Analysis

Deutschland: Chancen für Schweizer Blockchain-Unternehmen

Julie Bächtold, Content Manager

25. Juni 2026

German flag with a glowing digital world map overlay.

Erkunden Sie die Geschäftsmöglichkeiten und gewinnen Sie Einblicke in den deutschen Blockchain-Markt, der sich durch eine starke industrielle Basis und eine grosse Volkswirtschaft auszeichnet.

Blockchain – regulatorische Rahmenbedingungen

In Deutschland hängt die Regulierung von Blockchain von der Aktivität ab. Kryptowertpapier-Dienste unterliegen heute hauptsächlich der EU-Verordnung über Märkte für Kryptowerte (MiCAR), während für tokenisierte Wertpapiere das Wertpapierrecht, das Bundesgesetz über elektronische Wertpapiere (eWpG), die MiFID-II-Richtlinie, das DLT-Pilotregime, die Geldwäsche-Vorschriften, die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) und Auflagen hinsichtlich der operativen Resilienz gelten können. Die Nutzung von Blockchain ausserhalb des Finanzbereichs ist im Allgemeinen nicht per se reguliert, sondern nur, wenn sie unter Branchengesetze, das Datenschutzrecht oder produktspezifische Regeln fällt.

Spezifisches Blockchain-RechtWichtigste RegulierungsbehördenRegulatorische Sandboxen
Nein.BaFin (Finanzaufsicht, Kryptowertpapier-, eWpG-Register); Deutsche Bundesbank (Bankenaufsichtsunterstützung, Zahlungen und Abwicklung); Datenschutzbehörden (DSGVO-Konformität).Ja, die BaFin betreibt einen Fintech-Innovation-Hub und bietet Orientierungshilfe, aber regulierte Tätigkeiten bedürfen in der Regel einer Genehmigung. Das EU-DLT-Pilot Regime dient als eng umrissenes regulatorisches Erprobungssystem für DLT-Marktinfrastrukturen.

 

Für B2B-Anbieter: Der Verkauf von Infrastruktur oder Technologie an lizenzierte deutsche oder EU-Institutionen erfordert in der Regel keine BaFin-Lizenz, wenn der Schweizer Anbieter nicht selbst regulierte Krypto-Dienste anbietet. Die Banken werden jedoch sorgfältig prüfen, ob es sich um einen reinen Technologieanbieter handelt oder ob dieser auch die Kontrolle von Kundenvermögen, Schlüsselverwaltung, Auftragsausführung oder andere regulierte Funktionen übernimmt. Bietet ein Schweizer Unternehmen regulierte Kryptodienste direkt in Deutschland an, sollte es vor dem Markteintritt prüfen, ob die Tätigkeit eine BaFin-Lizenzierung erfordert oder unter MiCAR, das eWpG oder andere geltende deutsche Normen fällt.

Implementierung der Technologie

Deutschland verfügt über ein ausgereiftes, aber hochreguliertes Blockchain- und Digital-Asset-Ökosystem, dessen deutlichste Stärke im institutionellen Finanzwesen liegt. Dies gilt etwa für tokenisierte Wertpapiere, Krypto-Verwahrung, Handelszugang unter Führung einer Bank, Verwahrungsinfrastruktur und Abwicklungslösungen. Das eWpG, die Aufsichtsrolle der BaFin und aktive Akteure wie die Commerzbank, die Deutsche Börse mit ihrer Tochter Crypto Finance, die DZ Bank, die Deutsche Bank, die Börse Stuttgart, 21X, Tangany und Finoa verleihen dem Markt eine bemerkenswerte institutionelle Tiefe. Über das Finanzwesen hinaus gibt es Blockchain-Anwendungsfälle in den Bereichen Identität, Lieferkette, Mobilität und Energie sowie Pilotprojekte für den öffentlichen Sektor, jedoch ist die kommerzielle Nutzung etwas fragmentierter. 

Der Swiss Business Hub Germany unterstützt Schweizer Blockchain-Unternehmen bei der Marktanalyse, rechtlichen Abklärungen und der gezielten Kontaktaufnahme mit relevanten Banken, Infrastrukturanbietern, Rechtsexperten und Stakeholdern der öffentlichen Hand. Eine gute Vorbereitung zahlt sich aus. Unternehmen sollten mit einem klaren regulatorischen Status, konkreten institutionellen Referenzen und einem klar definierten Anwendungsfall einsteigen.

