscheidendes Kriterium für den Eintritt in den Markt, um mit Erzeugern aus anderen Ländern konkurrieren zu können.  

Die nächsten Schritte für Ihren Exporterfolg

Alles in allem ist der russische Kennermarkt heute also bereit, Weinproduzenten aus der Schweiz zu entdecken. Bei den Endverbrauchern sollten Massnahmen zur Vermarktung und Bekanntmachung der Besonderheiten von Schweizer Weinen unternommen werden. Der einfachste Weg hierfür ist, zusammen mit einer Gruppe von Erzeugern vorzugehen.  

Ein gemeinsamer Ansatz, der mehrere Schweizer Weinanbaugebiete vertritt, wird gegenüber potenziellen russischen Partnern die grösste Wirkung erzielen, diese näher mit der Schweiz vertraut machen und ihnen verschiedene Optionen aufzeigen, so dass sie ausgehend von der Komplexität und Vielfalt der Schweizer Weinbranche ihre Entscheidung treffen können. 

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