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Logistik-Experte im Interview - aktuelle Herausforderungen für international tätige KMU

In der aktuellen Situation ist eine übergeordnete Strategie besonders wichtig: Welche Absatzmärkte möchte man bearbeiten, welche Bedingungen bestehen im Absatzmarkt hinsichtlich Freihandelsabkommen und wie können diese Punkte durch die Beschaffung und Fertigung beeinflusst werden? Erfahren Sie im Interview mit dem Logistik-Experten Stefan Schibli, was dies in der aktuellen Situation für KMU bedeutet.

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International tätige KMU sind seit jeher gewissen Unsicherheiten und Risiken ausgesetzt. Die Märkte wurden in den letzten Jahren immer unvorhersehbarer und volatiler und seit der Coronakrise wurden die Unsicherheiten zur neuen Normalität. Für international tätige KMU gibt es daher immer mehr Aspekte zu beachten. Dies ist auch das Thema der Fachtagung Export/Import vom 22. September, für die wir zwei Tickets verschenken. Mehr Informationen dazu finden Sie am Ende des Artikels.

Wir haben uns mit Herrn Stefan Schibli, Teamleader Supply Chain Management bei SFC KOENIG AG, unterhalten und ihm ein paar Fragen gestellt. Was kann er als Fachmann aus der Praxis für Tipps weitergeben?

Welche Herausforderungen beschäftigen Sie aktuell und wie gehen Sie damit um?

Aktuell beschäftigen uns die Unsicherheiten an den Absatzmärkten und der volatile Auftragseingang. Die Abstimmung der ganzen Supply Chain grenzt an eine Mammutaufgabe. Die Volumenabstimmung mit den Lieferanten verlangt nach einem sehr engen Kontakt, um Über- oder Unterbestände zu vermeiden. Viele unserer Lieferanten befinden sich in der Kurzarbeit, wodurch die Erreichbarkeit nicht immer gesichert ist. Die Lieferanten der SFC KOENIG AG befinden sich grösstenteils in der Schweiz oder im grenznahen Ausland, wodurch die Frachtsituation daher nicht ganz so kritisch ist. Mehr Probleme bereitet uns die aktuelle Belieferung unserer Tochtergesellschaften in China und den USA. Speziell für die USA ist das Angebot an Transportkapazität in Flugzeugen immer noch stark begrenzt. Dies führt dazu, dass wir mehr Zeit für die Planung der Flugfracht einplanen müssen. Am Anfang der Corona-Pandemie hatten wir zudem einen Fall, bei dem die Lieferung in Zürich liegen geblieben ist.

Nach welchen Kriterien wählen Sie ihre Logistikpartner aus und worin besteht für Sie eine gute Partnerschaft mit einem Transportunternehmen? 

Wir versuchen einen guten Mix zwischen Preis und Dienstleistung zu erreichen. Wo möglich streben wir Partnerschaften an, bei denen sämtliche Gesellschaften der SFC KOENIG AG profitieren können. Feste Ansprechpersonen bei den Logistikpartner sind für unsere Mitarbeiter sehr wichtig, sie ermöglichen eine einfachere Kontaktaufnahme.

Wo lässt sich bei der internationalen Geschäftsabwicklung Zeit und Geld sparen?

«Die Nutzung von Freihandelsabkommen ist für uns das A und O, speziell weil die EU und China zu unseren grössten Absatzmärkten gehören.»

Der Status des ermächtigten Ausführers hilft uns dabei, administrative Aufwände zu reduzieren. Das heisst aber auch, dass firmeninternes Know-how hinsichtlich Zolltarifnummer, Warenursprung und Export Compliance aufgebaut und stetig weiterentwickelt werden muss. Die Corona Pandemie hat uns zudem dazu gezwungen, bei der Digitalisierung einen Gang hochzuschalten, wodurch wir nun fast gänzlich ohne Papier auskommen.

Bei Transportschäden versuchen wir zusammen mit unseren Kunden und Logistikpartner geeignete Abstellmassnahmen zu definieren, um zukünftige Schäden zu vermeiden.

Welche Themen sollten sich Unternehmen, die neu international tätig werden, frühzeitig befassen und warum?

Im ersten Schritt benötigt es ein gemeinsames Grundverständnis für Compliance. Die Themen Warenursprung, Zolltarifnummern, Import und Export gehören nicht nur in den Einkauf oder Export. Die Geschäftsleitung muss als gutes Beispiel vorangehen und diese Themen vorantreiben.

«Es braucht eine übergeordnete Strategie dazu, welche Absatzmärkte man bearbeiten möchte, welche Bedingungen im Absatzmarkt hinsichtlich Freihandelsabkommen bestehen und wie diese Punkte durch die Beschaffung und Fertigung beeinflusst werden können.»

Zudem braucht es eine Gesamtkostenbetrachtung von der Beschaffung bis zur Auslieferung an den Kunden. Gegenläufige Zielsetzungen können sich negativ auf die Gesamtkosten auswirken. Eine Beschaffung zum tiefstmöglichen Preis kann zudem dazu führen, dass beim Kunden höhere Zölle anfallen und ein mögliches Verkaufsargument zunichte gemacht wird.

Die Welt verändert sich. Gibt es typische Wissenslücken zwischen Einkäufer und Supply Chain Manager oder der Geschäftsleitung, die man Ihrer Meinung nach relativ einfach schliessen kann? 

Leider vermitteln die meisten Ausbildungen kein Basiswissen zum Aussenhandel und Zollwesen. Diese Lücke kann relativ einfach mit Inhouse-Schulungen geschlossen werden. Das Hauptziel sollte hier die Sensibilisierung auf mögliche Risiken sein, die bei Nichteinhaltung von Vorgaben in diesem Bereich bestehen. Zudem müssen Veränderungen dieser Vorgaben regelmässig aufgenommen und Refresher durchgeführt werden.

Angaben zur Person

Stefan Schibli Teamleader Supply Chain Management bei SFC KOENIG AG.

Nach der Ausbildung zum Maschinenmechaniker war er die ersten Jahre in der Montage und Fertigung tätig. Die Ausbildungen zum Techniker HF in Unternehmensprozessen, die Nachdiplome zum Generalmanager NDS FH und Business Coach HF und die diesjährige Ausbildung zum Custom and Trade Professional an der procure.ch ermöglichten ihm die Übernahme von diversen Fach- und Führungstätigkeiten entlang der ganzen Supply Chain.

Zwei Tickets zu gewinnen für die Fachtagung Export/Import am 22. September 2020

Grenzen mühelos zu passieren ist das Ziel des internationalen Warenhandels. Diesem Motto folgt auch die diesjährige Fachtagung «Export/Import», indem sie das Publikum auf eine Reise an pulsierende Orte des grenzüberschreitenden Handels mitnimmt. Wir verschenken zwei Tickets für die Veranstaltung, Cyril Lyner freut sich auf Ihre Nachricht. Die ersten beiden Mails gewinnen.

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