Mitglied des Monats

Wyss&Lila – Pulse of the Alps «Die Welt von morgen gestalten»

Alexander Scholer, Manager Customer Loyalty

1. Juli 2026

Group of people standing on a grassy hill under a cloudy sky.

Die Wyss&Lila AG ist ein in Zug ansässiges Schweizer Unternehmen und Teil der W&L Group. Das Unternehmen agiert als Asset-Lifecycle-Partner für die Bahnindustrie und verbindet Rolling-Stock-Engineering, Instandhaltung, Modernisierung, Bahninfrastrukturplanung, digitale Lösungen und Lifecycle-Management-Dienstleistungen. Mit Aktivitäten an 11 Standorten weltweit unterstützt Wyss&Lila Kunden durch ein integriertes internationales Liefermodell und verbessert Zuverlässigkeit, Verfügbarkeit und Leistungsfähigkeit von Schienenfahrzeugen, Bahninfrastruktur, Systemen und zugehörigen technischen Anlagen.

Wyss&Lila AG steht für technische Verantwortung entlang komplexer Bahnprojekte, von der Fahrzeugentwicklung und Modernisierung bis zur operativen Betreuung im Betrieb. Das Unternehmen unterstützt Betreiber, Hersteller, Leasinggesellschaften und öffentliche Auftraggeber bei Lokomotiven, Reisezugwagen, EMUs/DMUs, Metros, Trams, On-Track-Machines und Spezialfahrzeugen. Im Fokus stehen zuverlässige Fahrzeuge, effiziente Instandhaltungsprozesse, digitale Flottensteuerung und nachhaltige Anlagenverfügbarkeit. Mit internationaler Projekterfahrung, ECM-Kompetenz sowie eigenen Engineering- und Maintenance-Teams verbindet Wyss&Lila strategische Beratung mit praktischer Umsetzung.

Interview-Fragen an Nikola Tubic, CEO, Wyss&Lila AG:

Der Name «Wyss&Lila» verbindet zwei Welten — wie spiegelt sich diese Verbindung in der DNA und Kultur des Unternehmens wider?

Für mich erklärt der Name Wyss&Lila bereits sehr viel über unser Unternehmen. „Wyss“ steht für die Schweizer Interpretation von Weiss: Klarheit, Präzision, Vertrauen und Verantwortung. „Lila“ hat für uns eine tiefere, emotionale Bedeutung. In arabischen und hebräischen Sprach- und Kulturwelten lässt es sich mit der Schönheit der Nacht verbinden, mit Tiefe, Eleganz und etwas Besonderem, das nicht immer auf den ersten Blick sichtbar ist.

Genau diese Verbindung versuchen wir bei Wyss&Lila jeden Tag zu leben. Wir verbinden Struktur mit Kreativität, Disziplin mit Intuition und technische Präzision mit menschlichem Verständnis. Gerade in der Bahnindustrie reicht es nicht, nur das perfekte Design zu sehen. Man muss auch Ausfälle, Verschleiss, Betriebsdruck, Instandhaltung und die Realität des täglichen Betriebs verstehen. Deshalb denken wir in Lebenszyklen und nicht nur in einzelnen Projektphasen.

Unsere Schweizer DNA gibt uns Präzision, Qualität und Verantwortung. Wir nennen das den Puls der Alpen. Mit unseren internationalen Teams und 11 Standorten tragen wir diesen Puls in die Welt hinaus und verbinden ihn mit unterschiedlichen Kulturen, Perspektiven und Lösungsansätzen. Genau daraus entsteht unsere Stärke: praktisch, widerstandsfähig und kreativ zugleich.

Wyss&Lila ist entlang des gesamten Lebenszyklus von Schienenfahrzeugen und Bahninfrastruktur tätig. Wo liegen aktuell Ihre wichtigsten technischen Kernkompetenzen, und in welchen Bereichen der Bahnindustrie sehen Sie derzeit das stärkste Wachstum für Ihr Unternehmen?

Wir sehen Wyss&Lila in der Bahntechnik auf drei klaren Ebenen. Engineering, Maintenance und Infrastructure Design. Entscheidend ist für uns, diese Bereiche nicht getrennt zu betrachten, sondern als ein zusammenhängendes technisches System.

