Branchenreport

Polen: Potenzial erkannt

Nachbarland will autonome Drohnen für zivile Zwecke nutzen.

Über Polens städtischen Gebieten wird der Einsatz autonomer Drohnen für zivile Zwecke erprobt. Die Geräte transportieren Waren oder dienen der Kontrolle technischer Anlagen.

Drohne mit Paket

Medizinische Produkte mit Hilfe von Drohnen transportieren

Die Hauptstadt Warschau und die Region Slask (Oberschlesien) sind in Polen Vorreiter beim Transport medizinischer Produkte mit Hilfe von Drohnen in städtischen Ballungsgebieten. So sollen die Fluggeräte ihre Fracht rasch an ihr Ziel bringen, damit etwa Notfallpatienten umgehend behandelt werden können. Experten erwarten, dass Drohnen künftig für etliche kommerzielle Zwecke zum Einsatz kommen, um Transportwege von Gütern zu verkürzen.

Die erste autonom fliegende Drohne in Polen, Hermes, stammt vom polnischen Unternehmen Spartaqs. Sie kann vollautomatisch und ohne direkten Sichtkontakt operieren. Seit Anfang November fliegt sie regelmässig über Warschau, wie die Tageszeitung "Rzeczpospolita" berichtet. Mit einer maximalen Flughöhe von 150 m soll die Lieferdrohne Blut und anderes medizinisches Material von einem Blutspendezentrum im Stadtteil Saska Kepa zum 8 km entfernten Kardiologischen Institut im Bezirk Anin bringen. Bei Testflügen hatte sie sogar 16 km Strecke problemfrei bewältigt. Beteiligt an diesem Pilotprojekt sind neben dem Hersteller Spartaqs auch das Amt für Zivile Luftfahrt ULC und die für Flugsicherung zuständige Polnische Agentur für Luftfahrt PAZP.

Probeflüge mit Transportdrohnen finden auch über Städten in der Woiwodschaft Slask statt. Dort sowie in Warschau wollen die Initiatoren erreichen, dass Drohnenflüge über städtischen Ballungsräumen zur Routine werden und nicht nur sporadisch erfolgen. Im ersten Halbjahr 2020 treten diesbezüglich neue Vorschriften der Europäischen Union in Kraft. Die Zivilluftfahrtbehörde ULC arbeitet laut ihrem Vorsitzenden Piotr Samson bereits daran, die polnischen Regelungen entsprechend anzupassen. Die neuen Bestimmungen betreffen unter anderem die Konstruktion, Zertifizierung und Registrierung von Drohnen, um sie für den Flugbetrieb zuzulassen.

Drohnenflüge ausserhalb der Sichtweite hat Polen bereits zuvor als eines der ersten Länder geregelt. Branchenkenner sehen noch die Notwendigkeit, ein Kontrollsystem zu erarbeiten und einzuführen. Entsprechende Lösungen der Flugsicherungsagentur PAZP würden bereits getestet. Sie sollen ebenfalls 2020 eingesetzt werden. Es gilt dabei unter anderem die verschiedenen Luftfahrzeuge mit einer Flughöhe von bis zu 150 m in Einklang zu bringen, denn in dieser Höhe fliegen auch Rettungshubschrauber oder Heissluftballons.

Drohnen zu vielerlei Zwecken einsetzen

In Logistikzentren oder für den Onlinehandel könnten Paketdrohnen Waren an ihren Bestimmungsort bringen. Sowohl die Polnische Post, als auch ihr privater Konkurrent InPost erwägen laut Informationen der "Rzeczpospolita" den Einsatz von Drohnen. Amazon will deren Eignung zum Transport von Paketen in Slask testen. In dieser Woiwodschaft, in Rudziniec und bei Dabrowa Gornicza, befinden sich einschlägige Testgelände des Branchenverbunds Centralnoeuropejski Demonstrator Dronow.

Aber auch jenseits der Logistik lassen sich Drohnen sinnvoll einsetzen: Mit Kameras und Sensoren bestückte Beobachtungsdrohnen können dabei helfen, die Intensität der Luftverschmutzung zu messen oder Flussläufe zu überwachen. Auch die Inspektion technischer Infrastruktur wie Hochspannungsleitungen und Pipelines liesse sich vereinfachen. Landwirte können Drohnen einsetzen, um sich über den Zustand von Böden und Pflanzen auf ihren Feldern zu informieren, Bauentwickler können den Baufortschritt aus der Luft verfolgen.

Die Stadt Torun testet den Einsatz von Beobachtungsdrohnen zur Überwachung von Müllhalden, auch um Brände frühzeitig zu erkennen. In jüngster Zeit brannten solche Halden in Polen häufiger, was die Luft stark belastete. Weitere polnische Städte prüfen, wie sie Drohnen einsetzen können. Die Güterverkehrstochter der Polnischen Staatsbahnen, PKP Cargo, nutzt die Drohne Bielik der Firma Drone House, um die Ladungen ihrer Waggons zu schützen.

In vielen Fällen werden zunächst Fluggeräte gewählt, die von Personen am Boden direkt gesteuert werden. Später soll dann der Einsatz autonom fliegender Objekte folgen. Als Anwender kommen sowohl die öffentliche Hand wie auch die Privatwirtschaft infrage.

Das Potenzial des Marktes für zivile Drohnen bis 2026 wird auf umgerechnet etwa 761 Mio Euro geschätzt. Der Grossteil dieses Betrages entfällt auf Unternehmen. Mengenmässig überwiegen jedoch Drohnen für Privatverbraucher deutlich. Der Absatz solcher ferngesteuerten Fluggeräte für Privatpersonen könnte bis 2026 insgesamt knapp 387.000 Stück betragen.

Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie des Polnischen Ökonomischen Instituts und der Unternehmensberatung MI Research.

Quelle: MBM Martin Brückner Medien GmbH

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