Global Opportunities

Chancen für Schweizer Unternehmen im Kontext des Nationalen Gesundheitsdienstes (NHS)

Demographische Entwicklungen in Grossbritannien und globale Trends im Gesundheitswesen – eine alternde Bevölkerung sowie eine Zunahme der Fettleibigkeit und der chronischen Erkrankungen wie Diabetes etc. – stellen die Finanzierungsstruktur des Nationalen Gesundheitsdienstes (NHS) vor enorme Herausforderungen. Aus der Datenstrategie des NHS ergeben sich Geschäftsmöglichkeiten und F&E-Partnerschaften für Schweizer Unternehmen.

Healthcare

Der NHS ist nun zum einen gefordert, die Effizienz seiner Abläufe sowie der bestehenden Pfade der Gesundheitsversorgung zu verbessern, und zum anderen, seinen Schwerpunkt von Behandlung auf Prävention zu verlagern und es den Bürgern zu ermöglichen, ihre Gesundheit selbst in die Hand zu nehmen. Zudem gilt es, den Zugang zu modernster personalisierter Medizin zu erleichtern, während gleichzeitig die Kosten unter Kontrolle gehalten werden. In diesem Kontext werden Daten aus der realen Welt (Real World Data, RWD) als Basis des Gesundheitswesens und als Quelle von Innovationen immer wichtiger. Führende Kliniken haben dieses Thema bereits für sich entdeckt und ein renommierter Professor und Forschungsbeauftragter erklärt vertraulich:

«Unser Hauptgeschäft als Spezialklinik wird in Zukunft aus der Datenanalyse bestehen.»

Vor diesem Hintergrund ist es für Unternehmen, die gemeinsam mit dem NHS einen neuen Ansatz für die Gesundheitsversorgung einführen wollen, entscheidend, fundierte Beweise liefern zu können: zum Zusatznutzen für den Patienten im Vergleich zu den bestehenden Optionen sowie vor allem auch zu den zusätzlichen Kosten im Verhältnis zu den langfristigen Einsparungen, die durch die neue Technologie ermöglicht werden. Kann dies durch Daten aus der realen Welt belegt werden, erhöhen sich die Chancen einer Übernahme durch den NHS enorm. IQVIA gibt an: «Im Jahr 2017 erhielten nur 12 % der Erstanträge an das NICE, die reale Daten enthielten, eine negative Empfehlung, bei den Erstanträgen ohne reale Daten waren es hingegen 24 %.»

Als ein durch Steuergelder finanziertes Gesundheitswesen hat der Nationale Gesundheitsdienst (NHS) die Verantwortung, eine Vision für seine nachhaltige Zukunft zu entwickeln.

Die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit des britischen Life Sciences-Systems war schon immer ein vorrangiges politisches Ziel, das nun durch den bevorstehenden Austritt Grossbritanniens aus der EU neue Relevanz erlangt.

Die Life Sciences Sector Deals von 2017 und 2018, also die jüngsten Massnahmen- und Finanzierungspakete zur Förderung von F&E in diesem Sektor, massen realen Daten eine besondere Bedeutung bei.

Aus industriepolitischer Sicht sind Gesundheitsdaten für Grossbritannien von unschätzbarem Wert. Das allgemeine Gesundheitswesen bietet eine ganzheitliche und ethnisch äusserst diversifizierte Sicht der Bevölkerung. Die NHS-Nummer als einzigartiger Identifikator für jeden Patienten ermöglicht eine hohe Detailgenauigkeit. Das breit gefächerte Ökosystem aus Aufzeichnungen und Datenbanken mit historischen Daten umfasst Datenpools, die in Europa und darüber hinaus beispiellos sind. Die Life Sciences Sector Deals beinhalten eine Reihe von Massnahmen, um das Potenzial dieser Ressource auszuschöpfen.