Im Engineering liegt unser Fokus auf komplexen Modernisierungs- und Entwicklungsprojekten für Schienenfahrzeuge. Hier wollen wir als One-Stop-Shop auftreten, von der ersten Idee über Design, Integration, technische Planung und Zulassung bis zur späteren Instandhaltbarkeit. Das gilt für hochwertige Luxury-Rail-Projekte wie den New Orient Express genauso wie für Spezialfahrzeuge mit industrieller, behördlicher oder krisenrelevanter Anwendung.

Im Bereich Maintenance bauen wir ein offenes europäisches Instandhaltungsnetzwerk auf, von Nordeuropa bis zum Bosporus. Unser Ziel ist es, Betreibern, Herstellern, Leasinggesellschaften und Eigentümern einen unabhängigen Partner für Instandhaltung, mobile Teams, Engineering-Support und technische Betreuung zu bieten.

Im Infrastructure Design wachsen wir gemeinsam mit unseren Partnern weiter, insbesondere bei Depotplanung, Infrastrukturdesign und BIM-basierter Koordination.

Unser Wachstum liegt genau in dieser Verbindung. Engineering, Maintenance und Infrastruktur so zusammenzubringen, dass daraus mehr Verfügbarkeit, bessere Planung und langfristiger Mehrwert für das System Bahn entsteht.

Welche Hürden begegnen Ihnen bei der Internationalisierung von Engineering-Dienstleistungen — und wie meistern Sie diese?

Die größte Hürde bei der Internationalisierung von Engineering-Dienstleistungen ist nicht nur die Technik, sondern das Zusammenspiel aus unterschiedlichen Normen, Zulassungsprozessen, Kulturen, Arbeitsweisen und Kundenerwartungen. Wir meistern das, indem wir aus der Schweiz heraus klare Standards, Qualität und Verantwortung vorgeben und diese mit unseren Engineering Centern in Italien und Serbien operativ umsetzen. So verbinden wir Schweizer Präzision und Verlässlichkeit mit internationaler Engineering-Kapazität und lokalem Marktverständnis. Besonders wichtig ist dabei auch die Unterstützung durch die Schweizer Landesvertretungen in den jeweiligen Regionen. Dafür sind wir sehr dankbar, insbesondere dort, wo uns die Schweizer Vertretungen bei unserer Entwicklung und Vernetzung stark unterstützen. Genau diese Verbindung aus Schweizer Führung, regionaler Präsenz und institutioneller Unterstützung hilft uns, international zu wachsen und gleichzeitig nah an den Projekten, Kunden und technischen Realitäten zu bleiben.

Gibt es Zielmärkte, die Sie in den nächsten Jahren besonders im Fokus haben — sei es geografisch oder branchenspezifisch? 

Wir denken unsere Zielmärkte in klaren Schritten. Kurzfristig liegt unser Fokus auf Europa. Hier bauen wir unser Netzwerk für Engineering, Maintenance und Infrastructure Design weiter aus und möchten als unabhängiger, offener Partner für Betreiber, Hersteller, Leasinggesellschaften und öffentliche Auftraggeber wachsen. Mittelfristig und langfristig sehen wir großes Potenzial in Afrika, im Middle East und in Indien, weil dort stark in Bahn, Infrastruktur, Depots und neue Mobilitätskonzepte investiert wird. Für uns geht es dabei nicht darum, einzelne Projekte kurzfristig zu gewinnen, sondern gemeinsam mit lokalen Partnern langfristige Strukturen aufzubauen. Unser Ansatz bleibt derselbe. Schweizer Qualität, regionale Nähe und technische Verantwortung über den gesamten Lebenszyklus.

Was würden Sie anderen Schweizer KMUs empfehlen, die mit dem Gedanken spielen, international zu expandieren?

Ich würde Schweizer KMUs empfehlen, Internationalisierung nicht zu unterschätzen. Es reicht nicht, ein gutes Produkt oder eine gute Dienstleistung zu haben. Man muss vor Ort Vertrauen aufbauen, lokale Partner finden, die Kultur verstehen und bereit sein, langfristig zu denken. Die Schweiz hat international einen sehr guten Ruf. Qualität, Präzision, Verlässlichkeit und Neutralität sind starke Werte, die Türen öffnen können. Aber diese Werte müssen auch aktiv vertreten werden. Gleichzeitig wünsche ich mir, dass die Schweiz ihre Unternehmen bei großen internationalen Infrastruktur- und Mobilitätsprojekten noch stärker unterstützt. Unsere Botschaften und Landesvertretungen leisten bereits sehr wertvolle Arbeit, dafür sind wir sehr dankbar. Aber andere Länder wie Deutschland oder Frankreich gehen bei solchen Themen oft noch strukturierter über Government-to-Government-Kanäle vor und helfen ihrer Industrie dadurch sehr konkret beim Markteintritt. Die Schweiz hat unglaublich starke KMUs, viel Know-how und eine hohe technische Glaubwürdigkeit. Mein Wunsch wäre, dass wir diesen Vorteil international noch selbstbewusster, koordinierter und politisch besser begleitet einsetzen.

