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Korruption im Auslandgeschäft: vorbeugen, erkennen, stoppen

21. Mai 2026

Koffer voller Bargeld, düstere Gestalten oder schummrige Hinterzimmer prägen das Klischee von Korruption. Mit dem Geschäftsalltag vieler Unternehmen hat dieses Bild wenig zu tun.

Risiken entstehen oft in Alltagssituationen, besonders dann, wenn unter Druck gehandelt werden muss: Am Zoll fehlt ein Stempel. Eine Ausschreibung kippt. Oder eine Drittpartei „hilft“ mit Kontakten, die niemand sauber erklären kann.

Fehlen in solchen Momenten klare Handlungsanweisungen, steigt das Risiko von Fehlentscheidungen. Dann besteht die Gefahr, dass nach kreativen Lösungen gesucht wird, die ausserhalb des legalen Rahmens liegen. Unternehmen sollten Korruptionsrisiken deshalb systematisch eingrenzen mit Prävention, Aufdeckung und Reaktion.


Vorbeugen: System schaffen, bevor Druck entsteht

Prävention hilft, Probleme gar nicht erst entstehen zu lassen und steht am Anfang der Korruptionsbekämpfung. Dabei schafft ein Unternehmen klare Regeln für Situationen, in denen Druck besteht. Dazu gehören schriftliche Vorgaben, definierte Zuständigkeiten und transparente Abläufe in kritischen Prozessen. Massnahmen sollen zum Risiko passen. Nicht jede Konstellation verlangt denselben Aufwand. Entscheidend ist, dass Abklärungen und Entscheide nachvollziehbar sind und dokumentiert werden. Das entlastet den Geschäftsalltag und stärkt den Nachweis im Ernstfall. 

Ein heikler Praxisbereich sind Geschenke, Einladungen und ähnliche Zuwendungen. Sie können zur Beziehungspflege gehören. Sie bergen aber auch Risiken. Zuwendungen dürfen nie einen Geschäftsentscheid beeinflussen oder diesen Anschein erzeugen. Besonders heikel sind Zuwendungen an Amtspersonen. Hier gilt Zurückhaltung. 

Ein einfaches System mit drei Stufen kann in diesem Bereich Orientierung bieten:

 

Quelle: Transparency international, Leitfaden Geschenke und Einladungen

 

Ebenfalls wichtig ist der Umgang mit Drittparteien, um zu verhindern, dass ein integres Unternehmen ungewollt über Geschäftspartner in Korruptionshandlungen verstrickt wird. Darum braucht es ein klares Vorgehen für die Zusammenarbeit mit Agenten, Distributoren sowie Vermittlerinnen und Vermittler. Dazu gehören eine Risikoanalyse der Geschäftsbeziehung, eine risikobasierte Integritätsprüfung und eine vertragliche Verpflichtung auf korruptionsfreies Handeln

Korruptionsdreieck: warum Prävention wirkt

Korruptes Verhalten wird wahrscheinlicher, wenn drei Faktoren zusammenkommen: Gelegenheit, Motivation und Rechtfertigung. 

Corruption triangle

Source: Transparency International, Leitfaden Geschenke und Einladungen

Erkennen: Warnsignale prüfen, statt später erklären 

Selbst gute Regeln ersetzen nicht die Prüfung von auffälligen Vorfällen. Viele problematische Vorgänge sind nicht sofort sichtbar. Deshalb braucht es Kontrollen an den richtigen Stellen. Dazu zählen insbesondere Partnerauswahl, Vergütungen, Provisionen, Zahlungsabläufe, Geschenke und Einladungen. Wo sinnvoll, hilft die Dokumentation in einem Register. Stichproben und Plausibilitätsprüfungen senken das Risiko von Umgehungen. 

Bei Drittparteien lohnt sich eine einfache, aber konsequente Warnsignal-Prüfung. Ein wirksames Instrument dazu sind Red Flags, also Umstände, die auf ein erhöhtes Risiko hindeuten. Sie sind ein Signal, genauer hinzusehen.

Red Flags bei Drittparteien und Zahlungen (Auswahl)

  • Ungewöhnliche oder nicht plausible Transaktionen, etwa Zahlungen an Dritte oder auf Privatkonten 
  • Zahlungen über Konten in einem anderen Land als Sitz oder Leistungsort 
  • Erfolgshonorare, hohe Provisionen oder Boni ohne klare Leistung 
  • Unklare Eigentums- oder Kontrollverhältnisse beim Partner 
  • Widerstand gegen präzise Verträge oder mangelnde Kooperationsbereitschaft bei Abklärungen 
  • Negative Hinweise in Recherchen oder behördliche Verfahren wegen Anti-Korruptionsverstössen 

Quelle: Transparency international, Leitfaden Geschäftspartnerrisiken

Solche Hinweise bedeuten nicht automatisch, dass ein Partner korrupt handelt. Jedoch sind zusätzliche Abklärungen nötig, um Risiken aktiv zu verringern. 


Stoppen: im konkreten Fall korrekt reagieren

Wenn eine Situation kippt, zählt die Reaktion, um Folgerisiken zu verhindern. Dazu gehört, keine Zusagen zu machen, keine Zahlungen auszulösen und den Sachverhalt intern zu melden. Danach braucht es eine Abklärung und einen Entscheid über das weitere Vorgehen.

Ein wichtiger Bestandteil ist eine Meldemöglichkeit für Unregelmässigkeiten. Whistleblowing ist das Melden von Missständen im Unternehmen. Damit Meldungen wirksam sind, müssen sie zügig geprüft werden. Festgestellte Unregelmässigkeiten sind zu beheben, und bei Verstössen sind angemessene Konsequenzen nötig. 


Rechtsrahmen

Im Ausland gilt die Gesetzgebung vor Ort. Für Schweizer Unternehmen ist daneben auch Schweizer Recht relevant. Ausserdem kann ausländisches Recht zusätzlich greifen, insbesondere mit extraterritorialer Wirkung wie beim US Foreign Corrupt Practices Act oder dem UK Bribery Act. 


Weitere Informationen

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