
Äthiopien ist noch immer eine der grössten und am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften Afrikas, deren BIP 2024 im Zuge der Erholung von den jüngsten wirtschaftlichen und politischen Schocks ein Wachstum von etwa 6 bis 7 % verzeichnete.
Trotz aller Herausforderungen bietet Äthiopiens Weg zur wirtschaftlichen Normalisierung Potenzial für langfristiges Engagement und Wachstum in einem Markt, der noch nicht in den WTO-Rahmen integriert ist. Nach wie vor ist die Landwirtschaft das Rückgrat der Wirtschaft – sie beschäftigt mehr als 60 % der Bevölkerung und macht rund ein Drittel des BIP aus –, während grosse Infrastrukturprojekte, von denen viele von internationalen Partnern unterstützt werden, die Entwicklung weiter vorantreiben. Die Regierung führt schrittweise Reformen durch, die auf die Liberalisierung wichtiger Sektoren, die Stärkung der Privatwirtschaft und die Öffnung ausgewählter Bereiche für ausländische Investitionen abzielen.
Für Schweizer Exporteuren bestehen Chancen in den Bereichen Gesundheit und Pharmazeutika, Lebensmittelverarbeitung, Agrartechnologie, digitale Dienstleistungen und Tourismus. Äthiopien hat Interesse an einer engeren Zusammenarbeit mit der Schweiz auf den Gebieten Gesundheit, Bildung und Technologie bekundet, und die grosse und junge Bevölkerung des Landes sorgt für eine steigende Nachfrage nach hochwertigen Produkten und Dienstleistungen. Unternehmen müssen jedoch auch mit anhaltenden Herausforderungen wie einer Inflation im hohen zweistelligen Bereich, einem streng kontrollierten Devisensystem und gelegentlichen bürokratischen Hürden zurechtkommen. Eine gründliche Vorbereitung, sorgfältiges Risikomanagement und vertrauenswürdige lokale Partner sind entscheidend für den langfristigen Erfolg.
Freihandelsabkommen
Es gibt ein Freihandelsabkommen zwischen der Schweiz und diesem Land. Quelle: Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO).
Total Handelsströme
Gesamtvolumen der mit der Schweiz gehandelten Waren (Importe + Exporte). Quelle: UN Comtrade. Daten per 2023.
BIP-Wachstum über 3 Jahre
Gesamtwachstum des realen BIP in den letzten drei Jahren. Quelle: Weltbank. Daten per 2023.
Mehmet Yildirimli
Senior Consultant Africa, Türkiye + Israel
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Switzerland Global Enterprise (S-GE) und die Schweizer Botschaft in Äthiopien laden Schweizer Unternehmen zu einer 4-tägigen Informationsreise nach Äthiopien ein – ein praktischer nächster Schritt für Unternehmen, die Möglichkeiten in verschiedenen aufstrebenden Sektoren wie ICT & Digital Economy, Life-Sciences & Healthcare, Finance und Maschinen & Industrietechnik erkunden und die Rolle Äthiopiens als regionaler Drehscheibe im Grossen Horn von Afrika verstehen möchten.
Addis Abeba (tbd), Äthiopien
Äthiopiens Wirtschaft befindet sich in einer Erholungsphase; 2024 wurde ein reales BIP-Wachstum von 6 bis 7 % erzielt, und für 2025 wird eine ähnliche Dynamik erwartet. Internationale Finanzhilfen von Institutionen wie dem IWF und der Weltbank tragen zur Stabilisierung der öffentlichen Finanzen und zur Fortsetzung der Reformbemühungen bei. Die Inflation bleibt weiterhin hoch – im zweistelligen Bereich – und der äthiopische Birr steht weiterhin unter Abwertungsdruck. Exporteure sollten bei der Planung ihres Markteintritts und der Preisfestsetzung Inflations- und Wechselkursrisiken berücksichtigen.
Landwirtschaftliche Produkte – insbesondere Kaffee, der im Jahr 2024/25 mehr als 2,6 Milliarden US-Dollar einbrachte – bleiben Äthiopiens wichtigste Exportgüter, gefolgt von Gold und Gartenbauprodukten. Die Importe werden weiterhin von Maschinen, Industriegütern, Treibstoffen und Industrieprodukten dominiert, wobei China der grösste Handelspartner Äthiopiens bleibt. Für Schweizer Exporteure bestehen Chancen bei Maschinen, Verarbeitungsanlagen, Pharmazeutika und spezialisierten Dienstleistungen, die die Industrialisierungsziele Äthiopiens unterstützen.
Für Schweizer Unternehmen bieten sich vielversprechende Möglichkeiten im Gesundheitswesen, bei Pharmazeutika, in der Lebensmittelverarbeitung, Berufsausbildung und Agrartechnologie, bei Ingenieurdienstleistungen sowie bei ausgewählten digitalen Lösungen. Äthiopien hat Interesse an einer engeren Zusammenarbeit mit der Schweiz auf dem Gebiet der Gesundheit und der Bildung signalisiert; die aktuellen Reformen und Privatisierungsbestrebungen verbessern die langfristigen Aussichten für ausländische Investitionen. Im Zuge der Bestrebungen zur Diversifizierung der äthiopischen Wirtschaft und zur Stärkung der industriellen Basis steigt die Nachfrage nach hochwertiger Ausrüstung und nach Fachwissen.
Zu den wichtigsten Sektoren gehören Gesundheit und Pharmazeutika, wo die Nachfrage nach Qualitätsprodukten steigt, Tourismus und Gastgewerbe, die durch den wachsenden Dienstleistungssektor gestützt werden, Landwirtschaft und Agrartechnologie aufgrund der grossen wirtschaftlichen Bedeutung dieses Sektors und Berufsausbildung, wo das duale Ausbildungsmodell der Schweiz von grosser Relevanz ist. Der Dienstleistungssektor Äthiopiens – der rund 40 % des BIP ausmacht – wächst weiterhin und bietet Schweizer Unternehmen Chancen in den Bereichen Technologie, Beratung und Kapazitätsaufbau.
Schweizer Exporteure stehen vor Herausforderungen wie eingeschränktem Zugang zu Fremdwährungen unter dem staatlich verwalteten Wechselkurssystem Äthiopiens, hoher Inflation, regulatorischer Komplexität und politischer Unsicherheit. Klimabedingte Risiken, beispielsweise Dürreperioden, die die Landwirtschaft beeinträchtigen, können sich auch auf die Geschäftsbedingungen auswirken. Um diese Risiken zu mindern, sollten Exporteure starke lokale Partnerschaften aufbauen, längere Zeitpläne vorsehen und bei Verträgen und finanziellen Vereinbarungen auf Flexibilität achten.