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Freihandelsabkommen in der praktischen Anwendung

Viele KMU tun sich schwer, die Vorteile von Freihandelsabkommen im grenzüberschreitenden Warenverkehr zu nutzen. Mit IT-Unterstützung lassen sich aber selbst komplexe Ursprungsregeln managen, allfällige Risiken minimieren und die bestehenden Präferenzen ausschöpfen.
Ein Gabelstabler verarbeitet Frachtware in einer Abfertigungshalle.
Freihandelsabkommen helfen KMU enorm beim internationalen Warenverkehr.

Freihandelsabkommen (FHA) sollen Firmen den Zugang zu ausländischen Märkten erleichtern, Zollabgaben einsparen und die Wettbewerbsfähigkeit steigern helfen. Nebst der EFTA-Konvention und dem Freihandelsabkommen mit der EU hat die Schweiz bisher 28 FHA ausgehandelt. Im Fokus standen zuletzt das FHA mit China (2015) und das FHA der EFTA-Staaten (Schweiz, Liechtenstein, Norwegen, Island) mit den Philippinen (April 2016).

FHA bringen keine komplette Zollfreiheit. Oft sind gewisse Warengruppen (z.B. Agrarprodukte) vom Freihandel ausgenommen. Und die Zolltarife sinken in vielen Fällen nur stufenweise über mehrere Jahre. Jedes Abkommen sieht unterschiedliche Ursprungs- und Verfahrensbestimmungen vor. Hinzu kommen lokal geltende Regulierungen. Das FHA mit China gilt als besonders komplex und anspruchsvoll.

Prozesse abstimmen und kontrollieren

Ausgangspunkt für eine effektive und risikofreie Nutzung von Präferenzabkommen ist eine sorgfältige Evaluierung der Supply Chain und der eigenen Prozesse. Dabei sollten folgende Fragen beantwortet werden:

  • Welche FHA sind für meine Im- und Exporte relevant?

  • Welche Vorgaben betreffen mein Unternehmen? Wie sehen die Vorschriften konkret aus?

  • Welche Voraussetzungen muss ich erfüllen? Dazu gehört die Abklärung der Ursprungseigenschaft von Zulieferteilen und Herstellungserzeugnissen, eine korrekte Produktklassifizierung aller Vorprodukte und des Exportprodukts, die Zuordnung der Zolltarif-Nummern, eine akkurate Pflege der Stammdaten und nachvollziehbare Präferenzkalkulationen unter Berücksichtigung der Exportkalkulationen sowie der Bedingungen der jeweiligen Freihandelsabkommen.

  • Welche Software kann mich beim Sammeln und Weiterleiten der notwendigen Daten und Dokumente unterstützen (Produktklassifizierung, Zuordnung der Exportkontroll- und Zolltarif-Nummern, Einholen/Erneuern/Validieren/Archivieren der Lieferantenerklärungen, Kalkulation des Ursprungs, Management der Präferenzursprungszeugnisse)? Wie können Probleme vermieden werden?

  • Wer kontrolliert wann wo wie die korrekte Ausführung im Unternehmen? Hierfür ist es unerlässlich, dass sich die am Prozess beteiligten Unternehmensbereiche von der Beschaffung über die Produktion und den Vertrieb bis hin zur Logistik und IT abstimmen und effektive Kontrollprozesse installieren.

  • Wie wird die Umsetzung dokumentiert?

  • Wer überwacht Veränderungen im Welthandel (Gesetze, Währungskurse usw.) und im eigenen Unternehmen, die Einfluss auf Lieferketten und Präferenzkalkulationen haben könnten (Monitoring)?

  • Wer veranlasst welche Massnahmen bei Gesetz-, Zolltarif- (bei stufenweisem Abbau), Produktionsänderungen, Lieferantenwechseln etc.?

  • Wer kontrolliert die Umsetzung der Korrekturen? Welche Softwarelösung kann bei Kontrollen und Korrekturen helfen?

Insbesondere im Bereich der Beschaffung sind im Vorfeld von geplanten Veränderungen (Lieferantenwechsel, neue Transportrouten, Zwischenlager) die Auswirkungen auf die Ursprungskalkulation beim Import und die Herstellungsprozesse sowie auf den Export zu überprüfen. Das erzielte Einsparpotenzial kann unter Umständen zu einem Ausschluss aus einer Präferenz für das Enderzeugnis führen. Dann könnte der Regelzollsatz anstatt die Zollbefreiung zur Anwendung kommen. Nicht immer führt ein niedrigerer Einkaufspreis zu niedrigeren Gesamteinstandskosten oder zu einer höheren Marge beim Endprodukt.

Fazit

Um Freihandelsabkommen erfolgreich zu nutzen, braucht es IT-Kompetenz, die bei KMU nicht selten erst aufgebaut werden muss. Mit Hilfe von Softwarelösungen lassen sich präferenzielle Ursprungsnachweise für Exporte und Lieferantenerklärungen zum Produktursprung für Importe in die Schweiz kosteneffizient erstellen. Falsche oder nicht gerechtfertigte Ursprungsangaben auf präferenziellen Ursprungsnachweisen haben nicht nur wirtschaftliche Einbussen zur Folge, sondern können auch strafrechtliche Zollverfahren für den Exporteur und den Empfänger auslösen. Eine gründliche Vorbereitung und Partnersuche tut not, weshalb sich viele KMU externe Hilfe holen.

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