Zunächst muss der Zugang zu Daten durch Stakeholder aus dem Sektor und der Wissenschaft erheblich erleichtert werden. Ziel ist es, «aus einem Datenarchiv einen Datenschatz zu machen». Health Data Research UK wurde 2018 eingerichtet, um Gesundheitsdaten aus ganz Grossbritannien zusammenzuführen und Organisationen dabei zu helfen, für ihre Zwecke relevante Datenpools zu identifizieren und auf diese zuzugreifen.

Darüber hinaus werden neue Datensätze geschaffen, die für die personalisierte Medizin notwendig sind, und auch diese werden in die neue Architektur integriert. Genomische Daten sind von entscheidender Bedeutung; Grossbritannien hat das Ziel formuliert, in den kommenden fünf Jahren eine Million Genome zu sequenzieren. Auch Wearables und Geräte zur Selbstüberwachung werden als wichtige Instrumente betrachtet, insbesondere um Daten in Bezug auf Verhaltensweisen, soziale Betreuung und Lebensqualität zu erheben. Das NHS hat grosses Interesse an Know-how in Bezug auf Möglichkeiten, wie diese neuen Datensätze mit den bestehenden Daten zusammengeführt und qualitativ mit den Patientenpfaden verbunden werden können.

Was sind die Daten der Zukunft? Wie sollte die Governance von Daten-Ökosystemen aussehen? Welchen Wert haben diese Daten? Wie können/sollen sie monetarisiert werden? Diese fundamentalen Fragen müssen beantwortet werden, um das Ziel des langfristigen Plans des NHS erreichen zu können: eine «Digital First»-Infrastruktur im Gesundheitswesen zu unterstützen.

Empfehlungen für Schweizer Unternehmen, die Interesse an geschäftlichen und F&E-Partnerschaften haben

Partnerschaften zwischen der Schweiz und Grossbritannien bieten sich aufgrund ihrer führenden Position als Innovationszentren im Bereich Life Sciences an, aber auch wegen der Ähnlichkeit der Geschäftskultur, dem Respekt für geistiges Eigentum, ähnlichen Ansichten in Bezug auf Datenschutzfragen und den öffentlichen Dienst. In beiden Ländern sind einige der weltweit führenden Life Science-Unternehmen beheimatet, ihre Universitäten und Forschungseinrichtungen gehören zu den besten der Welt und ihre Technologien können eine starke Infrastrukturebene aufbauen, die Kompatibilität, Zugang und Sicherheit von Datenarchitekturen ermöglicht.

Der SBH und die Botschaft der Schweiz in Grossbritannien haben sich das Ziel gesetzt, geschäftliche und F&E-Partnerschaften zu fördern. Daher wurde eine eingehende Marktanalyse und eine Kartierung der Fähigkeiten beider Länder durchgeführt, wobei die wichtigsten Anspruchsgruppen und Branchen Grossbritanniens einbezogen wurden. Die Empfehlungen an Schweizer Unternehmen können wie folgt zusammengefasst werden.

Praktische Überlegungen

1. Betrachten Sie das Gesamtbild:

Jedes Schweizer Unternehmen, das in den britischen Markt eintreten möchte, muss verstehen, wie sich sein Produkt bzw. seine Lösung in den breiteren Kontext von NHS und Branchenpolitik einfügt. Die Bezugnahme auf die wichtigsten Strategiepapiere wie den langfristigen Plan des NHS wird dabei helfen, die Diskussion auf die richtige Ebene zu bringen und wertvolle Beziehungen zu wichtigen Meinungsführern aufzubauen. Schlaganfälle, Diabetes, psychische Gesundheit und Krebs wurden klar als Prioritäten festgelegt; das Team eines Schweizer Unternehmens sollte auf allen Ebenen zeigen können, wie seine Lösung den Patientenpfad beeinflussen wird. Es muss klar beurteilt werden, wie die Technologie jeder einzelnen Anspruchsgruppe hilft, ihre strategischen Ziele zu erreichen.

Unternehmen sollten bedenken, dass es wesentlich sein wird, über den Einstiegspunkt hinaus auf das gesamte System skalieren zu können.

