Analysis

UK: Chancen für Schweizer Blockchain-Unternehmen

Julie Bächtold, Content Manager

25. Juni 2026

UK flag with digital world map overlay.

Erkunden Sie neue Geschäftsfelder und gewinnen Sie Einblicke in den britischen Blockchain-Markt, der von der starken Finanzindustrie des Landes geprägt ist.

Blockchain – regulatorische Rahmenbedingungen

Im Vereinigten Königreich hängt die Regulierung von Blockchain-Anwendungen von deren Funktion, den Nutzern und dem Risikoprofil ab. Nichtfinanzielle Blockchain-Anwendungen unterliegen im Allgemeinen bestehenden Verträgen sowie datenschutzrechtlichen, verbraucherrechtlichen und branchenspezifischen Vorschriften. Finanzielle Anwendungsfälle können unter bestehende oder sich entwickelnde britische Finanzvorschriften fallen, wenn sie die Verwahrung von Krypto-Vermögenswerten (Custody), den Betrieb von Handelsplattformen, den Handel mit oder die Vermittlung von Transaktionen mit Krypto-Vermögenswerten, die Ausgabe oder den Betrieb von Stablecoins, Wertpapierdienstleistungen, Finanzwerbung oder die Ausgabe, den Handel oder die Abwicklung von tokenisierten oder digitalen Wertpapieren betreffen.

Spezifisches Blockchain-RechtWichtigste RegulierungsbehördenRegulatorische Sandboxen
Nein.Financial Conduct Authority (FCA); Bank of England (BoE); Wirtschafts- und Finanzministerium HM TreasuryJa. Die FCA und die BoE betreiben die «Digital Securities Sandbox» (DSS) für die Marktinfrastruktur digitaler Wertpapiere; die FCA betreibt ausserdem Innovations- und Regulierungs-Sandbox-Programme und hat spezielle Testgruppen für Stablecoins ins Leben gerufen.

 

Für B2B-Anbieter: Ein Schweizer Technologieanbieter benötigt in der Regel keine britische Bewilligung, nur weil er Software, Infrastruktur oder Compliance-Tools an eine regulierte britische Organisation verkauft. Anders ist es, wenn der Anbieter selbst Verwahrungsdienste erbringt, eine Handelsplattform betreibt, Transaktionen mit Krypto-Vermögenswerten vermittelt, einen Stablecoin emittiert oder verwaltet, für Krypto-Vermögenswerte wirbt oder anderweitig eine regulierte Tätigkeit ausübt.  Entscheidend ist, ob das Geschäftsmodell in den Bereich der regulierten Finanztätigkeiten fällt oder ob der Anbieter regulierte Tätigkeiten im Bereich der Krypto-Vermögenswerte, Finanzwerbung oder ähnliche Funktionen ausübt, die eine britische Bewilligung, Registrierung oder Outsourcing-Verpflichtungen nach sich ziehen.

Implementierung der Technologie

Das Vereinigte Königreich zählt zu den institutionell fortschrittlichsten Blockchain-Märkten Europas. Insbesondere im Bereich der Finanzdienstleistungen, wo es auf das gut ausgebaute Finanzdienstleistungs-Ökosystem Londons zurückgreifen kann. Die regulatorischen Rahmenbedingungen sind in Bereichen wie der Geldwäschereiaufsicht, der Werbung für Finanzdienstleistungen und der bestehenden Finanzdienstleistungsregulierung bereits gut ausgeprägt. Der übergreifende Rechtsrahmen für Krypto-Vermögenswerte im Vereinigten Königreich wird durch die Regelsetzung und -umsetzung der FCA im Vorfeld umfassenderer Zulassungsanforderungen kontinuierlich erweitert. Die Branche wird durch eine starke Marktinfrastruktur und eine breite Basis an Spezialisten in den Bereichen Recht, Compliance, Finanzen und Technologie unterstützt.

Das Vereinigte Königreich ist ein anspruchsvoller, aber auch vielversprechender Markt für Blockchain-Unternehmen. Schweizer Firmen können zwar vom guten Ruf der Schweiz in den Bereichen regulierte Finanzinfrastruktur und Innovation profitieren, doch um im Vereinigten Königreich erfolgreich zu sein, benötigen sie ein klares Leistungsversprechen, ein fundiertes Verständnis des regulatorischen Umfelds und glaubwürdige Marktreferenzen. Der Swiss Business Hub UK unterstützt Unternehmen bei der Marktorientierung, der Einordnung in den regulatorischen Kontext und der gezielten Vermittlung relevanter Partner.

