Success Stories

Blumer Lehmann: Wie Schweizer Holzbau seinen Platz in Korea fand

Mehmet Kale - Creative Technology Manager

Mehmet Kale, Creative Technology Manager

23. Juni 2026

S-GE Blumer Lehmann

Der Schweizer Holzbauspezialist Blumer Lehmann baute seine Präsenz in Korea Projekt für Projekt aus – mit Unterstützung des Swiss Business Hub

Für Blumer Lehmann war die internationale Expansion nie von Markt-Checklisten oder vordefinierten Roadmaps getrieben. Stattdessen ist die globale Präsenz des Unternehmens Projekt für Projekt gewachsen – geprägt von architektonischer Vision, technischer Neugier und der Bereitschaft, sich auf Komplexität weit jenseits vertrauter Grenzen einzulassen. Korea ist ein Paradebeispiel für diesen Weg: ein Markt, der nicht durch Strategie, sondern durch Gelegenheit erschlossen und über die Zeit durch Vertrauen, Beharrlichkeit und gemeinsamen Ehrgeiz entwickelt wurde.

Korea war für uns am Anfang kein strategischer Zielmarkt. Wir haben nicht eines Tages beschlossen, dass wir nach Asien expandieren wollen. Es begann mit einem Projekt.

Martin Looser-Frey

Division Manager Timber Construction | Free Form | International, Blumer Lehmann

Eine architektonische Einladung nach Korea

Blumer Lehmanns Weg in Korea begann 2007, als der renommierte japanische Architekt Shigeru Ban (Pritzker-Preis 2014) mit einer ambitionierten Idee an den Schweizer Holzspezialisten herantrat: ein grosses Golf-Clubhaus für ein privates Resort mit einer komplexen Free-Form-Dachkonstruktion aus Holz.

«Er war überzeugt, dass wir die richtigen Holzbauer waren, um eine solche Konstruktion zu realisieren», erinnert sich Martin.

Die Bedingungen waren damals alles andere als einfach. Die Zeitpläne waren knapp, die lokalen Standards unbekannt, und Blumer Lehmann selbst baute seine Kompetenzen im Free-Form-Bau gerade erst auf. Neue Maschinen und Software mussten eigens für das Projekt beschafft werden.

«Aber diese Herausforderung verlieh der Geschichte eine gewisse Intensität», sagt Martin. «Es war anspruchsvoll, aber wir wurden in Korea sehr gut aufgenommen. Diese Erfahrung ist uns wirklich im Gedächtnis geblieben.»

Die erfolgreiche Umsetzung des Projekts legte den Grundstein für weitere Aufträge im Land und gab Blumer Lehmann das Selbstvertrauen, ähnlich komplexe Bauten im Ausland anzugehen.

Integrierte Expertise – vom Entwurf zur Konstruktion

Was Blumer Lehmann international auszeichnet, ist der integrierte Ansatz. Das Unternehmen vereint Projektentwicklung, geometrische Planung, Holzbauingenieurwesen, Produktion und Montagekompetenz im eigenen Haus und kann so komplexe architektonische Ideen in baubare Holzkonstruktionen übersetzen.

 

«Wir sind selbst keine entwerfenden Architekten», erklärt Martin. «Aber wir übersetzen den architektonischen Entwurf in etwas, das sich tatsächlich in Holz bauen lässt. Diese Transformation – von der Idee zur Konstruktion – geschieht im eigenen Haus, mit unseren eigenen Architekten, Holzbauingenieuren und Holzbauspezialisten.»

 

Im Free-Form-Holzbau, wo viele Projekte faktisch Prototypen sind, ist diese durchgängige Verantwortung entscheidend. Bauherren und Architekten wagen sich oft zum ersten Mal an solche Bauten und suchen Partner, die sowohl die technische Komplexität als auch das Ausführungsrisiko tragen können.

 

Jedes internationale Projekt bleibt ein Sprung ins Ungewisse. Die Vorschriften unterscheiden sich, die Genehmigungsverfahren variieren, und der Holzbau wirft häufig zusätzliche Fragen rund um Brandschutz und Tragsicherheit auf.

 

«Es gibt Momente in einem Projekt, in denen man sich fragt: Sollen wir das wirklich machen?», gibt Martin zu. «Man ist in einem Land, in dem man noch nicht alle Vorschriften kennt, man arbeitet zum ersten Mal mit den Behörden zusammen, und der Druck ist hoch.»

 

Die Belohnung kommt am Ende.

«Wenn das Gebäude schliesslich dasteht, in seiner Einzigartigkeit», sagt er. «Dann erkennt man, dass etwas, das sich fast unmöglich anfühlte, tatsächlich funktioniert hat. Das macht uns stolz.»

 


 

blumer lehmann

Pocheon Golf Resort Club House, Korea (Copyright
http://timeofblue.com/en/)

Ein unerwarteter erster Berührungspunkt während der Pandemie

Obwohl Blumer Lehmann bereits Projekte in Korea abgeschlossen hatte, markierte die COVID-19-Pandemie die erste direkte Interaktion des Unternehmens mit Switzerland Global Enterprise. Als die Grenzen schlossen und sich die Vorschriften fast wöchentlich änderten, wurden verlässliche Informationen entscheidend.

