Success Stories

CSL Behring: «Ausschlaggebend waren die Time-to-Market und die nachweisliche Erfolgsbilanz des Standortes Bern.»

4. Nov. 2025

Seit über einem Jahrhundert hält CSL Behring (CSLB) sein Gründungsversprechen, Menschen mit seltenen und schweren Krankheiten zu helfen. Das Unternehmen ist spezialisiert auf die Herstellung von Medikamenten zur Behandlung von Immunschwächen und Störungen der Immunfunktion sowie von Medikamenten zur Rhesusprophylaxe und Albuminlösungen für Schock- und Verbrennungsopfer. Martin Schären, Senior VP und General Manager der CSL Behring AG in Bern, erklärt im Interview mit uns, wie das Unternehmen weiter Innovationen ausarbeitet und lebensrettende Medikamente liefert.

CSL Behring verfügt über eine neue, 300 Mio. Franken teure, hochmoderne Immunglobulin-Produktionsanlage (Projekt Protinus) im Schweizer Kanton Bern. 

Was sind die spannendsten Vorhaben aus Ihrem Portfolio an Projekten in Entwicklung, an denen Sie aktuell arbeiten? 

Unsere starke Forschungs- und Entwicklungsabteilung (F&E) nutzt unser Know-how in den Bereichen Plasmafraktionierung, rekombinante Technologie sowie Zell- und Gentherapie, um neue und verbesserte Produkte zu entwickeln und zu liefern. Diese zielen auf ungedeckten medizinischen Bedarf ab oder erweitern bestehende Therapien in fünf Therapiebereichen: Immunologie, Hämatologie, Herz-Kreislauf- und Stoffwechseltherapie, Atemwege und Transplantation. In jedem dieser Therapiebereiche verfügen wir über viele spannende und vielversprechende Assets in unserem F&E-Portfolio. 

Beispiele sind: 

CoVIg-19 Hyperimmun 

Die Phase-III-Studie, an der dieCoVIg-19 Plasma Alliance beteiligt ist, hat Anfang Oktober 2020 ihren ersten Studienteilnehmer aufgenommen. Die Studie wird mehrere Monate in Anspruch nehmen, aber bei positivem Ergebnis wird sie die Grundlage für Zulassungsanträge bilden. Das Hyperimmunpräparat CoVIg-19 hat das Potenzial, Menschen mit schweren, durch COVID-19 verursachten Komplikationen zu behandeln. 

CSL112 zur Behandlung von früh rezidivierenden kardiovaskulären Erkrankungen (KVE) nach akutem Myokardinfarkt (MI) 

Wir arbeiten an einer Phase-III-Studie zur möglichen Behandlung des akuten Koronarsyndroms. Die Studie untersucht die Wirksamkeit und Sicherheit von CSL112 während der hochriskanten Zeit von 90 Tagen nach einem Herzinfarkt. 

Lentivirus-basierte Gentherapie von hämatopoetischen Stammzellen 

Wir entwickeln die Lentivirus-basierte Gentherapie-Technologie weiter, die wir vor ein paar Jahren von Calimune erworben haben. Ein erstes Produkt zur Behandlung der Sichelzellkrankheit (Sickle Cell Disease, SCD) befindet sich derzeit in Phase I. 

Die gleiche Technologie wird in einem zweiten Produkt zur Behandlung von primärem Immundefekt (Wiskott-Aldrich-Syndrom) eingesetzt und ist seit ein paar Monaten in der Entwicklung. 

Was hat CSL Behring unternommen, um die Sorgen von Menschen mit seltenen Krankheiten im Zusammenhang mit der Pandemie anzusprechen? 

Dank strategischer Partnerschaften und Kooperationen mit Wissenschaft, Industrie und Regierungen konnten wir rasch auf die Krise im Bereich der öffentlichen Gesundheit reagieren. Zusätzlich zu unseren üblichen Programmen, die Patienten und ihren Angehörigen Hilfe und Unterstützung bieten, haben wir während der Pandemie unsere Online-Programme und unsere Medienpräsenz erhöht und in unseren Tochtergesellschaften eine Reihe von Aktivitäten und Initiativen eingeführt. Diese richten sich an bestimmte Patientengruppen oder unterstreichen den Wert von Plasma und seine Relevanz für Menschen mit seltenen Krankheiten in der aktuellen Krise. 

CSLB hat viele laufende Projekte zur Bekämpfung des neuartigen Coronavirus: 

Zusammen mit Takeda, die ebenfalls  einen Produktionsstandort in der Schweiz betreiben, haben wir in Neuenburg die CoVIg-19 Plasma Alliance gegründet, eine beispiellose Partnerschaft von über 10 Unternehmen der Plasmabranche zur Entwicklung einer Hyperimmuntherapie gegen COVID-19. 

Dank einer Vereinbarung mit AstraZeneca wird CSLB den Impfstoffkandidaten der Universität Oxford für den Vertrieb in Australien herstellen. Der Impfstoff wird in unseren Werken in Melbourne, Australien, hergestellt, und die ersten Impfdosen sind für Anfang 2021 geplant. 

CSLB entwickelt ein Hyperimmun-Plasma-Prüfpräparat gegen SARS-CoV-2 für den australischen Markt. Damit sollen Menschen mit schweren Komplikationen aufgrund einer COVID-19-Erkrankung behandelt werden. Die Produktion für die klinische Studie hat bereits begonnen. 

In der Schweiz haben wir die Erfahrung gemacht, dass es in der Regel weniger Aufwand erfordert, Fristen einzuhalten und Ziele termingerecht und innerhalb des Budgets zu erreichen. 

