Global Opportunities

Brasilien: Geschäftsmöglichkeiten für Schweizer KMU im Medtech-Sektor

Trends zur Vertikalisierung und Konsolidierung im brasilianischen Gesundheitswesen stützen das zweistellige Wachstum bei den Importen von Medizinprodukten

Die Einfuhren von Medizinprodukten stiegen von Januar bis Juni 2018 um 26 % an (gegenüber dem Vorjahreszeitraum). Das deutet auf eine Vielzahl von Möglichkeiten hin, die von Schweizer Medtech-Unternehmen genutzt werden können.

Frau untersucht Proben unter dem Mikroskop

Das brasilianische Gesundheitswesen in Zahlen

Der brasilianische Medtech-Markt weist erstaunliche Zahlen auf. Mit über 207 Millionen Einwohnern verfügt das Land laut Berichten von EMIS und BMI über mehr als 6’700 Krankenhäuser, 417’000 Ärzte, 219’000 Zahnärzte (10 % aller Zahnärzte der Welt), 438’000 Krankenhausbetten sowie über einen Medtech-Markt im Umfang von 4,86 Milliarden US-Dollar im Jahr 2017.

Um der Nachfrage nach Gesundheitsdienstleistungen im öffentlichen und privaten Sektor gerecht zu werden, importiert Brasilien rund 45 % der gesamten genutzten Materialien und Ausrüstung. 4 % davon kommen aus der Schweiz, die 2017 der fünftgrösste Lieferant war. Von allen importierten Medtech-Produkten ist die diagnostische Bildgebung der grösste Produktbereich und machte 2017 23 % des Gesamtvolumens aus, knapp gefolgt von anderen medizinischen Geräten und Verbrauchsmaterialien wie Hilfsmitteln oder orthopädischen oder prosthetischen Artikeln mit einem Anteil von je 10 bis 15 %.  Der Bereich Dentalprodukte mit einem Anteil an den Importen von 5 % stellte 2017 den Produktbereich mit der besten Performance dar und konnte zweistellige Zuwachsraten sowohl in US-Dollar als auch in Lokalwährung verzeichnen.

Auch für das erste Halbjahr 2018 sind die Zahlen für den Medtech-Sektor ermutigend: Der allgemeine Markt für Medizinprodukte wuchs zwischen Januar und Juni 2018 um 14,7 %, wobei die Importe um 26 % stiegen und sich laut ABIIS (Brazilian Alliance of Innovative Health Companies, dt. Brasilianische Allianz innovativer Gesundheitsunternehmen) auf 3,3 Milliarden US-Dollar belaufen. Die Tatsache, dass sich das Land gerade am Anfang einer Erholungsphase nach einer starken Rezession befindet und im Oktober 2018 entscheidende Wahlen stattfinden, macht diese Zahlen noch beeindruckender.

Die Trends zur Konsolidierung und Vertikalisierung der Branche zählen zu den Ursachen für die positiven Kennzahlen des Sektors. Wie wir in den folgenden Abschnitten darlegen werden, ergeben sich dadurch verschiedene Möglichkeiten für Schweizer Unternehmen, neue Geschäftsfelder zu erschliessen.

Vertikalisierung der Krankenversicherungen

Gemäss ABIIS erklärt sich ein Grossteil des Wachstums des Sektors durch die Vertikalisierung der Krankenversicherungen, die in ihre eigenen Krankenhäuser und Kliniken investieren, um Kosten zu reduzieren.  Eine Studie der National Agency for Supplementary Health (dt. Nationale Agentur für ergänzende Gesundheit, ANS) aus dem Jahr 2014 zeigt, dass rund 40 % der Krankenversicherungen in Brasilien bei der Versorgung ihrer Kunden bereits eigene Einheiten einsetzen.

Die Vertikalisierung hat sich in den vergangenen Jahren mit dem Rückgang der Privatversicherten und den steigenden Kosten im Gesundheitswesen zu einer der wichtigsten Strategien von Krankenversicherungen entwickelt, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Vertikalisierung bringt auch mehr Kontrolle über die Wettschöpfungskette und verringert die Abhängigkeit von Dritten. Einige Versicherungen importieren beispielsweise Medizinprodukte direkt von ausländischen Herstellern, ohne die Vermittlung durch einen Vertriebshändler. Das verringert die Importkosten und ermöglicht es dem Versicherer, Betrug zu vermeiden, der das System belasten würde. Für Schweizer Unternehmen, die in den brasilianischen Markt einsteigen möchten, eröffnen sich damit neue Möglichkeiten, direkt an die Krankenversicherungen zu verkaufen und in Bezug auf Preise wettbewerbsfähiger zu sein.

