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EU-Pauschalzoll für Kleinsendungen – Neuerungen ab Juli 2026

22. Juni 2026

EU flat rate

Die Europäische Union führt im Rahmen der Reform ihres Zollsystems ab dem 1. Juli 2026 einen pauschalen Zollbetrag von 3 Euro für Kleinsendungen mit einem Warenwert von bis zu 150 Euro ein.

Die Europäische Union wird ab dem 1. Juli 2026 für Kleinsendungen mit einem Warenwert von bis zu 150 EUR einen pauschalen Zollsatz von 3 EUR pro Zolltarifnummer (Zollzeile) einführen. Ziel ist es, auf die stark gestiegene Zahl von E-Commerce-Sendungen aus Drittstaaten zu reagieren und Wettbewerbsverzerrungen gegenüber Anbietern innerhalb der EU zu reduzieren.

Was ändert sich?

Bisher waren Sendungen mit einem Wert bis zu 150 EUR zollbefreit. Diese Befreiung wurde von ausserhalb der EU ansässigen Online-Plattformen häufig genutzt, um grosse Warenmengen an europäische Verbraucher zu versenden.

Ab 1. Juli 2026 gilt: Jede in der Rechnung aufgeführte Unterposition (d. h. jede Zollzeile mit eigener Zolltarifnummer) löst einen fixen Zollbetrag von 3 EUR aus, ohne Obergrenze.

  • Beispiel: 5 unterschiedliche Zolltarifnummern auf einer Rechnung → 15 EUR Zoll
  • Der Pauschalzoll ist ein regulärer Zoll und separat von der Mehrwertsteuer (MWST) zu betrachten. Die MWST-Regelung bleibt unverändert.

Verschärfte Anforderungen an Zolldaten

Die europäischen Zollbehörden führen deutlich strengere Dokumentations- und Datenqualitätsanforderungen ein. Insbesondere werden unpräzise oder generische Angaben nicht mehr akzeptiert.

Artikelbeschreibungen müssen klar und strukturiert sein, z. B. mit Angaben zu Material, Verwendungszweck, ggf. Geschlecht, sowie einer eindeutigen Produktbeschreibung. Allgemeine Begriffe wie „clothes“, „accessory“ oder „gift“ genügen nicht mehr.
Beispiele (zulässig):

  • „Women cotton t-shirt“
  • „Gold-plated necklace 18K“
  • „Ceramic mug 300ml“

Das Ursprungsland muss konkret angegeben werden. Angaben wie „EU“, „multiple countries“ oder „unknown“ werden abgelehnt. Zudem sind Quervergleiche mit Produktkennungen vorgesehen.

Pflicht zur Angabe von «Product Identifiers» (PID)

Ab dem 1. November 2026 wird die Angabe von Product Identifiers (PID) pro Zollzeile verpflichtend. Für den Zeitraum 1. Juli bis 31. Oktober 2026 ist die Übermittlung freiwillig
Für jede Zeile sind folgende Identifikatoren anzugeben:

  • Artikelnummer: Verkäufer-interne Artikelnummer; bei Verkäufen über Marketplace-Plattformen die Plattform-Artikelnummer.
  • Herstellerreferenz (Model Number / Part Number): immer obligatorisch. Ist der Verkäufer selbst Hersteller, entspricht sie häufig der eigenen Artikelnummer, ausser die Plattform verlangt eine separate Kennung.
  • Standardisierte Herstellerkennung (GTIN/EAN/UPC/ISBN): nur obligatorisch, wenn bereits vorhanden. Falls vorhanden, beim Lieferanten anfordern; existiert sie nicht, ist keine Angabe erforderlich.

Keine Sonderregelung für Präferenzware unter dem IOSS

Es ist bestätigt, dass im Rahmen des Freihandelsabkommens Schweiz–EU keine Zollpräferenz für Sendungen gilt, die über den Import One Stop Shop (IOSS) abgewickelt werden. Die gewählte Art der Zollanmeldung hat somit keinen Einfluss auf die Anwendung des Pauschalzolls.

Das bedeutet: Der fixe Betrag von 3 EUR pro Zolltarifnummer wird in jedem Fall erhoben, auch bei präferenziellem Ursprung.

Konsequenzen für Schweizer Unternehmen

Die Reform betrifft Schweizer Unternehmen, die B2C-Sendungen in die EU liefern, direkt:

  • Automatisch höhere Kosten: Jede Zollzeile löst 3 EUR aus (besonders relevant bei vielen Positionen oder niedrigen Margen).
  • Wettbewerbsrisiko bei günstigen Artikeln und in Sortimenten mit vielen unterschiedlichen Tarifierungen.
  • Handlungsbedarf: Preise, Versandmodelle, Fulfillment-Strukturen und Datenprozesse prüfen.
  • Daten- und Prozessaufbau wird zentral:
    o    PID-Katalog vollständig und gepflegt
    o    Konforme Artikelbeschreibungen
    o    Saubere Ursprungsangaben
    o    Angepasste interne Workflows (Produktdaten ↔ Zoll/Logistik ↔ Plattformen)

Besonders betroffen sind Fast Fashion, Accessoires, Kleinteile sowie der plattformbasierte Onlinehandel.

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