Die Bahnbranche steht vor grossen Veränderungen. Digitalisierung, KI, Fachkräftemangel, steigende Anforderungen an Verfügbarkeit und der Druck zur nachhaltigen Mobilität verändern Fahrzeuge, Infrastruktur und Instandhaltung. Welche dieser Herausforderungen beschäftigt Sie als CEO aktuell am meisten?

Mich beschäftigt vor allem die Frage, wie wir aus großen Schlagworten echte Leistung machen. Digitalisierung, KI und Net Zero sind wichtig, aber sie bringen der Bahn nur dann etwas, wenn sie Fahrzeuge zuverlässiger machen, Instandhaltung verbessern und Infrastruktur stabiler betreiben lassen. Die Bahnbranche braucht weniger Theorie und mehr Umsetzung. Dafür braucht es gute Ingenieure, starke Techniker, klare Verantwortung und den Willen, auch bestehende Systeme konsequent zu modernisieren. Der Fachkräftemangel ist dabei eine sehr reale Herausforderung. Technologie kann unterstützen, aber sie ersetzt keine Erfahrung, keine Disziplin und kein technisches Verständnis. Am Ende zählt, ob ein Zug fährt, ob ein Depot funktioniert und ob ein System im Alltag Leistung bringt. Genau darauf muss sich die Branche stärker konzentrieren.

Wyss&Lila beschreibt sich als ein Unternehmen, das Leidenschaft für Engineering in den Mittelpunkt stellt. Wie leben Sie diese Kultur im Alltag, und wie gewinnen und halten Sie die besten Talente in einem umkämpften Markt?

Für mich ist Engineering keine reine Dienstleistung, sondern eine Leidenschaft, die man teilen muss. Ich habe mit 15 Jahren in der Bahnbranche angefangen und bin heute seit 22 Jahren in dieser Industrie. Diese Nähe zu Fahrzeugen, Werkstätten, Projekten und Menschen prägt mich bis heute. Bei Wyss&Lila bedeutet Engineering Verantwortung von der ersten Idee bis zur finalen Ablieferung. Es geht nicht nur um Konzepte oder Zeichnungen, sondern darum, technische Lösungen bis zum Ende zu begleiten und sicherzustellen, dass sie in der Realität funktionieren. Genau diese Haltung wollen wir auch an unsere Teams weitergeben. Gute Talente gewinnt und hält man nicht nur mit Gehalt, sondern mit Vertrauen, Verantwortung und echter Entwicklung. Wir bringen junge Menschen früh an reale Projekte, teilen Wissen und geben ihnen Raum zu wachsen. Wer Bahn wirklich liebt und bereit ist, Verantwortung zu übernehmen, soll bei Wyss&Lila einen Platz finden, an dem er sich entwickeln und mit uns etwas bewegen kann.

Ihre Firma ist Mitglied bei Switzerland Global Enterprise. Was hat Sie dazu bewogen, diese Mitgliedschaft einzugehen, und welchen konkreten Mehrwert ziehen Sie daraus für Ihr internationales Geschäft?

Für uns war die Mitgliedschaft bei Switzerland Global Enterprise ein logischer Schritt, weil Internationalisierung Struktur, Vertrauen und den richtigen Zugang zu Märkten braucht. Der Mehrwert liegt vor allem im Zugang zu Programmen, Marktinformationen, lokalen Ansprechpartnern und Schweizer Vertretungen in den Regionen, in denen wir wachsen wollen. Gerade für ein KMU ist das sehr wertvoll, weil man schneller versteht, welche Märkte passen, welche Partner seriös sind und wie man sich richtig positioniert. Für Wyss&Lila ist S-GE deshalb eine wichtige Brücke zwischen Schweizer Qualität und internationalem Wachstum.

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