4. Nov. 2025

Das 2018 gegründete Unternehmen GenTwo hat eine Plattform entwickelt, mit der Finanzintermediäre alle Arten von Assets und Allokationen effizient in bankfähige Produkte überführen können. Co-Founder und CEO Philippe A. Naegeli erklärt im Interview, wie ausländische Kundinnen und Kunden auf GenTwo aufmerksam wurden und wie das Fintech den Schritt in die Finanzmetropole London wagte.
Wir wurden nicht nur tatkräftig unterstützt, sondern wirklich bei der Hand genommen.
Philippe A. Naegeli, Co-Founder und CEO, GenTwo
Unser Ziel war von Anfang an, dass jeder in das investieren kann, woran er glaubt - national wie international. Die Schweiz als einer der führenden Finanzmärkte weltweit war für uns der ideale Startpunkt und ein guter Testmarkt. Von hier aus haben wir erste internationale Kundschaft gewonnen und direkt über unsere Schweizer Plattform betreut.
Wir haben schnell erkannt, welche Märkte besonderes Interesse an unserer Technologie zeigen. Diese Märkte gingen wir gezielt an. Wir verfolgen eine klare Follower-Strategie basierend auf konkreter Nachfrage. Heute bedienen wir Kundinnen und Kunden in 27 Ländern. Wir bieten überall exakt dieselbe Plattform, dieselbe Technologie, dieselben Möglichkeiten an.
Die Teilnahme an der Venture Leaders Roadshow kam für uns genau zum richtigen Zeitpunkt. Einerseits war der Austausch mit den anderen Venture Leaders sehr wertvoll. Man lernt viel voneinander, und einige Kontakte bestehen bis heute.
Andererseits bot man uns eine gute Mischung aus Gesprächen mit Investorinnen und Investoren, lokalen Marktakteuren und Techfirmen. Es war eine Gelegenheit, um unser Modell vor Ort zu testen und unser Netzwerk auszubauen. Dabei kamen wir auch mit dem Swiss Business Hub UK, der Aussenstelle von Switzerland Global Enterprise in Kontakt. Rückblickend war das Programm für uns der perfekte Türöffner.
Ehrlich gesagt, ich hätte am Anfang auch gedacht, dass das nicht gut zusammenpasst. Man erwartet nicht, dass eine kleine Fintech-Firma sofort die Aufmerksamkeit der offiziellen Schweiz bekommt. Aber wir wurden sehr positiv überrascht. Wir konnten direkt mit dem Swissnex-Team und dem Swiss Business Hub der Botschaft sprechen. Es gab ehrliche Antworten, offene Gespräche und konkrete Hilfe.
Alle Personen, die wir dort getroffen haben, waren sehr zugänglich. Auch danach blieb der Austausch mit dem Swiss Business Hub UK eng. Wir haben wirklich Unterstützung erhalten, nicht nur im organisatorischen Sinn, sondern auch auf persönlicher Ebene.
Wir wollten den Start in London mit einem Anlass markieren, der sichtbar ist und im Gedächtnis bleibt. Keine einfache Aufgabe, denn GenTwo war in London ein Nobody. So war die Botschaft der perfekte Ort mit dem gewünschten Stellenwert – symbolisch, aber auch ganz praktisch. Für uns war das ein starkes Zeichen: Wir kommen aus der Schweiz, bringen unsere Lösung nach London und können das an einem Ort zeigen, der genau diesen Brückenschlag repräsentiert. Das hat unserem Auftritt Gewicht gegeben.
Der Swiss Business Hub UK hat uns dabei stark unterstützt von der Planung bis zur Umsetzung. Wir konnten Gäste aus unserem Netzwerk einladen, aber auch Kontakte aus dem offiziellen Umfeld einbinden. Das hat super funktioniert. Es kamen viele interessierte Personen, die sich wirklich mit dem auseinandersetzen wollten, was wir tun. Das erlebt man auf heutigen Finanzkonferenzen oder ähnlichen Anlässen nur selten.
Die Schweiz ist und bleibt unsere Basis: wir verdanken ihr vieles. Aber für unsere internationale Entwicklung ist London zentral. Gerade im Finanzbereich ist London einer der wichtigsten Standorte weltweit. Praktisch jede relevante Vertragspartei ist dort vertreten. Deshalb haben wir uns entschieden, dort mit einem Büro und eigenen Mitarbeitenden präsent zu sein und unsere Arbeit vor Ort weiter auszubauen.
Darüber hinaus ist die USA für uns ein klar erklärtes Ziel. Wir haben dort bereits Kundinnen und Kunden, es ist aktuell unser drittgrösster Markt. Auch Singapur oder der Mittlere Osten wären spannend für uns. Aber wir müssen fokussiert bleiben. Unser Weg führt derzeit klar nach Westen.
So früh wie möglich raus, das wäre mein Rat. Die Schweiz ist eine gute Basis, keine Frage. Aber wer international wachsen will, sollte nicht zu lange warten.
Rückblickend hätten wir uns früher auch physisch bewegen sollen, nicht nur international Kunden gewinnen, sondern auch präsenter vor Ort sein. Heute ist das einfacher denn je, man muss nicht sofort ein Büro eröffnen, aber man sollte sich den Märkten stellen, Kontakte knüpfen und Erfahrungen sammeln.
Der richtige Zeitpunkt für die Internationalisierung kommt nie. Deshalb sollte man ihn nicht zu lange suchen, sondern einfach machen. Auch wenn es weh tut: Genau das sind oft die wertvollsten Erfahrungen.
Die erfolgreiche Markteinführung von GenTwo in Grossbritannien ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie Schweizer Innovationen auf einem der wettbewerbsintensivsten Finanzmärkte der Welt Anklang finden können. Wir sind stolz darauf, das Unternehmen auf seinem Weg zu einer starken, sichtbaren Präsenz in London unterstützt zu haben. Diese Erfolgsgeschichte unterstreicht den Wert der engen Zusammenarbeit zwischen Start-ups und dem offiziellen Schweizer Netzwerk im Ausland. Wir helfen Schweizer Fintechs gerne dabei, eine dauerhafte Sichtbarkeit und vertrauensvolle Beziehungen auf dem britischen Markt aufzubauen, und freuen uns darauf, weitere Unternehmen bei ihrer Expansion in Grossbritannien zu unterstützen. Denn wenn Schweizer Präzision auf britische Opportunitäten trifft, können grossartige Dinge entstehen – und GenTwo ist der Beweis dafür!
Natalie Thomas, Head of Swiss Business Hub UK