Swiss Business Hub USA
25. Juni 2026

Die Vereinigten Staaten sind der weltweit grösste und technologisch fortschrittlichste Luft- und Raumfahrtmarkt, allerdings besteht auch eine hohe Konkurrenzdichte. Sowohl in der Luft- als auch in der Raumfahrt herrscht eine fortgesetzt grosse Nachfrage, während die Lieferketten komplex und hochspezialisiert sind.
In der US-Luft- und Raumfahrtindustrie besteht in vielen Bereichen Bedarf an hochwertigen Komponenten, Präzisionstechnologie, Prüftechnik, Software und spezialisierten Engineering-Lösungen.
Der Markt ist stark reguliert und sicherheitskritisch, mit gut etablierten Beziehungen zwischen Erstausrüstern (OEMs), Direktzulieferern (Tier 1), Regierungsbehörden und spezialisierten Zulieferern. Anbieter ohne klar definierte Nische und nachweisbare Wertschöpfung können sich hier kaum durchsetzen. Schnellere Lieferzeiten, Gewichtsreduzierung, höhere Zuverlässigkeit, lückenlose Rückverfolgbarkeit, auditfähige Dokumentation oder ein messbarer Beitrag zur Skalierung der Produktion können relevante Vorteile sein mit denen Zulieferer überzeugen.
Absatz von zivilen Endverbraucherprodukten in den USA
Gesamtvolumen A&D-Komponenten in den USA
A&D-Importe in die USA 2024
Quelle: AIA 2025 Facts & Figures: American Aerospace & Defense
Im Bereich Raumfahrt bauen die Vereinigten Staaten ihren Vorsprung weiter aus. Private Unternehmen wie SpaceX und Blue Origin verändern die Branchenlandschaft, während die staatliche Nachfrage nach wie vor ein wichtiger Treiber ist.
In der Luftfahrtindustrie ist die weltweite Nachfrage nach Flugzeugen und Ersatzteilen weiterhin hoch. Aufgrund von Lieferengpässen bei Bauteilen, Fachkräftemangel und hohen Kosten für Qualitäts- und Sicherheitszertifizierungen kann die US-Produktion diese allerdings nicht immer bedienen.
Der US-amerikanische Luft- und Raumfahrtmarkt ist in seiner Struktur stark differenziert. 2024 erwirtschaftete die US-amerikanische Luft- und Raumfahrtindustrie (zivil und Verteidigung) zusammen einen Umsatz von rund 995 Milliarden US-Dollar, davon 556 Milliarden US-Dollar aus direkter Industrieproduktion und 439 Milliarden US-Dollar indirekt aus den Lieferketten.

Quelle: AIA 2025 Facts & Figures: American Aerospace & Defense
In der Luftfahrt sind die Lieferketten hierarchisch strukturiert. An der Spitze stehen grosse Erstausrüster (OEMs) und Systemintegratoren wie Boeing, Lockheed Martin, Northrop Grumman, RTX, General Dynamics, L3Harris und Airbus, die alle in den USA produzieren. Eine Ebene darunter befinden sich die Tier-1-Lieferanten, gefolgt von einer breiten Basis spezialisierter Unternehmen, die Komponenten, Material, Prozesse und technische Dienstleistungen anbieten.
Der Raumfahrtsektor hat eine ähnliche Stufenstruktur, ist jedoch stärker von Programmen und behördlichen Organisationsprinzipien bestimmt. An der Spitze stehen staatliche Auftraggeber und Programmsponsoren – neben den nationalen Sicherheits- und Verteidigungsbehörden vor allem die NASA – sowie eine kleine Anzahl von Hauptauftragnehmern und Systemintegratoren. Zu dieser oberen Ebene gehören sowohl traditionelle Hauptauftragnehmer als auch neuere private Raumfahrtunternehmen wie SpaceX und Blue Origin. Private Akteure gewinnen branchenübergreifend an Bedeutung, beschleunigen die Kommerzialisierung, erweitern die Startkapazitäten und sorgen für schnellere Entwicklungszyklen. In den Ebenen darunter befindet sich ein Netzwerk spezialisierter Zulieferer für Teilsysteme, Komponenten, Prüf-, Mess-, Qualifizierungs- und Engineering-Dienstleistungen.