Britta Thiele-Klapproth

Head Swiss Business Hub Germany

Markttrends und Schweizer Präsenz

  • Institutionelle Tokenisierung in Deutschland erhält eine klarere rechtliche Basis: Das eWpG, das EU-DLT Pilot Regime und die BaFin-Zulassung bilden eine rechtliche Grundlage für tokenisierte Wertpapiere, Krypto-Wertpapierregister und DLT-basierte Handels- und Abwicklungsinfrastrukturen.
  • Auf tokenisierten Finanzmärkten gewinnen Abwicklung und digitales Geld zunehmend an Bedeutung. Tokenisierte Wertpapiere erfordern eine zuverlässige Barabwicklung nach dem Delivery-versus-Payment-Prinzip (Lieferung gegen Zahlung). Die Arbeit der Bundesbank an Trigger-Lösungen und Zentralbankgeld für den Grosshandel unterstreicht die Notwendigkeit von Systemen, die Arbeitsabläufe für tokenisierte Vermögenswerte mit regulierten Zahlungs- und Abwicklungskanälen verbinden.
  • Im Front-End-Vertrieb wird Compliance zunehmend zur Anforderung. Regulierte Einkäufer prüfen bereits in einer frühen Phase des Beschaffungsprozesses immer häufiger die Ausfallsicherheit, die Nachvollziehbarkeit, die Datenverwaltung sowie die Kontrollen im Schlüsselmanagement.
  • Die Einsatzmöglichkeiten der Blockchain ausserhalb des Finanzsektors sind begrenzt und anwendungsspezifisch. Chancen könnten sich in Bereichen wie Identitätsmanagement, Rückverfolgbarkeit in der Lieferkette, Produktpässe, Mobilität, Energie und industrielle Automatisierung ergeben, insbesondere dort, wo die deutsche Industrie auf einen vertrauenswürdigen Datenaustausch angewiesen ist. 

 

Schweizer Blockchain in Deutschland

Schweizer Blockchain-Unternehmen haben in Deutschland bereits deutlich Fuss gefasst, insbesondere im Bereich der institutionellen Infrastruktur für digitale Vermögenswerte. So hat beispielsweise Crypto Finance, das zur Deutsche Börse-Gruppe gehört und seinen Hauptsitz in der Schweiz hat, in Deutschland eine BaFin-Lizenz erhalten. Das Unternehmen arbeitet mit der Commerzbank im Bereich Kryptohandel und -verwahrung für Firmenkunden zusammen. Taurus, ein Schweizer Anbieter von Infrastruktur für digitale Vermögenswerte, hat eine globale Partnerschaft mit der Deutschen Bank geschlossen. Metaco, ursprünglich in der Schweiz gegründet und später von Ripple übernommen, wurde von der DZ Bank für die Verwahrungstechnologie für digitale Vermögenswerte ausgewählt.


 

Hindernisse für den grenzüberschreitenden Vertrieb

  • Risiken im Zusammenhang mit der Lizenzierung und dem regulatorischen Rahmen: Deutschland geht streng vor, wenn Aktivitäten regulierten Krypto-Asset-Dienstleistungen wie der Verwahrung, der Registerführung oder der Finanzvermittlung nahekommen. Ein FINMA-Status in der Schweiz ersetzt keine BaFin-/EU-Zulassung.
  • Für den Zugang zum deutschen oder EU-Markt ist in der Regel eine EU-Zulassung erforderlich, wenn regulierte Dienstleistungen angeboten werden sollen. Schweizer Unternehmen benötigen unter Umständen eine deutsche oder EU-Niederlassung, einen lizenzierten Partner oder eine eindeutige Rolle als unregulierter Anbieter.
  • Datenschutz und Gestaltung der On-Chain-Daten: Die DSGVO kann mit der Unveränderlichkeit der Blockchain und dem dezentralen Datenaustausch in Konflikt geraten. Käufer erwarten „Privacy by Design”, Off-Chain-Speicherung, Zugriffskontrolle und eine klare Datenverwaltung.

Lokale Kulturelle und geschäftliche NOrmen

  • Die Seriosität der FINMA hilft, reicht aber nicht aus. Deutsche Einkäufer erwarten eine klare BaFin/MiCAR/eWpG-Position, insbesondere dort, wo Schweizer Unternehmen mit Verwahrung, Schlüsselmanagement oder regulierten Workflows befasst sind.
  • Die Auftragsvergabe ist formeller und dokumentationsintensiver. Bei grossen deutschen Einkäufern sind oft weitere Stakeholder, längere Zulassungsketten und strengere Prüfungen im Hinblick auf rechtliche Aspekte, IT-Sicherheit und Datenschutz involviert.
  • Lokale Partnerschaften sind wichtig. Schweizer Unternehmen benötigen eventuell eine deutsche oder EU-Entität, einen Lizenzpartner, einen Systemintegrator oder eine Branchenplattform, um auf regulierte Käufer zugehen zu können.

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