2. Bedenken Sie die Kosten im Vergleich zum Nutzen:

Verbesserte Wirksamkeit ist nicht genug. Eine Präsentation muss die Kosten den durch das Produkt ermöglichten Einsparungen gegenüberstellen und dabei die gesamte Wertschöpfungskette und eine längerfristige Perspektive berücksichtigen. Dies sollte, wenn möglich, mit realen Daten untermauert werden. Nach Ansicht des NICE (National Institute for Health and Care Excellence) sollten die Daten zum wirtschaftlichen Vorteil im Idealfall parallel mit den Wirksamkeitsdaten untersucht werden. Die Beschaffungsprozesse im NHS sind streng, die Präsentation muss also den Bewertungsrichtlinien entsprechen und den Wertbeitrag prägnant demonstrieren.

3. Nutzen Sie die unterstützenden Instrumente:

Es kann schwierig sein, bei den verschiedenen britischen Organisationen zur Innovationsförderung den Überblick zu behalten. Auf nationaler Ebene haben insbesondere NICE, HDRUK, AHSNs und die Digital Health Hubs (siehe Anhang) eigene Teams, die ein Engagement in der Branche unterstützen. Falls es das Ziel des Schweizer Unternehmens ist, eine Lösung als Pilotprojekt einzuführen, ist es meist effizienter, über Fachgremien und CCGs gezielt bestimmte Praxisakteure anzusprechen. Für eine kommerzielle Einführung müssen jedoch ganz unterschiedliche Anspruchsgruppen mit zum Teil sehr unterschiedlichen Motiven eingebunden werden. Schliesslich ist auch eine Partnerschaft mit bestehenden, etablierten Anbietern ein Weg zum Markt, der ernsthaft in Betracht gezogen werden sollte.

4. Tragen Sie zur Debatte bei:

Die Datenrevolution ist neu und dynamisch und wir stehen erst am Beginn des Weges. Neue Geschäftsmodelle werden auftauchen, neue Fertigkeiten werden benötigt, neue regulatorische Massnahmen werden eingeführt und neue Arbeitsfelder werden geschaffen (z.B. Daten-Robotiker). Schweizer Unternehmen müssen zu dieser laufenden Debatte beitragen und über ihre Position in diesem sich verändernden Ökosystem nachdenken. Eine proaktive Position und eine klare Aussage sind wesentlich, um sich zu profilieren. Insbesondere das Thema der Daten, die ursprünglich vom öffentlichen Dienst gesammelt wurden und jetzt von der Branche monetarisiert werden, ist sehr umstritten. Zudem herrscht auch eine gewisse Nervosität rund um die Ethik von Daten (der Gedanke von «KI in freier Wildbahn») und die langfristigen Risiken von schlechtem Datenmanagement. All das führt zu Voreingenommenheit in Bezug auf Automatisierung. KI sollte erklärbar sein und ihre Leistung sollte in der realen Welt und nicht nur in der Schulungs- und Testphase transparent evaluiert werden.

5. Lassen Sie sich beraten:

Der Swiss Business Hub UK + Ireland ist eine wichtige Anlaufstelle für KMU aus der Schweiz und Liechtenstein, die Exportmöglichkeiten auf dem britischen und irischen Markt suchen. Das Team bietet individuelle Beratung und Know-how für bestehende und angehende Exporteure. Die Leistungen umfassen die Suche nach Geschäftspartnern, Marktanalysen und Veranstaltungen. Ganz gleich, ob es sich bei einem Unternehmen um ein Start-up oder ein KMU handelt, ob das Unternehmen seine Produkte in Grossbritannien verkaufen oder F&E-Partnerschaften aufbauen möchte, der Swiss Business Hub kann über den gesamten Prozess hinweg Beratung und Betreuung bereitstellen.

Export nach Grossbritannien + Irland

Sollten Sie Fragen zu diesem Bericht oder in Bezug auf Exportmöglichkeiten haben, kontaktieren Sie bitte Nadja Kolb, Beraterin Grossbritannien und Irland.

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