CSL Behring verfügt über eine neue, 300 Mio. Franken teure, hochmoderne Immunglobulin-Produktionsanlage (Projekt Protinus) im Schweizer Kanton Bern. Wie wurde der Standort gewählt und was sind Ihre Erfahrungen in der Schweiz? 

Entscheidungen über den Standort von Kapitalanlagen basieren auf einem Auswahlprozess, der Teil der Netzwerkstrategie des Unternehmens ist. Wesentliche Aspekte sind die kritische Masse, vorhandenes technisches Know-how und technische Fähigkeiten, Infrastruktur, Zugang zu einem Lieferantennetzwerk, Regulierungsrisiken, laufende Regierungs- und Arbeitsbeziehungen, finanzielle Stabilität und mögliche Synergien.

Beim Projekt Protinus waren die Time-to-Market und die nachweisliche Erfolgsbilanz des Standortes Bern ausschlaggebend. Die nachweisliche Erfolgsbilanz bezieht sich auf die typischen schweizerischen Tugenden: Zuverlässigkeit, Präzision und Qualitätsarbeit. In der Schweiz haben wir die Erfahrung gemacht, dass es in der Regel weniger Aufwand erfordert, Fristen einzuhalten und Ziele termingerecht und innerhalb des Budgets zu erreichen. 

Bei der sitem-insel AG, wo neben dem Inselspital in Bern unser Forschungs- und Entwicklungsstandort angesiedelt ist, haben wir den Vorteil, wissenschaftliche Expertinnen und Experten so nah an unserem Produktionsstandort zu wissen. Unser rund 70-köpfiges Forscherteam fördert den wichtigen Dialog zwischen Industrie und akademischer Forschung, den Technologietransfer, die operative Zusammenarbeit und das Netzwerk strategischer Allianzen. 

Sie haben sowohl F&E als auch einen regionalen Hauptsitz in der Schweiz. Welche Rolle spielt die Schweiz in Ihrer globalen strategischen Unternehmenspräsenz? 

Die Schweiz spielt eine wichtige Rolle für unser globales Geschäft. Am Standort Bern sind wir das Kompetenzzentrum für Immunglobuline (Ig). Die hier hergestellten Therapien sind wichtige Treiber für den Erfolg und das solide Wachstum des Unternehmens. Die Nachfrage nach unseren Ig-Therapien und unserem Portfolio ist nach wie vor hoch und die Therapien verkaufen sich gut. 

Die F&E-Abteilung fördert das nachhaltige Wachstum des Unternehmens, indem sie erstklassige Wissenschaft, Technologie und Zusammenarbeit voranbringt. Bei der sitem-insel AG, wo neben dem Inselspital in Bern unser Forschungs- und Entwicklungsstandort angesiedelt ist, haben wir den Vorteil, wissenschaftliche Expertinnen und Experten so nah an unserem Produktionsstandort zu wissen. Unser rund 70-köpfiges Forscherteam fördert den wichtigen Dialog zwischen Industrie und akademischer Forschung, den Technologietransfer, die operative Zusammenarbeit und das Netzwerk strategischer Allianzen. 

Um den Fokus auf F&E in der Schweiz zu verstärken, sind wir eine Partnerschaft mit BaseLaunch eingegangen. Es handelt sich um einen Accelerator und Inkubator für Early Stage Ventures zur Entwicklung modernster Therapien mit Sitz in Basel. Die Partnerschaft wird uns helfen, potenzielle externe Kooperationspartner in ganz Europa zu identifizieren und Beziehungen zu ihnen aufzubauen, was unsere Position in der Schweiz stärkt. Ebenso ist unser Research External Innovation (REI)-Team eine Zusammenarbeit mit Biopôle in Lausanne eingegangen, mit dem Ziel, zusätzliche Möglichkeiten für F&E und die Entwicklung neuer Technologien zu bieten. 

Was sind die Herausforderungen und Trends in der Biologika-Produktion und welche Innovationen haben Sie mit Ihren Herstellungsprozessen erzielt? 

Unsere grösste Herausforderung ist es, unsere Herstellungsprozesse kontinuierlich zu optimieren und die Wiederherstellung von Prozessen in unseren bereits leistungsstarken Anlagen zu verbessern. Ein effizientes und effektives Lieferkettenmanagement ist ebenfalls erfolgsentscheidend. Wir müssen flexible Organisationen aufbauen, die agil sind und zeitnah auf die Bedürfnisse der Kunden und/oder Stakeholder reagieren können. 

Wir sind diese Herausforderungen bei CSLB angegangenund sind überzeugt, dass wir gut aufgestellt sind, um auf zukünftige Trends zu reagieren. Erst kürzlich haben wir eine unternehmensweite End-to-End (E2E) Operations Organisation etabliert, zusammen mit einer strategischen Überprüfung der E2E Supply Chain. Zudem haben wir ein neues Enterprise Resource Planning (ERP) in unserem globalen Netzwerk implementiert. 

Wir sind ein Purpose getriebenes Unternehmen mit einer wertebasierten Unternehmenskultur. Alle unsere 27.000 Mitarbeiter setzen sich für die Umsetzung unseres langjährigen Versprechens ein, die neuesten Technologien bereitzustellen, die Leben retten und die Gesundheit von Menschen auf der ganzen Welt schützen.

Innovation ist einer unserer fünf globalen Kernwerte und eine Säule unserer globalen Strategie – aber vielleicht am wichtigsten ist die kontinuierliche Investition in unsere Mitarbeiter. 

Unsere grösste Herausforderung ist es, unsere Herstellungsprozesse kontinuierlich zu optimieren und die Wiederherstellung von Prozessen in unseren bereits leistungsstarken Anlagen zu verbessern.

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