Die Nachfrage im Bereich der Luftfahrt bleibt stark, jedoch bestehen bei den Produktionskapazitäten nach wie vor strukturelle Einschränkungen. Boeing prognostiziert für den Zeitraum zwischen 2025 und 2044 eine weltweite Nachfrage im Umfang von 43'600 neuen Verkehrsflugzeugen. Gleichzeitig herrscht auf dem US-Markt weiterhin Mangel an Arbeitskräften, Materialien, Motoren, Halbleitern, Aluminium, Cockpitfenstern, Kleinteilen und anderem kritischen Bedarf. In diesem Umfeld sind zunehmend Lieferanten gefragt, die die Liefertreue verbessern, Engpässe entschärfen, die Qualität stabilisieren oder eine effizientere Produktion unterstützen können.
Demzufolge liegt der Bedarf in Bereichen wie Präzisionskomponenten, Mess- und Prüftechnik, Prozessautomatisierung, Software für Qualitätssicherung und Dokumentation, Spezialwerkstoffe, Oberflächenbehandlung, Leichtbau und MRO-Prozesse.
Gleichzeitig investieren die Hersteller vermehrt in digitale und automatisierte Produktionssysteme. Bei den Unternehmen besteht Interesse, Output und Qualität zu verbessern und die Produktion widerstandsfähiger zu machen. Fortschrittliche Fertigung, digitale Transformation und KI-gestützte Personalentwicklung sind daher zu wichtigen Branchenthemen geworden.
Drohnen und autonome Systeme gewinnen über die konventionelle Luftfahrt hinaus an Bedeutung. Viele Hersteller in diesem Segment sind jüngere, privat finanzierte Unternehmen, die sich auf kleinere unbemannte Luftfahrzeuge verlegt haben und damit die Luft- und Raumfahrtbranche um ein dynamisches und weniger ausgereiftes Marktsegment erweitern.
Aufgrund deutlich gestiegener Launch-Aktivitäten und einer stärkeren Rolle der Privatwirtschaft bauen die Vereinigten Staaten ihre Führungsposition im Bereich Luft- und Raumfahrt weiter aus. Zwischen 2015 und 2025 hat sich die Zahl der US-Raketenstarts mehr als verzehnfacht. Bis 2025 entfielen rund 60 % aller Launches weltweit auf US-amerikanische Anbieter. Dieses Wachstum wird von privaten Startinfrastruktur-Anbietern, Regierungsprogrammen, Satellitenkonstellationen, Ambitionen auf dem Mond und Anwendungen für die nationale Sicherheit angetrieben.
Das Artemis-Programm bleibt ein zentraler Referenzpunkt für den Sektor. Die erfolgreiche Artemis-II-Mission im April 2026 war ein wichtiger Meilenstein, während die NASA gemeinsam mit zahlreichen privaten Partnern ihre Mondarchitektur weiterentwickelt. Die Raumfahrtbehörde hat sowohl SpaceX als auch Blue Origin parallel mit der Entwicklung von Mondlandungssystemen beauftragt.
Gleichzeitig erweitert sich der Markt auch abseits von Raumfahrzeugen und Hardware. Dienstleistungen rund um Daten, Kommunikation, Logistik, Software, Testverfahren und technische Unterstützung werden immer wichtiger und spiegeln die breitere Kommerzialisierung der Raumfahrtwirtschaft wider.
In der Luftfahrt konzentrieren sich die Chancen für Zulieferer auf technisch anspruchsvolle Nischensegmente. Dazu gehören Feinmechanik, Spezialwerkstoffe, Leichtbau, optische Systeme, Sensortechnologie, hochzuverlässige Elektronik, Fügetechnik, und Oberflächenbehandlungsprozesse, Prüf- und Messtechnik, Inspektionssysteme, Automatisierung, Robotik, KI-gestützte Inspektion sowie Engineering-Software.
Bei Verkehrsflugzeugen erfolgt der Marktzugang häufig über Tier-1- oder Tier-2-Lieferanten und nicht über direkte Lieferantenbeziehungen mit Boeing oder Airbus. In der Geschäfts- und allgemeinen Luftfahrt ist der Zugang für Anbieter über kleinere Produktionsserien und kundenspezifische Anforderungen unter Umständen flexibler als über grosse kommerzielle Programme. Im Hubschraubersegment sind unter anderem missionskritische Subsysteme, Vibrations- und Sicherheitslösungen, Sensortechnologie, Avionik und wartungsrelevante Prozesse von Bedeutung.
