Analysis

Währungsvolatilität: Gut vorbereitet in unsicheren Zeiten.

7. Aug. 2026

Workers load boxes into a white delivery van outside a warehouse.

Der starke Franken führt seit Monaten die Sorgenliste der Schweizer Exportwirtschaft an. Wer jetzt keine Absicherungsstrategie hat, verhandelt seinen nächsten Grossauftrag im Blindflug.

Währungsschwankungen: Sind Sie darauf vorbereitet?

Der starke Franken führt laut der aktuellen KMU-Exportstimmung die Sorgenliste der Schweizer Exportwirtschaft an, noch vor Zöllen und geopolitischen Risiken. Das Risiko für international tätige Schweizer Unternehmen besteht dabei in erster Linie in raschen Kurssprüngen bzw. in einer raschen Aufwertung des Frankens. Dies kann zu empfindlichen Verlusten sowie zu einer starken Beeinträchtigung der preislichen Wettbewerbsfähigkeit im Ausland führen. Bei einer Kalkulationsmarge von 15 Prozent für einen Auftrag im Ausland reicht eine Kursverschiebung von wenigen Prozentpunkten, um aus einem profitablen Geschäft ein Nullsummenspiel zu machen – oder Schlimmeres. Vergangene Krisen haben dabei gezeigt, dass solche Kurssprünge bei grosser geopolitischer Unsicherheit und aufgrund des Status des Frankens als «sicherer Hafen» jederzeit möglich sind. Wer nicht vorbereitet ist, verhandelt seinen nächsten Grossauftrag im Blindflug.

Wie kann man sich vorbereiten? Die Instrumente im Überblick

Devisentermingeschäfte sind das gebräuchlichste Instrument. Der Wechselkurs wird bei Vertragsabschluss fixiert, unabhängig davon, wie sich der Kurs bis zur tatsächlichen Zahlung entwickelt. Für einen Auftrag mit klar bekanntem Zahlungstermin ist das die einfachste und günstigste Absicherung.

Devisenoptionen kosten eine Prämie, geben aber Flexibilität: Sie sichern gegen ungünstige Kursbewegungen ab, lassen aber Spielraum, von günstigen Entwicklungen zu profitieren. Für Unternehmen mit unsicheren Zahlungsterminen oder Angebotskalkulationen, bei denen der Auftrag noch nicht sicher ist, sind sie oft die bessere Wahl als ein starrer Termin.

Währungsswaps und Fremdwährungskredite eignen sich, wenn Einnahmen und Verbindlichkeiten in unterschiedlichen Währungen über längere Zeiträume laufen, etwa bei Investitionsgütern mit mehrjährigen Zahlungsplänen.

Neben den klassischen Finanzinstrumenten lohnt sich das sogenannte natürliche Hedging: Wer Einnahmen und Ausgaben in derselben Fremdwährung hält, etwa indem Vorleistungen und Komponenten im selben Währungsraum eingekauft werden, in dem auch der Verkauf erfolgt, reduziert das Nettoexposure - ganz ohne Finanzinstrument. Auch die Fakturierung in Schweizer Franken, bei der der Kunde das Währungsrisiko trägt, ist eine Option.

Ein weiterer, oft unterschätzter Punkt: Zahlungsziele selbst sind ein Hebel. Wer bei Vertragsverhandlungen kürzere Zahlungsfristen durchsetzt, verringert automatisch die Zeitspanne, in der ein Auftrag ungeschützt dem Kursrisiko ausgesetzt ist. Das kostet keine Bankgebühr und lässt sich in jede Vertragsverhandlung einbauen, unabhängig davon, ob zusätzlich ein Finanzinstrument eingesetzt wird.

Natürliches Hedging – eine kostenfreie Alternative

Oft übersehen, aber wirkungsvoll: Natürliches Hedging reduziert das Nettoexposure ohne jedes Finanzinstrument oder jede Prämie. Im Folgenden sind die wichtigsten Massnahmen im Überblick:

Fakturierung in Schweizer Franken: Das Währungsrisiko wird vollständig auf den ausländischen Käufer übertragen. Diese Option ist einfach umzusetzen, kann aber die Wettbewerbsfähigkeit in preissensiblen Märkten beeinträchtigen, da ausländische Kunden für dieses Risiko in der Regel eine Kompensation erwarten.