 

In dieser unsicheren Zeit wandte sich Blumer Lehmann an den Swiss Business Hub Korea, um vor Ort Orientierung zu Einreisebedingungen, Quarantäneregeln und Anforderungen auf der Baustelle zu erhalten, da das Unternehmen am Projekt Pocheon Golf Club House beteiligt war. In enger Abstimmung mit der Schweizer Botschaft in Seoul half der SBH Korea zu klären, was möglich war – und was nicht –, zu einer Zeit, in der sich selbst die lokalen Behörden noch auf neue Verfahren einstellten.

 

«Es gab viele offene Fragen», erinnert sich Martin. «Können wir einreisen? Unter welchen Bedingungen? Wie lange können wir bleiben? Selbst wenn man angekommen war, konnte sich die Lage plötzlich ändern.»

 

Die Erfahrung war intensiv. Nach der Ankunft in Seoul wurden die Mitglieder des Projektteams direkt in Quarantäne gebracht, vor Ort erneut getestet und über lokale Gesundheits-Apps überwacht.

 

Trotz der Unsicherheit wurde das Projekt Pocheon Golf Club House umgesetzt – was unterstrich, wie wichtig der Zugang zu vertrauenswürdigem lokalem Wissen ist, wenn man weit weg von zu Hause tätig ist. In diesem Fall bot der Swiss Business Hub Korea einen wichtigen Orientierungspunkt in einer höchst unberechenbaren Zeit.

Ein natürlicher Rahmen für ein Wiedersehen

Als Korea sich allmählich wieder öffnete, beschloss Blumer Lehmann, nicht einfach abzuwarten, bis die Projekte wieder anliefen, sondern aktiv den Kontakt zur lokalen Architekturszene zu erneuern. Gemeinsam mit dem Swiss Business Hub Korea und der Schweizer Botschaft in Seoul organisierte das Unternehmen im November 2024 einen gezielten Stakeholder-Anlass in der Schweizer Botschaft in Seoul.

 

Der Veranstaltungsort hätte kaum passender sein können. Die Schweizer Botschaft in Seoul ist selbst ein Holzbau – ein seltenes und kraftvolles Statement in einem Markt, der lange von Beton und Stahl dominiert war. Für Blumer Lehmann, dessen Expertise in anspruchsvollen Holzkonstruktionen liegt, bot dieser Rahmen einen unmittelbaren und greifbaren Gesprächseinstieg.

 

«Das Gebäude selbst erzählt bereits eine Geschichte», bemerkt Martin. «Man muss nicht erklären, warum Holz wichtig ist – man kann einfach darauf zeigen.»

 

Der Swiss Business Hub Korea unterstützte Blumer Lehmann dabei, wichtige Stakeholder aus der Architektur- und Ingenieurszene zu identifizieren und einzuladen, während die Botschaft eine vertrauenswürdige und höchst glaubwürdige Plattform bot. Das diplomatische Umfeld, kombiniert mit der materiellen Authentizität des Gebäudes, half, die Gespräche rasch über das erste Kennenlernen hinauszuführen.

 

Der Anlass wirkte als Reaktivierungsmoment nach Jahren begrenzter physischer Präsenz. Architekten und Ingenieure konnten sich von Angesicht zu Angesicht wieder austauschen, Projekte in einem konkreten Rahmen besprechen und Schweizer Holzbau-Expertise im ganz wörtlichen Sinne neu entdecken. Seither sind mehrere Gespräche wieder aufgenommen worden, und neue Möglichkeiten werden derzeit geprüft.

Swiss Embassy Seoul (event venue)

Lehren aus Korea

Rückblickend sieht Martin Korea als anspruchsvollen, aber lohnenden Markt. Kulturelle Unterschiede waren selten ein Hindernis.

 

«Wir waren immer sehr willkommen», sagt er. «Unsere koreanischen Partner sind offen und professionell. Man muss nur verstehen, dass Vertrauen Zeit braucht und dass die Menschen nicht immer so direkt kommunizieren wie wir.»

 

Die grösseren Herausforderungen lagen bei Regulierung und Zertifizierung – besonders im Holzbau, wo die lokale Erfahrung noch im Aufbau ist.

 

«Letztlich ist jedes Land ein Lernprozess», sinniert Martin. «Man braucht Geduld, gute Partner und Menschen, die beide Seiten verstehen.»

 

Sein Rat an andere Schweizer Unternehmen, die eine internationale Expansion erwägen, ist einfach: gut vorbereitet sein, die Risiken akzeptieren und nicht versuchen, alles allein zu machen. «Die richtigen Partner am richtigen Ort können den entscheidenden Unterschied machen», schliesst er.

Blumer Lehmanns Erfolgsgeschichte in Korea veranschaulicht perfekt, wie Beharrlichkeit, hochwertige Expertise und der Mut, in einen anspruchsvollen, aber lohnenden Markt einzutreten, neue Möglichkeiten eröffnen können. Sie zeigt zudem, wie der lokale Swiss Business Hub in unterschiedlichen Phasen der Entwicklung eines Unternehmens im Land Unterstützung bieten kann.

Andrea Clementi

Head of Swiss Business Hub Korea, Switzerland Global Enterprise

Michela Giuliato

Consultant Japan + South Korea

Zurich, Schweiz

mgiuliato@s-ge.com

+41 44 365 55 08

Andrea Clementi

Head Swiss Business Hub Korea

Seoul, Korea, Süd (Südkorea)

Login oder Registrierung

Geben Sie Ihre E-Mail-Adresse ein, um fortzufahren.

Exklusiver Zugang für Unternehmen mit Sitz in der Schweiz oder im Fürstentum Liechtenstein.