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Embotech lässt autonomes Fahren Wirklichkeit werden

Auf Werksgeländen realisiert Embotech die Zukunft des autonomen Verkehrs. Das ehemals als ETH-Spin-off gegründete Unternehmen steht an der Hightech-Spitze des Trends und hat namhafte Partner. Laut CEO Andreas Kyrtatos hat dieser Erfolg auch mit den Wurzeln in der Greater Zurich Area zu tun.

Embotech realisiert das automatisierte Fahren von Trucks. Bild: Embotech
Embotech realisiert das automatisierte Fahren von Trucks. Bild: Embotech

Inwieweit ebnen Embotech-Systeme den Weg für das autonome Fahren im Mainstream?

Andreas Kyrtatos: Gegenüber dem autonomen Fahren existiert noch Misstrauen. Wenn sich die Technologie auf geschlossenem Gelände beweisen kann und sich damit sogar grosse, schwere Nutzfahrzeuge reibungslos steuern lassen, baut dies Vertrauen in die Technologie auf. Wir zeigen in einem Video, wie ein grosser LKW mit unserer virtuellen Fahrsoftware PRODRIVER millitmetergenau in einem von Porzellanvasen abgesteckten Parcours navigiert. Da traut auch der argwöhnischste Betrachter unserer Technologie über den Weg.

Ihre Lösungen sind in smarten Fabriken, aber auch bei Logistikern und Minen-Betreibern im Einsatz. Wo sehen Sie momentan das grösste Potenzial?

In der Logistik- und Transportbranche. Hier kommt unsere Technologie vielfältig zum Einsatz: beim Betrieb von Container-Terminals, bei Rangierlösungen sowie bei Fahrten und Bewegungen auf dem Werksgelände von LKW und deren Anhängern – bei der gesamten Betriebshof-Automatisierung. Durch die Voraussetzung geschlossener Werksgelände lässt sich unsere Technologie hier schnell und unkompliziert testen und in Betrieb nehmen.

Welchen Beitrag hat Zürich, wo Embotech gewachsen und angesiedelt ist, an Ihrem Erfolg? 

Zürich ist ein Erfolgsfaktor – auch durch das Made-in-Switzerland-Label. Damit meine ich nicht nur die zentrale Lage, die sehr gute Infrastruktur und Lebensqualität. Zürich hat sich in den letzten Jahren zu einem Tech-Hub internationaler Grösse gewandelt und ist ein Hotspot für Innovationsentwicklung mit attraktiven Innovationsförderprogrammen. Die Greater Zurich Area bietet unglaubliches Potenzial in Forschung und Entwicklung, Fortschritt und Wachstum.

Embotech kombiniert automatisierte Systeme mit Robotik – welche Rolle spielte die ETH?  

Den Anfang machten Algorithmen der Gründer Alexander Domahidi und Juan Jerez, die diese während der Forschung zu ihrer Doktorarbeit an der ETH entwickelt haben. Die ETH ist DER Ort, um Weltklasse-Forschung zu entwickeln und auszubauen. Ein wegbereitendes Stipendium hat dazu verholfen, die Idee in ein Geschäft umzusetzen. Schliesslich konnten wir von der ETH exzellente Kandidaten etwa aus den Bereichen Robotik und Regelungstechnik rekrutieren und damit von drei auf über 50 Mitarbeiter zu wachsen.

Sie kooperieren mit Branchengrössen wie BMW, Volvo oder ZF Friedrichshafen – gibt es auch vorteilhafte Unternehmenspartnerschaften in der Greater Zurich Area?

Wir arbeiten zusammen mit einem Konsortium aus ETH und Industrievertretern für die Automatisierung des Ladevorgangs von Elektrofahrzeugen über einen Roboterarm. Wir kooperieren auch mit Unternehmen aus dem Wirtschaftsraum Zürich, etwa mit dem Navigationsexperten Fixposition aus Schlieren, der Produkte für einige unserer Projekte zur Verfügung stellt.

Ist der Standort auch im Hinblick auf die Finanzierung für Sie relevant? Ende 2021 haben Sie in einer Serie-A-Finanzierungsrunde zehn Millionen Franken eingeworben.

Der Finanzplatz Zürich mit seiner Investorenschaft bietet Start-ups hervorragende Wachstumschancen, vor allem in den schwierigen frühen Phasen. Das Interesse ist gross, Kapital, Förder- und Investitionsprogramme bereitzustellen – bei grossen Finanzinstitutionen und bei Privatinvestoren wie unserem neuen Investor und Vorstandsmitglied Emilio Frazzoli, dem ETH-Professor und ehemaligen Mitbegründer von nuTonomy. Hier erhalten wir Zugang zu Kapital und auch zu wertvollem Fachwissen sowie strategischen Kenntnissen. Gleichzeitig ist die Motivation vorhanden, junge Unternehmen mit Beratung, Coaching und Networking-Kontakten zu fördern. Dabei ist auch die Reputation basierend auf dem ETH-Spin-off-Label attraktiv für Investoren.


Interview: Yvonne von Hunnius

Zur Person / Zum Unternehmen:

Andreas Kyrtatos ist seit 2018 CEO des ETH-Spin-offs Embotech, das 2013 gegründet wurde. Das Software-Unternehmen entwickelt in Zürich autonome Systeme für Industrierobotik sowie Nutz- und Personenfahrzeuge, die auf Fabrikgeländen, in der Logistik oder im Bergbau unterwegs sind. Embotech bringt seit 2020 Systeme für einen autonomen Vollzeit-Betrieb im Bergbau in die Serienproduktion. Mitte 2022 soll die Produktion für Werkslogistik-Systeme für Automobilhersteller starten, Ende 2022 diejenige für Logistikhöfe. Zu den prominenten Kunden, Partnern und Unterstützern zählen BMW, Volvo oder ZF Friedrichshafen. Ende 2021 hat Embotech in einer Serie-A-Finanzierungsrunde 10 Millionen Franken eingeworben – unter anderem unter Beteiligung von Emilio Frazzoli, ETH-Professor und ehemaliger Mitbegründer von nuTonomy. In früheren Runden wurde die Zürcher Kantonalbank und die Zürcher Gruppe Conzzeta (Bystronic) gewonnen. Momentan beschäftigt Embotech 53 Mitarbeitende, bis Ende 2022 sollen es 64 sein.

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