Florin Müller
Head of Swiss Business Hub USADas Drohnensegment folgt einer anderen Logik. Es ist dynamischer, aber auch aus regulatorischer und sicherheitstechnischer Sicht sensibler. Entsprechende Chancen können sich bei Komponenten und Teilsystemen wie Sensoren, Edge AI, sicherer Kommunikation, Navigation, Energiemanagement, Leichtbaustrukturen, Testsystemen und Aufskalierung der Fertigung ergeben. Gleichzeitig können Fragen rund um die Dual-Use-Klassifizierung, die Einhaltung von Vorgaben der US-Regierung und die mögliche Notwendigkeit eines US-Partners oder einer lokalen Fertigung die Marktzugangsbedingungen beeinflussen.
In der US-Raumfahrtbranche bestehen Chancen für ausländische Anbieter, jedoch vor allem in bestimmten Spezialbereichen. Trotz selektivem Zugang sind Schweizer Anbieter bereits in ausgewählten Programmen der NASA und von SpaceX präsent und zeigen, dass der Einstieg in klar definierte Nischen möglich ist. Dazu gehören innovative Werkstoffe, KI-Anwendungen, Software, Elektrotechnik, optische Geräte, Laborgeräte, Robotik sowie Prüf-, Mess- und Regelungstechnik. Auch im Bodensegment und in angrenzenden Bereichen wie Datenverarbeitung, Simulation, Erprobung, Forschung, Schulung, Logistik und technische Dienste kann Nachfrage entstehen.
Florin Müller
Head of Swiss Business Hub USAIndessen gilt auch die Vorgabe «Made in America» als Zugangsbedingung für öffentlich geförderte Programme. Dies erhöht tendenziell die Bedeutung einer lokalen Wertschöpfung, US-amerikanischer Partnerschaften und der Integration in heimische Lieferketten. Infolgedessen hängt der Marktzugang in diesen Programmen oft von der Zusammenarbeit mit in den USA ansässigen Unternehmen, Forschungs- und Testeinrichtungen, Systemintegratoren oder spezialisierten Sublieferanten ab.
Bei kommerziellen Raumfahrtanwendungen sind die Eintrittsbarrieren zwar niedriger als bei öffentlich geförderten Programmen, aber auch hier bleiben Referenzen, Qualifikationen und Lieferfähigkeit wichtig, ebenso wie die Fähigkeit, mit den Entwicklungszyklen Schritt zu halten.
Für Schweizer Zulieferer ist der US-amerikanische Luft- und Raumfahrtsektor wegen seiner Grösse und Nachfrage attraktiv, aber auch mit hohen Eintrittsbarrieren verbunden. Chancen gibt es sowohl in der Luft- wie auch in der Raumfahrt, jedoch konzentriert auf spezialisierte Segmente und unter anspruchsvollen technischen, regulatorischen und beschaffungsrelevanten Rahmenbedingungen.
S-GE kann Schweizer Unternehmen bei der Marktorientierung, der Identifikation relevanter Kundengruppen und Partnerstrukturen sowie der ersten Abklärung regulatorischer und beschaffungstechnischer Rahmenbedingungen unterstützen. Auch bei der Vorbereitung auf erste Marktgespräche und beim Zugang zu relevanten Kontakten, Netzwerken und Branchenplattformen in den Vereinigten Staaten ist Unterstützung möglich.
Angesichts der Grösse und Komplexität des Marktes bleiben eine klare Spezialisierung und eine realistische Positionierung zentral für den Marktzugang.
Aerospace Industries Association, 2025 Facts & Figures: «American Aerospace & Defense Industry Continues Economic Dominance», 2025
Germany Trade & Invest, «Raumfahrtindustrie in den USA baut Vorsprung aus», 2026
Boeing, «Boeing Announces Fourth Quarter Deliveries / 2025 Deliveries», 2026
Airbus, «Airbus reports 793 commercial aircraft deliveries in 2025», 2026
General Aviation Manufacturers Association, «2025 Aircraft Shipment and Billing Report», 2026
Federal Aviation Administration, «FAA Aerospace Forecasts FY 2025-2045 / FY 2026-2046», 2025/2026
U.S. Government Accountability Office, «Commercial Aviation Manufacturing: Supply Chain Challenges and Actions to Address Them», 2024
Center for Security and Emerging Technology, «The U.S. Aerial Drone Market», 2025
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