Mehrwährungspreisgestaltung: Exportpreise werden in Lokalwährungen so kalkuliert, dass ein Teil der Wechselkursbewegungen absorbiert werden kann. Das erfordert flexible Preismodelle sowie eine regelmässige Überprüfung und Anpassung der Preislisten.

Diversifizierung der Exportmärkte: Wer Umsätze über mehrere Währungsräume streut (USD, EUR, GBP, JPY usw.), reduziert das Konzentrationsrisiko in einer einzelnen Währung erheblich. Verluste in einem Währungsraum können so durch Gewinne in einem anderen ausgeglichen werden.

Fremdwährungskonten: Exporterlöse werden in der jeweiligen Transaktionswährung gehalten und direkt für Ausgaben in derselben Währung eingesetzt. So wird die Notwendigkeit zur Konvertierung hinausgezögert, und es entsteht zeitliche Flexibilität bei der Wahl des Umtauschzeitpunkts.

Zusammengefasst: Einnahmen und Ausgaben in derselben Währung aufeinander abzustimmen – etwa EUR-Kundenerlöse direkt für EUR-Lieferantenrechnungen zu nutzen –, Kunden in ihrer Lokalwährung zu fakturieren und dabei ein Fremdwährungskonto zu führen sowie Lieferantenverträge nach Möglichkeit in der eigenen Exportwährung abzuschliessen: Das sind die wirksamsten Hebel des natürlichen Hedgings. Alle ohne Finanzinstrument, alle ohne Prämie.

Klare Handlungsschritte im akuten Krisenfall

Wenn sich der Kurs innerhalb kurzer Zeit deutlich bewegt, zählt Tempo. Drei Schritte in der Reihenfolge, die zählt:

Erstens: Exposure quantifizieren. Wie viel Umsatz, wie viele offene Forderungen und Verbindlichkeiten bestehen in welcher Fremdwährung und mit welcher Fälligkeit? Ohne diese Übersicht ist jede Absicherungsentscheidung ein Rätselraten.

Zweitens: Bestehende offene Positionen priorisieren. Verträge mit fixierten Verkaufspreisen und langen Zahlungszielen sind am dringendsten zu sichern, weil sie das grösste ungeschützte Risiko tragen.

Drittens: mit der Hausbank sprechen, bevor der Abschluss ansteht, nicht danach. Banken bieten Termingeschäfte und Optionen in der Regel kurzfristig an. Die Konditionen sind jedoch besser, wenn das Unternehmen mit einer klaren Exposure-Übersicht kommt statt mit einer akuten Notlage.

Wo Schweizer Exporteure Unterstützung finden

Die Swiss Bankers Association (SBA), die als Branchenverband nahezu alle Banken in der Schweiz vertritt, kooperiert im Rahmen der Exportförderung mit S-GE.

Ergänzend deckt die Schweizerische Exportrisikoversicherung SERV politische und wirtschaftliche Länderrisiken ab und stellt sicher, dass Exportgeschäfte grundsätzlich abgewickelt werden können. Das reduziert die Unsicherheit bei der Zahlungsabwicklung selbst, ersetzt aber keine Kursabsicherung.

Der Kern

Währungsvolatilität lässt sich nicht wegverhandeln, aber sie lässt sich managen. Der Unterschied zwischen einem Unternehmen, das eine Frankenaufwertung schmerzhaft, aber verkraftbar findet, und einem, das dabei einen Grossteil seiner Marge verliert, liegt selten am Kurs selbst. Er liegt darin, ob eine Absicherungsstrategie vor der Krise stand oder erst währenddessen entworfen wurde.

Benno Keller

Director Corporate Development + Strategy

Zürich, Schweiz

BKeller@s-ge.com

+41 44 365 52 90

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