Natalie Thomas

Head Swiss Business Hub UK

Markttrends und Schweizer Präsenz

  • Institutionelle Tokenisierung: Eine zentrale Chance liegt in der Infrastruktur für tokenisierte Wertpapiere einschliesslich der Prozesse für Emission, Verwahrung, Abwicklung und Compliance.
  • Stablecoins und tokenisiertes Geld: Neue regulatorische Rahmenbedingungen könnten die Nachfrage nach Lösungen für den Zahlungsverkehr, das Treasury und das Risikomanagement für Stablecoins und anderen tokenisierten Zahlungsmitteln fördern.
  • Rechtssicherheit: Die jüngsten Reformen im Bereich der digitalen Vermögenswerte im Vereinigten Königreich stärken die rechtlichen Grundlagen für Eigentumsverhältnisse, Verwahrung, Sicherheiten und die Streitbeilegung. Gleichzeitig entwickeln sich die Auslegung und die Marktpraxis jedoch weiterhin.
  • Ausserhalb des Finanzsektors findet Blockchain in der Digitalisierung von Handelsdokumenten erste Anwendung, doch kurzfristig erscheinen die Chancen in der regulierten Finanzinfrastruktur grösser.

 

Schweizer Blockchain in UK

Die Schweizer Blockchain-Präsenz im Vereinigten Königreich wirkt eher selektiv als breit. Sichtbare Beispiele sind die AMINA Bank AG mit einem Digital-Asset-Angebot und Firmenpräsenz in UK sowie GenTwo, deren Londoner Niederlassung UK-spezifische Asset-Tokenisierungs- und Verbriefungsaktivitäten unterstützt. 


 

Hindernisse für den grenzüberschreitenden Vertrieb

  • Regulatorischer Rahmen: Klären Sie frühzeitig, ob das Unternehmen lediglich Technologie bereitstellt oder eine regulierte Tätigkeit im Vereinigten Königreich ausübt. 
  • Finanz-Marketing: Die Vermarktung von Krypto-Asset-Dienstleistungen, die sich an das Vereinigte Königreich richten, unterliegt strengen Kontrollen. Sie kann den Markteintritt verhindern, wenn Verkaufsmaterialien oder die Kommunikation mit Partnern nicht den Vorschriften entsprechen.
  • Auftragsvergabe und Glaubwürdigkeit: Britische Finanzinstitute erwarten stichhaltige Nachweise bezüglich Sicherheit, Ausfallsicherheit, Datenumgang, Governance und rechtlicher Risiken sowie eine Begründung für die Wahl eines Schweizer Anbieters.

Lokale kulturelle und geschäftliche Normen

  • Compliance kommt vor dem Produkt-Pitch: Institutionelle Käufer im Vereinigten Königreich möchten in der Regel zunächst die regulatorische Stellung des Anbieters, sein Governance-Modell und die Risikoverteilung verstehen.
  • Beweise zählen mehr als Visionen: Käufer reagieren besser auf konkrete Belege wie Kundenreferenzen, Implementierungsergebnisse und Sicherheitsnachweise als auf allgemeine Blockchain-Buzzwords.
  • Der Beschaffungsprozess ist formell: Rechnen Sie mit einer rechtlichen Prüfung, Informationssicherheitskontrollen, Fragen zum Datenschutz, Outsourcing-Bewertungen und einer internen Risikogenehmigung.
  • Krypto-Hype vermeiden: Auf dem britischen institutionellen Markt wirken präzise Erläuterungen zu Kostensenkung, Abwicklungseffizienz, operativer Widerstandsfähigkeit, Risikokontrolle, Compliance und Integration in bestehende Prozesse in der Regel besser als eine „Technology-First”-Kommunikation.
  • Konkretes Eingehen auf den UK-Anwendungsfall: Eine Lösung, die in der Schweiz oder der EU funktioniert, wird im Vereinigten Königreich nicht automatisch akzeptiert. Erklären Sie daher anschaulich, wie das Modell mit den britischen Vorschriften, der Marktpraxis und den Kundenerwartungen im Einklang steht.
  • Lokale Beziehungen und Glaubwürdigkeit sind entscheidend: Britische Käufer legen oft Wert auf vertrauenswürdige Empfehlungen, lokale Referenzen und den Nachweis eines langfristigen Engagements auf dem Markt.
  • Rechnen Sie mit schrittweisen Einführungszyklen: Grossunternehmen und regulierte Käufer bewegen sich oft langsamer als erwartet und ziehen einem gross angelegten Transformationsprogramm häufig eine schrittweise Umsetzung, Pilotprojekte und klar definierte Betriebsmodelle vor.

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