Anlagefonds und Konsolidierung bei Gesundheitsdienstleistungen

In den vergangenen zwei Jahren haben die Ressourcen der Gesundheitsdienstleister einen Grossteil der Expansion des Gesundheitssektors (neue Krankenhäuser, Kliniken und Labors) finanziert, während nur ein Drittel der Investitionen auf Bankkreditlinien entfielen. 2017 gab es im Sektor 40 M&A-Transaktionen, wobei bei 80 % ausländisches Kapital beteiligt war. Hier ist anzumerken, dass seit Inkrafttreten des Gesetzes 13097/2015 im Januar 2015 ausländisches Kapital in Unternehmen im Bereich Gesundheitsdienstleistungen in Brasilien investiert werden darf. Dazu zählen auch Mehrheitsbeteiligungen sowie direkte und indirekte Beteiligungen an Krankenhäusern und Kliniken. Diese Änderung der Gesetzgebung hat zum Erwerb von Beteiligungen an Krankenhäusern und Kliniken durch ausländische Anlagefonds geführt, was die Konsolidierung des Sektors durch den Aufkauf kleinerer Einheiten ermöglicht hat. Mit mehr Kapital und weniger Abhängigkeit von Kreditlinien haben diese Gruppen in neue Einheiten investiert oder bauen, wie unten angeführt, ihre bestehenden Strukturen aus.

Investitionen in Technologie durch führende Privatkliniken

Ein weiterer, für Schweizer Medtech-Exporteure interessanter Trend ist die Suche nach mehr Effizienz und der Einsatz neuer Technologien durch führende Privatkliniken im Land. Beispielsweise hat das Krankenhaus Oswaldo Cruz in São Paulo in den vergangenen sechs Jahren 550 Millionen brasilianische Real in neue Technologien investiert, unter anderem in ein Roboter-OP-Zentrum und in die Schaffung eines neuen klinischen Protokollsystems. Zwischen 2018 und 2022 möchte das Krankenhaus laut einer Sonderausgabe des Wirtschaftsmagazins Valor Econômico vom Juni 2018 weitere 185 Millionen brasilianische Real in Innovation und Forschung investieren.

Das Albert Einstein-Krankenhaus, ebenfalls in São Paulo, hat seit 2017 in ein modernes Patientenaktensystem auf Basis von Big Data investiert und plant weitere Investitionen im Umfang von 800 Millionen brasilianische Real in eine Erweiterung einschliesslich eines neuen, hochkomplexen Gebäudes mit OP-Zentren und einer Intensivstation.

Das Krankenhaus Sírio-Libanês investiert 170 Millionen brasilianische Real in die Errichtung eines neuen Krankenhauses mit 144 Betten und 6 OP-Räumen in Brasília, der Hauptstadt des Landes. In São Paulo wird die Gruppe 130 Millionen brasilianische Real in den Ausbau ihres Technologieparks und des Hauptbereichs des Krankenhauses investieren, um die Bildungs- und Forschungseinrichtungen erweitern zu können.

Das Krankenhaus Beneficência Portuguesa, Eigentümer eines Komplexes aus fünf Krankenhäusern in São Paulo, plant für 2018 den Baubeginn für ein neues Krankenhaus mit 200 Kliniken und einer Kapazität für 3’500 Ärzte, mit einem Investitionsvolumen von 200 Millionen brasilianische Real.

Schliesslich hat auch die Rede D’Or-Gruppe, bekannt für ihre M&A-Strategie, zwischen 2015 und 2017 500 Millionen brasilianische Real in Übernahmen investiert und wird 2018 weitere 2,5 Milliarden brasilianische Real in die Erweiterung ihres Netzwerkes investieren. Das prognostizierte Wachstum der Gruppe liegt dieses Jahr bei 20 %.

Die Erweiterung führender privater Krankenhäuser zeigt, dass sich für Schweizer Unternehmen, die diesen Markt erkunden möchten, viele Möglichkeiten bieten, da die Schweiz über eine einzigartige Medtech-Landschaft mit Fokus auf Innovation verfügt.

Beratung für Schweizer Medtech-Unternehmen

Schweizer Medtech-Unternehmen, die von den oben genannten Möglichkeiten profitieren möchten, können von 19. bis 23. November an der nächsten in der Schweiz stattfindenden Länderberatungswoche Brasilien teilnehmen. Zu diesem Anlass werden der Senior Consultant für Südamerika, Fabio Speciale, sowie Tatiana Campos, Deputy Head des Swiss Business Hub Brazil, aus erster Hand Schweizer Unternehmen beraten, die Interesse am brasilianischen Markt haben (Marktinformationen, regulatorische und steuerliche Aspekte, führende Messen etc.). Interessierte Unternehmen können sich hier für eine Länderberatung anmelden: Registrieren Sie sich jetzt!

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